Digital Life
14.11.2016

"Nokia wird es nicht leicht haben Kunden zurückzugewinnen"

Maria Zesch, CCO von T-Mobile Österreich, über das Comeback von Nokia, wie Mobilfunker den Wegfall der Roaming-Kosten ausgleichen und warum LTE-Tarife Speedlimits haben.

futurezone: Welches ist 2016 das meistverkaufte Smartphone bei T-Mobile und tele.ring?
Maria Zesch: Sehr beliebt sind in diesem Jahr bei T-Mobile das Apple iPhone 6s, dicht gefolgt von Samsungs Galaxy S7 edge. Nach anfänglichen Lieferschwierigkeiten sehen wir jetzt auch einen steigenden Trend für das iPhone7. Bei tele.ring sind das Huawei P8 lite, Samsung Galaxy J5 und iPhone 5s sehr beliebt.

Vor einem Jahr wurde chinesischen Smartphone-Marken steigendes Interesse prognostiziert. Hat sich das Bewahrheitet oder sind die „traditionellen“ Marken wieder in?
Der chinesische Smartphone-Hersteller Huawei fährt starkes Wachstum in Europa ein. Ein Erfolgsfaktor dafür sind lokale Niederlassungen, die das Geschäft vorantreiben und entsprechend dem jeweiligen Markt agieren. Etablierte Marken wie Sony, LG oder HTC haben am stärksten darunter gelitten. Für uns ist es wichtig unseren Kunden eine breite Auswahl an Smartphone-Marken aber auch preislich differenzierte Angebote zu bieten. Huawei hat sich insbesondere im Smartphone-Einsteigersegment mit dem P8 und P9 light eine gute Position erarbeitet. Im High-end-Bereich dominiert weiterhin Apple gefolgt von Samsung. Sony ist sehr bemüht wieder an den früheren Erfolg anzuschließen.

Hat sich die Rückrufaktion rund um das Samsung Galaxy Note 7 auf die Handywahl der T-Mobile-Kunden bemerkbar gemacht? Vertrauen diese jetzt Samsung weniger?
Es ist noch zu früh um das beurteilen zu können. Am ehesten wird sich das anhand der Verkaufszahlen des nächsten Samsung-Flaggschiffes zeigen. In dieser Angelegenheit wie auch in allen anderen Service-Fragen ist es uns wichtig für unsere Kunden da zu sein, Unsicherheiten aus der Welt zu schaffen und zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu finden, was uns bisher sehr gut gelungen ist.

Auf welcher Seite der 3,5mm-Debatte stehen Sie: Analoger Kopfhöreranschluss ja oder nein?
Ich kann die 3,5mm-Debatte gut nachvollziehen, glaube aber, dass man dabei etwas ganz Wesentlichen übersieht. Apple hat mit der Entscheidung den 3,5mm-Kopfhöreranschluss im iPhone 7 zu entfernen, einen wachsenden Trend unterstrichen – den Vormarsch der kabellosen Kopfhörer. Nach vorne blickend stellt sich daher nicht die Frage nach der Art des Kabelanschlusses, sondern welche Marke eine kabellose Lösung erfolgreich an die Kunden bringt. Persönlich bin ich ein Fan von kabellosen Kopfhörern. Am Smartphone fällt eine Schwachstelle, eine Öffnung, weg und den Kabelsalat ist man auch los.

Welche Features hoffen Sie zukünftig in neuen Smartphones zu sehen?
Ich würde mir vor allem längere Batterielaufzeitenwünschen. Und schnellere Ladezeiten wären cool. Spannend wird die eSIM-Integration und deren Handhabung für die Kunden. Security wird sicherlich das Um und Auf, auch für Smartphones. Mit unseren Produkten Internetschutz, Norton Security und Kinderschutz setzen wir jetzt schon voll auf diesen Trend.

