Digital Life
15.12.2017

Netflix-Produktchef über Werbepausen und lokale Inhalte

Die futurezone hat den Chief Product Officer von Netflix in Berlin getroffen und ihn zu Netzneutralität, Preiserhöhungen und künftigen Plänen befragt.

Mit einer Verfügbarkeit in 190 Ländern, zigtausenden Filmen und Serien im Angebot und an die hundert Millionen zahlenden Kunden, ist Netflix wohl der unangefochtene Platzhirsch unter den Video-Streamingangeboten. Die futurezone hat Greg Peters, Chief Product Officer bei Netflix, zum Interview getroffen.

futurezone: Als Video-Streaming Dienst ist Netflix dafür bekannt, große Datenmengen über die Netze zu übertragen. Wie steht Netflix zur Netzneutralität? Greg Peters: Wir sind starke Verfechter der Netzneutralität. Wir denken, dass das ein sehr wichtiger Grundsatz ist, den sich die Nutzer erwarten. Wir würden befürworten, dass Regierungen rund um den Globus die Prinzipien der Netzneutralität unterstützen.

Allerdings gibt es in Österreich einen Zero-Rating-Tarif von A1, bei dem Netflix vom Datenverbrauch ausgenommen ist.Generell gesehen finden wir es super, wenn sich die User keine Gedanken über den Datenverbrauch machen müssen, wenn sie Online-Services nutzen. Der beste Weg dabei ist, dass Internetanbieter Tarife anbieten, bei denen das Datenlimit unbegrenzt ist. Durch Zero-Rating kann dies zum Teil auch gewährleistet werden. Da Zero-Rating aber offen für alle ist, ist es nicht diskriminierend. Wir finden, das ist eine passable Lösung. Am besten wäre natürlich, wenn alle Daten unbegrenzt wären. Wo wir aber nicht zustimmen ist, wenn Services bei der Datenübertragung diskriminiert oder bevorzugt werden.

Müssen Netflix-Kunden mit weiteren Preiserhöhung rechnen? Wir haben erst kürzlich die Abo-Preise erhöht. Weitere Preiserhöhungen sind zurzeit absolut nicht geplant. Die letzten Preiserhöhungen sind auch damit zu erklären, dass wir mehr und mehr Inhalte hinzufügen und auch immer mehr Inhalte selbst produzieren.

Erst kürzlich wurde die erste deutsche Netflix-Produktion "Dark" gestartet. Dürfen wir in Zukunft auch mit österreichischen Netflix-Produktionen rechnen? Bei Eigenproduktionen orientieren wir uns in erster Linie daran, wie toll die Geschichten sind. Spannende Stories und gute Drehbuchautoren kommen von überall auf der Welt. Insofern werden wir bestimmt eines Tages auch in Österreich eine Produktion umsetzen.

Schauen wir in die Zukunft: Was dürfen wir uns von Netflix in den kommenden Jahren erwarten? Wir konzentrieren uns auf Inhalte, von denen wir glauben, dass wir sie besser umsetzen können, als klassisches, lineares TV. Bei Live-Inhalten ist traditionelles Fernsehen immer noch unschlagbar. Daher stecken wir auch nicht allzu viel Energie in die Entwicklung von Live-Inhalten. Virtual Reality ist immer noch im Entstehen. Da auf diesem Gebiet noch vieles unklar ist, haben wir auch keine konkreten Pläne, VR-Inhalte anzubieten. Aber wir experimentieren natürlich mit den verschiedenen Möglichkeiten von Virtual Reality.

Wie sieht es mit interaktiven Inhalten aus? Für herkömmliche TV-Sender ist es sehr schwierig, interaktive Filme oder Serien anzubieten. Dazu fehlen ihnen einfach die technischen Möglichkeiten. Für uns als Online-Service sieht die Sache anders aus. Daher experimentieren wir auch mit interaktiven Elementen und schauen, wie diese beim Publikum ankommen. Aber das befindet sich derzeit noch in einer sehr frühen Phase. Wir werden sehen, wohin das führt.

Gibt es irgendwelche Pläne, auf Netflix Werbungen auszuspielen? Nein.

Das ist eine klare Antwort. Wir brauchen das einfach nicht. Wir haben ein anderes Geschäftsmodell.

Mit dem Bitcoin-Hype ist auch die Blockchain-Technologie in aller Munde. Ist die Blockchain in irgendeiner Weise interessant für Netflix? Aktuell nicht unbedingt. Unser Service ist sehr zentral aufgebaut und verlangt ein gewisses Grad an Zentralisierung. Vorteile eines dezentralen Netzwerkes sind in unserem Fall nicht wirklich gegeben. Aber die Blockchain ist eine super spannende Technologie.