© Franz Gruber, Kurier

Interview
09/23/2015

Mikl-Leitner: "Cybercrime bleibt hoch innovativ"

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner im Interview mit der futurezone über Cyberkriminalität in Österreich und ihre eigenen Erfahrungen mit Cybercrime.

von Patrick Dax

Am Montag wurde der Cybercrime-Report 2014 präsentiert. Zwar gingen die Anzeigen insgesamt zurück. Bei Hacking-Delikten gab es aber Zuwächse von über 70 Prozent. Die futurezone hat Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) befragt.

futurezone: Die Anzeigen im Bereich Cyberkriminalität sind im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent zurückgegangen. Ist Cybercrime tatsächlich gesunken, oder wird nur weniger angezeigt? Johanna Mikl-Leitner: Trotz Rückgang im letzten Jahr zeigt der Langzeittrend nach oben. Auch aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Smartphones, Tablets und Breitbandinternet. Es haben heute wesentlich mehr Leute Zugang zu modernen Technologien als noch vor zehn Jahren. Wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Cybercrime wird weiterhin ein hochinnovates Kriminalitätsphänomen bleiben.

Die Aufklärungsquote ist zurückgegangen. Warum?
Die Täter gehen sehr professionell vor, sie sind länderübergreifend vernetzt. Wir haben auch einen Fall gehabt, wo eine internationale Tätergruppe von der Ukraine aus agiert hat und die USA, Großbritannien, Österreich und auch Deutschland betroffen waren. Das sind relativ langwierige Ermittlungen. Bis die zu einem Erfolg führen, dauert es seine Zeit.

Die Dunkelziffer dürfte auch sehr hoch sein. Wo wird besonders wenig angezeigt?
Oft befürchten Unternehmen Reputationsverluste durch eine Anzeige.

Können Sie das näher definieren?
Im Konzernbereich - im Energie- und Bankensektor, auch bei Versicherungen - sind wir gut aufgestellt. Der Informationsaustausch funktioniert, es werden auch gemeinsame Strategien entwickelt. Es ist eher bei Klein- und Mittelbetrieben der Fall. Hier wollen wir die Klein- und Mittelunternehmer aufklären mehr in ihre IT-Sicherheit zu investieren. Denn viele wissen gar nicht, dass sie angegriffen wurden.

Was machen Sie konkret?
Konkret haben wir für Unternehmen Check-Listen gemacht, die wir ihnen bei Veranstaltungen mitgeben. Wenn wir damit erreichen, dass sie sich einen IT-Berater nehmen, der sich ansieht, wie man Unternehmen besser schützen kann, dann ist sowohl dem Unternehmer als auch der Polizei geholfen.

Das Sicherheitsbewusstsein ist in Österreich im EU-Vergleich relativ hoch. Worauf führen Sie das zurück?
Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder Cyber-Security-Roadshows gemacht in den einzelnen Bundesländern, wir setzen aber auch an den Schulen auf Prävention, um für das Thema zu sensibilisieren.

Welche Rolle spielt der Themenbereich Cybercrime bei der Ausbildung von Polizisten?
Wir gehen den Weg der Spezialisierung. Innerhalb der Polizei werden nicht nur Generalisten, sondern auch Spezialisten gebraucht. Wir haben in einem ersten Schritt 280 IT-Ermittler ausgebildet und wir haben Spezialisten im Landeskriminalamt und im Bundeskriminalamt und natürlich auch im Verfassungsschutz.

Was wird in den nächsten Jahren auf uns zukommen?
Der Hacking-Bereich steigt sehr stark, wo Schadsoftware auf Computern installiert wird und etwa Passwörter ausgelesen werden. Das gilt speziell auch für Smartphone und Tablets, wo die Sicherheit noch nicht so hoch ist.

Neue Bezahlmöglichkeiten über das Handy sind langsam im Kommen. Schlägt sich das schon in den Statistiken nieder?
Ich weiss von keinem Fall. Wir führen aber Gespräche mit Firmen, die solche Technologien anwenden. Da geht es auch darum, Standards einzuführen, damit die Anwendungen sicher sind.

Im Cybercrime-Bereich ist die internationale Zusammenarbeit sehr wichtig. Wie ist Österreich im internationalen Vergleich aufgestellt?
Wir sind im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt, weil wir unsere Spezialisten auch bei Interpol haben. Österreich ist jenes Land, das Interpol die meisten personellen Ressourcen zuführt. Unsere Polizistinnen und Polizisten kommen nach einigen Jahren dann mit einer internationalen Expertise zurück von der wir national stark profitieren.

Sind Sie auch schon einmal Opfer von Cyberkriminalität geworden?
Einmal im privaten Bereich beim Tablet, das viel von meinen Kindern genutzt wird.

Wer wars?
Das war ein HTL-Schüler. Er hat sich entschuldigt und mir einen netten Brief geschrieben, dass er das nie mehr machen wird. Ich habe ihn angerufen und ihn dann mit der ganzen Klasse zu mir ins Innenministerium eingeladen.