Wie gut nehmen Kunden spezielle Smartphones an, wie etwa Emporia oder die stoßfesten CAT-Handys? Zahlt es sich für einen Mobilfunker noch aus, solche Modelle anzubieten?
Für bestimmte Kundensegmente sind diese Smartphones nach wie vor sehr interessant und der Absatz seit Jahren stabil. Wir haben mit dem exklusiven Angebot des Fairphone 2 einen besonderen Akzent gesetzt, um unseren Kunden auch eine nachhaltige Wahl anzubieten. Dazu gehört, dass wir unsererseits seit zwei Jahren ein CO2-neutrales Unternehmen sind, also nicht nur das Netz sondern auch den sonstigen Betrieb CO2-neutral führen. Das wird auch für Geschäftskunden bei ihren Lieferanten immer wichtiger. Geschäftskunden fragen oft nach stoßfesten und wasserfesten Smartphones. Emporia ist nach wie vor gut etabliert im Senioren-Segment. Grundsätzlich setzen wir auf eine breite Smartphone-Palette. Wichtig ist uns die Handhabung für unsere Kunden in diesem vielfältigen Markt zu erleichtern. Deshalb gibt es auf unserer Website die „Handyhilfe“, die viele Fragen und Probleme schnell und einfach löst.

Was halten Sie von der Rückkehr der Marke Nokia? Ist der Name noch stark genug, um auch Mittelklasse-Geräte zu verkaufen?
Nokia wird es nicht leicht haben ihre ehemaligen Kunden, die nun bei etablierten Marken wie Apple oder Samsung untergekommen sind, zurückzugewinnen. Potenzial sehe ich im Geschäftskundenbereich, wo die Marke Nokia noch stark genug sein könnte, um Erfolge zu erzielen. Sofern das Preis-Leistungsangebot passt.

Wie wird sich das kostenlose Roaming innerhalb der EU auf den Mobilfunkmarkt auswirken? Werden die Inlands-Preise steigen?
Für die österreichischen Mobilfunker rechne ich mit einem Verlust im zweistelligen Millionenbereich. Das ist signifikant. Das Preisniveau im österreichischen Mobilfunk ist extrem niedrig im europäischen Vergleich und zusätzlich besteht enormer Investitionsbedarf für ein schnelles LTE-Netz in ländlichen Gebieten. In irgendeiner Form werden wir daher nach einem Ausgleich suchen, um diese Lücke zu schließen ohne beim Netzausbau Abstriche zu machen. Meine Kritik an der Roaming-Regulierung ist allerdings: Wenn man den Weg eines Binnenmarktes geht, muss das auf allen Ebenen geschehen. Dann muss es auch eine einheitliche Mechanik von Frequenzauktionen und Lizenzgebühren geben – in Österreich waren diese ein Vielfaches als in allen anderen EU-Staaten.

Mit dem Inder hat tele.ring seine Gallionsfigur in die Pension geschickt. Gibt es schon Pläne für ein neues „Maskottchen“?
Der Inder war eine große Erfolgsgeschichte. Die Zeit war jedoch reif für eine Veränderung. Mit „Willkommen in Schlauberg“ sprechen wir unsere Kunden auf Augenhöhe an und setzen auf eine starke Lebenseinstellung. Schlauberg ist kein Ort, sondern eine Lebensphilosophie. Schlauberger sind vernünftig und sprechen sich klar gegen Verschwendung aus. Der Charme der neuen Positionierung kommt über guten Wortwitz wie „Schlauberger sind überlegen, weil sie überlegen“, Schlauberger sind immer flüssig, weil sie zahlen nichts überflüssig“ – oder mein liebster Spruch – „Schlauberger sind die, die am Ende lachen, weil sie alles richtig machen.

Mit der Schlauberg-Kampagne setzt man bei tele.ring auf einfach strukturierte Tarife. Kommt das gut bei den Kunden an?
Ja! Tele.ring ist die Marke für die "Vernünftigen", für alle, die ein gutes Preis-Leistungs-Niveau schätzen und gute Deals suchen. In der Vergangenheit gab es am Markt nur Tarife für Vieltelefonierer, die gleichzeitig viel Datenvolumen innehatten und damit sehr teuer waren. Tele.ring bietet mit dem neuen Tarifkonzept „PASST!“ den Kunden die Möglichkeit Tarife individuell zusammenzustellen. Der Vieltelefonierer kann daher viele Minuten wählen und ein kleines Datenpaket. Damit ergibt sich ein guter Deal für den Kunden.

