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Scholarship of Sound
08/31/2011

Mit AKG und Carl Craig an der Spree

In der Berliner Metropole für elektronische Musik trafen im August zehn Musikproduzenten aus Europa mit Carl Craig, der Techno-Legende aus Detroit zusammen, um mit ihm über seinen Weg im Musik-Business zu plaudern. Auch eine Studio-Session im Musikhotel nhow mit Blick auf die Spree stand beim "AKG Scholarship of Sound" am Programm. Ein Lokalaugenschein.

von Barbara Wimmer

Mit einem Mix aus Kreativität und Technologie ging es in Berlin bei den zweiten Sound-Workshops des Mikrofon- und Kopfhörer-Spezialisten AKG zur Sache. Von Software-Workshops mit Adam Marshall von Ableton und Deadbeat, einem Mikrofon- und Kopfhörer-Test mit AKG, Einblicken in das Mastering bis hin zu einem Experten-Gespräch mit dem 41-jährigen Star-DJ und Produzenten Carl Craig reichte das Programm.

Mehr als 1000 Bewerbungen gab es für dieses Stipendium, zehn Teilnehmer aus Europa wurden ausgewählt. Darunter befand sich auch der 28-jährige Österreicher Richard Eigner, der mit seiner Band Ritornell unterwegs ist sowie als experimenteller Künstler unter anderem Kirchen und spezielle Räume beschallt. "Ich nutze die Chance hier, um Networking zu betreiben und die Berliner Studios auszuprobieren", erzählt Eigner beim Gespräch im Berliner Musikhotel nhow.

Musikhotel nhow

Blick auf die Spree

Carl Craig

Richard Eigner

Die Studenten im Gespräch

Studio im achten Stock
Dort befindet sich im achten Stockwerk - idyllisch 32 Meter über der Spree - auch ein eigenes Studio von Lautstark Musik, in deren Studios bereits Musik-Größen wie REM, Green Day und David Bowie gewerkt haben. Im Produktionsraum gab es zudem Mikrofone von AKG, dem ehemals österreichischen Unternehmen, das 1993 vor einer drohenden Insolvenz vom US-Audio-Spezialisten Harman übernommen wurde. "Es ist immer interessant zu sehen, welche Probleme die Studenten bei der Aufnahme mit den Mikros haben", sagte Dominik Biba von AKG.

Nach der Mikrofon-Session, bei der die Studenten mehr über die Materialien und Frequenz-Analyse erfahren haben, trafen sie mit der Techno-Legende Carl Craig aus Detroit zusammen. "Er plauderte aus dem Nähkästchen", meinte Eigner. So erzählte er den Teilnehmern, dass er seine Karriere nicht erzwungen habe, sondern "einfach glücklich" dabei war, mit dem, was er gemacht hat.

Musik-Karriere im Fokus
"Natürlich gibt es immer Höhen und Tiefen, aber durch meinen starken Willen habe ich meine Karriere immer in den eigenen Händen gehalten", sagte Carl Craig bei unserem Gespräch im Studio. "Ich wünschte außerdem, dass es ein solches Programm bereits vor 20 Jahren gegeben hätte", so Craig, der sich sein Equipment zu Beginn seiner Karriere immer extra ausborgen musste, weil es nicht finanzierbar war, sich jedes Gerät einzeln zu kaufen.

"Berlin als Hauptstadt für elektronische Musik ist zudem ein perfekter Standort", ergänzte Craig, der wie alle anderen Experten, die im Rahmen der AKG-Workshops ihr Wissen weitergegeben haben, dies gänzlich ohne Gage gemacht hat. "Es ist ein gutes Gefühl, wenn man sich über die Hintergründe austauschen kann und auch ich kann noch von so manchem Teilnehmer etwas lernen", so der Profi.

Eigner sieht dies ähnlich: "Selbst wenn man bereits weiß, wie eine bestimmte Technik funktioniert, lernt man immer etwas Neues dazu. Mein Ziel ist es, Musik zu schaffen, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat." Doch nicht nur die Experten und Stipendiaten haben am Ende einen Nutzen von der Veranstaltung. AKG hat sich beispielsweise einen Vorjahresteilnehmer geschnappt, der jetzt in der Wiener Zentrale als Sound-Ingenieur arbeitet.

Carl Craig: "Vinyl liegt mir am Herzen"

futurezone: Sie sind seit mehr als 20 Jahren als Produzent und DJ tätig. Wie hat sich in dieser Zeit Ihre Arbeitsweise verändert?
Carl Craig: Anfangs konnte ich mir nur einen Synthesizer und einen Sequenzer leisten. Das Mischpult zum Aufnehmen und den Drum-Computer musste ich ausborgen. Damals brauchte man viele Kästen, um zu einem Ergebnis zu gelangen. Heutzutage setze ich mich mit meinem Laptop und einem Paar Lautsprecher in ein Schloss in Frankreich, wenn ich an einem Remix arbeite.

futurezone: Woher nehmen Sie Ihre Ideen dafür?
Carl Craig: Das frage ich mich selbst auch manchmal. Meine Ideen schöpfe ich derzeit vor allem aus meinen vielen Reisen. Ich habe aber noch immer den Lebenshunger, den ich schon damals in Detroit hatte. Damals wollte ich unbedingt nach Deutschland, um einmal auf einer Autobahn zu fahren. Ich bin nämlich ein großer Kraftwerk-Fan.

futurezone: Macht es für Sie einen Unterschied, ob ihre Werke auf Vinyl, CD, oder MP3 erscheinen?
Carl Craig: Mein Label Planet E ist vorrangig ein Vinyl-Label. Vinyl liegt mir sehr am Herzen, weil ich erinnere mich gerne daran, wie ich meiner ersten Platte mit 33 1/3 Umdrehungen pro Minute zugesehen habe. Es war damals wunderschön "Papa was a Rolling Stone" auf Platte zu hören. Natürlich erscheinen die Veröffentlichungen auf Planet E auch digital.

futurezone: Sie spielen bei Ihren DJ-Gigs selbst auch mit Software?
Carl Craig: Ich habe oft zwei Termine pro Nacht und jedes Wochenende in mehreren Städten. Aus praktischen Gründen verwende ich Software. Diese stimuliert mich auch als Produzent auf kreativer Ebene. Außerdem können mir zwei bis drei Plattenspieler nicht dasselbe bieten wie Software, mit der ich Hi Hats einfügen, oder Ableton im Hintergrund laufen lassen kann.