Zur mobilen Ansicht wechseln »

Internet-Infrastruktur "Mit Glasfaser sind wir für die Zukunft bestens gerüstet".

Ein Kabelplus-Techniker wartet eine Verteilerstation
Ein Kabelplus-Techniker wartet eine Verteilerstation - Foto: kabelplus/Raimo Rudi Rumpler
Fibre to the Home soll die Internet-Versorgung von Haushalten zukunftssicher machen. Wir sprachen mit Herbert Vögl, Netztechnik-Chef von Kabelplus, über den Glasfaser-Ausbau.

Glasfaser-Internet ist seit vielen Jahren der treibende Begriff in der Telekommunikationsbranche, der untrennbar mit hoher Bandbreite und Geschwindigkeit verknüpft ist. Speziell bei der Übertragung von Daten über große Distanzen können die steigenden Anforderungen an Übertragungsgeschwindigkeiten und Datenmengen nur mehr mittels Glasfasertechnologie zufriedenstellend bedient werden. Internetprovider, die noch vorrangig die sogenannte Zweidrahttechnik im Einsatz haben, versuchen nun, die Abhängigkeit von Kupferkabeln, selbst auf den letzten Metern zum Endkunden, zu verringern. Koaxialkabel-Anschlüsse im Haushalt gelten als zukunftssicher. Dennoch werden Neubauten vermehrt mit Glasfaserkabeln ausgestattet. Wie das gemacht wird und warum, darüber habe ich mit Herbert Vögl, dem Netztechnik-Chef von kabelplus, gesprochen.

Glasfaser bis zur Steckdose

Fiber to the Home (FTTH) nennt sich die Netzausbaustufe bei Festnetz-Internet, mittels derer Endkunden bereits ab der Steckdose über Glasfaser kommunizieren. Bei größeren Wohnungsneubauten ist die Verkabelung mit Lichtwellenleitern bereits Standard. Der hauptsächliche Vorteil gegenüber Kupferkabeln ist die Zukunftssicherheit der Technologie. Während Kupferkabel - insbesondere Zweidrahtkabel - bei der Belieferung von Haushalten mit hohen Bandbreiten oft heute schon an ihre Grenzen stoßen ist bei der Glasfaser noch viel "Luft nach oben". "Aus heutiger Sicht ist man mit Glasfaserleitungen bestens für die Zukunft gerüstet", so Vögl.

Vor allem Video-Inhalte sollen es laut dem Netztechniker sein, die immer höhere Bandbreiten bei der Internetverbindung verlangen. Unterbrechungsfreies Video-Streaming mit möglichst hoher Auflösung stelle Netze vor eine gewisse Herausforderung. Zwar werden Daten immer besser komprimiert, aber der Datenverbrauch beim Internet-Surfen steigt rasant. Netflix erstellt monatlich eine Rangliste jener Internetprovider, welche die Anforderungen für Video-Streaming am besten erfüllen. kabelplus belegte dabei in jüngster Vergangenheit oft den Spitzenplatz.

Teure Grabungen

Eine einzige Glasfaser hat ein Transportvermögen von mehr als 100 Gbit/s. In ein Kabel, das einen Zentimeter dick ist, passen 120 solche Fasern. Wie Vögl schildert, werden beim Bau von Glasfaserleitungen zunächst Rohre mit einem Durchmesser von 40 bis 50 Millimeter im Erdboden verlegt. In diese Rohre werden mit Druckluft kleinere Rohre eingeführt, in diese wiederum die eigentlichen Glasfaserkabel. Das Material selbst ist relativ günstig. Teuer ist es allerdings, einzelne Glasfasern zu verbinden. Das so genannte Spleißen macht Glasfasern ein wenig teurer als Kupferkabel. Noch mehr Geld muss allerdings für das Vergraben der Leitungen aufgewendet werden. "Ein Großteil der Investitionen geht in den Tiefbau", so Vögl.

Die hohen Errichtungskosten beschränken den Netzausbau  für Privatunternehmen meist auf Gebiete, in denen entsprechende Einnahmen zu erwirtschaften sind. Einzelne Einfamilienhäuser werden eher selten direkt mit dem Glasfasernetz verbunden. "40 Meter aufzugraben, um einen Kunden zu erreichen, rechnet sich einfach nicht", sagt Vögl. Auch bestehende Wohnhäuser werden selten mit einem neuen Glasfasernetz ausgestattet werden.

Die letzten Meter

Stattdessen beschränkt sich die Anbindung meist auf Fiber to the Curb (FTTC). Dabei läuft die Glasfaserverbindung bis zu Verteilstationen am Straßenrand ("Curb"), die sich meist in der Form grauer Kästen präsentieren. Von dort führen die existierenden Kupferkabel sternförmig zu Gebäuden, Büros und Wohnungen. Für Telekom-Anbieter bedeutet diese Lösung eine deutliche Verbesserung der Übertragungsqualität. Auf längeren Kupferkabelstrecken kommt es zu Leistungsverlusten. Die auf Kupfer basierenden Endkundennetze von Kabelnetzanbietern wie kabelplus besitzen dagegen Verstärker, die alle 200 bis 400 Meter am Kabelstrang entlang installiert sind.

Endkunden merken heute meist keinen Unterschied, ob sie nun über Kupferkabel mit Verteilstationen (FTTC) oder direkt mit dem Glasfasernetz verbunden sind (FTTH). Mit DSL-Übertragungsstandards können Kupferkabel Bandbreiten von 100 Mbit/s und mehr erreichen.  Mit dem DOCSIS-Übertragungsstandard, den die Kabelnetzanbieter einsetzen, können Bandbreiten von 400 Mbit/s erreicht werden.

Festnetzbandbreiten werden allerdings entsprechend der gekauften Produkte eingestellt und diese sind oft geringer als die maximal erreichbaren.  Die Unterschiede im Kabelmaterial können am ehesten Gaming-Fans bemerken. Glasfaserkabel haben geringfügig bessere Latenzzeiten.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen kabelplus und der futurezone.

(futurezone) Erstellt am 08.07.2016, 06:00

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Dein Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    Bitte Javascript aktivieren!