Drei hat im aktuellen RTR Telekom Monitor T-Mobile überholt. Andreas Bierwirth sagte: „Der zweite Platz ist mir wurscht.“ Gilt das immer noch oder wird T-Mobile wieder in die Offensive gehen?
Er hat aber auch dazugesagt: Beim SIM-Kartenzählen, die mit nicht aktiven SIM-Karten aufgeblasen sind. Wir sind die starke Nummer zwei. Was zählt ist der Umsatz und nicht, wie viele SIM-Karten verteilt respektive verschenkt wurden. Wie in allen anderen Industrien, ist der Umsatzanteil entscheidend, also wieviel Geld Kunden bereit sind für erbrachte Leistungen zu bezahlen. Hier ist T-Mobile die klare Nummer Zwei am Markt. Und über alle unsere Kunden – also auch im Wholesale-Bereich – haben wir selbst bei SIM-Karten weiterhin einen deutlichen Abstand zur Drei. Natürlich wollen wir weiter wachsen, insbesondere im Breitband- und Geschäftskundenbereich und über neue Geschäftsfelder in der Digitalisierung. Im Breitbandbereich haben wir unser Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Im Geschäftskundenbereich arbeiten wir gemeinsam mit vielen Kunden an Digitalisierungsprojekten wie beispielsweise unserer All In Communications Lösung, einer Festnetzalternative aus der Cloud. Starke Nachfrage erleben wir auch im Bereich M2M, oder auch mit den aktuellen Schlagworten Industrie 4.0 und Internet der Dinge. Mit Playern aus dem Automobilbereich wie BMW bedient T-Mobile hier aus Österreich einen weltweiten Markt.

Wie gut werden 3G/4G-Router für zuhause angenommen? Ist man damit eine ernstzunehmende Konkurrenz für klassische Anbieter wie UPC?
Sehr, sehr gut! Im Privatkundenmarkt sehen wir eine sehr starke Nachfrage nach unserem mobilen Breitband-Produkt „My HomeNet“ von T-Mobile und „Internet für daheim“ von tele.ring. Kunden wollen schnelleres Internet. Beim Thema Festnetz-Breitband ist Österreich relativ rückständig. Über eine Million Haushalte, davon viele im ländlichen Raum, können nur mit weniger als zehn Mbit pro Sekunde surfen. Das ist sehr langsam, und hier ist der Mobilfunk die beste und einzige Alternative. Anbieter wie UPC erfreuen sich in Ballungszentren guter Nachfrage, jedoch weniger am Land. Mit neuen technischen Entwicklungen wie „LTE Advanced Pro“, die im Oktober 2016 erstmals von T-Mobile und Huawei mit einer Übertragungsrate von knapp 2 Gigabit pro Sekunde demonstriert wurden, wird auch die Kapazität von LTE kontinuierlich weiter entwickelt. Ich glaube daher fest an den Erfolg von mobilem Breitband in den österreichischen Haushalten.

Alle T-Mobile-Tarife bieten LTE, allerdings mit Geschwindigkeitsbeschränkungen. Wieso gibt es diese Limits, wenn der Datenverbrauch ohnehin auch limitiert ist?
Tatsache ist, dass höhere Leistung in Form von höheren Geschwindigkeiten auch höhere Kosten in Form von Netzausbau verursacht. Dafür müssen wir Preismodelle finden. Das ist vergleichbar mit dem Railjet versus der Lokalbahn. Der Kunde hat unterschiedliche Bedürfnisse und ist bereit für mehr Leistung mehr zu zahlen. Damit kann auch eine zusätzliche Investition getätigt werden. Wir investieren jährlich rund 135 Mio. Euro um unser Netz kontinuierlich zu verbessern. Insgesamt haben wir in den LTE-Ausbau bereits eine Milliarde Euro investiert.

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und T-Mobile Österreich entstanden.