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Deutschland
02/24/2012

Musikvideos: YouTube-Sperren schaden Sony

Der Chef von Sony Music, Edgar Berger, sagte in einem Interview, dass dem Konzern durch die Sperren von Musik-Videos in Deutschland Millionenumsätze verloren gehen würden. Schuld daran sei die deutsche Verwertungsgesellschaft Gema. Doch diese wies die Vorwürfe zurück.

von Barbara Wimmer

Edgar Berger, Chef von Sony Music, erklärte in einem Gespräch mit der deutschen Zeitung "Die Welt", dass es nicht an Sony liege, wenn in Deutschland offizielle Musikvideos auf YouTube gesperrt seien. Man habe die Inhalte mit den Marktteilnehmern lizenziert. Doch die Verwertungsgesellschaft GEMA würde Urheberrechte "sehr restriktiv lizenzieren", so der Sony-Chef. "Uns gehen dadurch Millionenumsätze verloren". Zudem sieht Berger dies als Mitgrund, warum der digitale Musikhandel in Deutschland weniger stark ausgeprägt sei als anderswo.

"Wissen nicht, wer die Videos sperrt"
Die GEMA hingegen will mit den auf YouTube gesperrten Videos nichts zu tun haben. So sagte ein Sprecher der GEMA vor wenigen Wochen zur futurezone: "Wir wissen nicht, wer die Videos sperrt.". Die eingeblendeten Hinweistafeln, die darauf aufmerksam machen, dass die GEMA für die Sperre verantwortlich sei, seien faktisch falsch und irreführend. Wer hinter der Sperre stecke, sei der GEMA nicht bekannt. Möglicherweise sperre Google selbst die Videos, heißt es weiters.

Nachgefragt bei Google, wer denn nun für die Sperren von YouTube-Videos in Deutschland verantwortlich sei, hieß es: "Diese Frage kann leider nicht pauschal beantwortet werden, dazu muss man sich den einzelnen Fall anschauen. Aufgrund der Datenmenge ist dies für uns aber nicht möglich, daher können wir auch zu Einzelfällen keine Stellung nehmen."

Jahrelanger Rechtsstreit
Google befindet sich derzeit mit der GEMA in einem jahrelangen Rechtsstreit, der unlängst vor Gericht wieder zu keiner Einigung führte. Nachdem ein vorläufiger Vertrag zwischen der Verwertungsgesellschaft und YouTube 2009 ausgelaufen war, konnten sich die Parteien auf keine Nachfolgeregelung einigen.

Auch wenn die Einblendungen, dass die GEMA für die Sperre der Musikvideos verantwortlich sei, der Verwertungsgesellschaft einen sichtlichen Image-Schaden beschert, will diese keinen "Nebenkriegsschauplatz" eröffnen und nimmt laut Angaben des Sprechers diese "faktisch falschen" Hinweistafeln unkommentiert hin. Der Chef von Sony Music hofft, dass es "bei der GEMA irgendwann Einsicht zwecks ökonomischer Notwendigkeit geben wird." Er sei zudem überzeugt davon, dass es am Ende"immer den Muskel einer großen Firma" braucht, um sich als Künstler am Musikmarkt durchzusetzen.

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