Zur mobilen Ansicht wechseln »

Visual Radio Ö3: Bebildertes Radio soll 2015 starten.

Will Radio mit Bildern machen: Ö3-Chef Georg Spatt
Will Radio mit Bildern machen: Ö3-Chef Georg Spatt - Foto: Franz Gruber, Kurier
Ö3-Chef Georg Spatt spricht im futurezone-Interview über die Pläne des Senders für ein visuelles Radio, die geplante Radiothek und digitales Radio in Österreich.

futurezone: Ö3 hat ein Konzept für ein visuelles Radio bei der Kommunikationsbehörde KommAustria zur Bewilligung eingereicht. Wie sehen ihre Pläne konkret aus?
Georg Spatt: Die Überlegung dahinter ist eine sehr einfache. Viele Leute hören mittlerweile auf Geräten Radio, die einen Bildschirm haben, etwa am Computer, am Tablet oder am Smartphone. Wir wollen diesen Bildschirm sinnvoll nutzen, indem wir das Radioprogramm bebildern. Es wird eine Studiocam geben, die einen Blick ins Studio ermöglicht, so wie man es von unserer Homepage seit Jahren kennt. Allerdings wollen wir es ein bisschen aufregender machen und mehrere Perspektiven anbieten. Auch die Verkehrsinformationen und Nachrichten könnten bebildert werden. Ein wesentlicher Punkt ist auch die Musik, wir wollen zu den Songs, die bei uns zu hören sind, die Musikvideos zeigen.

Worin unterscheidet sich Visual Radio von einem Fernsehprogramm?
Der ORF darf kein weiteres Fernsehprogramm machen, allein deshalb darf aus Ö3 kein Fernsehprogramm oder ein dem Fernsehen ähnliches Produkt werden. Wir wollen ein bebildertes Radio anbieten, mit dem das Simple, Schnelle und Unmittelbare des Radios auf den Bildschirm gebracht wird.

Wo soll das visuelle Radio ausgespielt werden?
Es ist als eigenes Online-Angebot geplant. Wir dürfen programmbegleitende Online-Angebote machen und das Bebildern unseres Programms ist unserer Meinung nach programmbegleitend. Das wird jetzt von der Komm Austria geprüft.

Der Start des Visual Radio ist für das erste Quartal 2015 geplant. Hält der Termin?
Das ist unser Plan.

Soll das visuelle Radio auch auf Smart-TVs zu sehen sein?
Ja. Es gibt für Smart-TVs von Samsung, LG und Philipps, die im Internet hängen, Ö3-Apps,  genauso wie für die diversen Smartphone-Systeme. 

Ö3 wird auch Teil der geplanten Radiothek sein, die ebenfalls von der Komm Austria geprüft wird. Welche Erwartungen haben Sie daran?
Die Radiothek ist ein Projekt der Online-Direktion, die die ORF-Radioangebote als Livestream und zum Nachhören unter einem komfortablen App-Dach sammelt. Für unsere Schwesterprogramme Ö1 und teilweise FM4 ist das Nachhören sicher das größere Thema. Wir wollen die Radiothek nützen, um Spezialsendungen oder unsere Comedy-Leiste aus dem Ö3-Wecker zu präsentieren.

Wird es Werbeeinschaltungen geben?
Das Visual Radio hat keine Vermarktungskomponente. Das wollen wir nicht. Die Radiothek wird von der Online-Direktion genauso wie die TVThek vermarktet.

Georg Spatt, Ö3
Foto: Franz Gruber, Kurier
Der Verband der österreichischen Privatsender (VÖP) kritisiert die Pläne des ORF und sieht durch das Visual Radio und die Radiothek negative Konsequenzen für den Wettbewerb.
Alles was Ö3 machen will, wird von den Privaten beanstandet. Worin durch visuelles Radio eine Marktschiefe oder eine Benachteiligung der Privaten entstehen sollte, weiß ich nicht. Die Privaten dürfen gesetzlich wesentlich mehr als Ö3. Das visuelle Radio ist eine innovative Idee, die international schon am Markt ist und grundsätzlich jedem zur Verfügung steht.  

Von den Privaten gab es den Vorschlag, dass in die Radiothek auch private Anbieter aufgenommen werden sollen.
Als Radiomacher kann ich dem viel abgewinnen. Es bringt Komfort für die Radiohörer. Auf meinem alten UKW-Kofferradio sind auch alle Sender auf einem Kastl. Warum soll man im Internet nicht auch alle Sender auf einer App, einem österreichischen Radio-Player, haben? Wenn es dazu wirklich Interesse gibt, ist das eine unternehmenspolitische Entscheidung. Es gäbe aber noch die eine oder andere rechtliche Frage zu klären, etwa ob eine gemeinsame Vermarktung von öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern überhaupt erlaubt ist.

Der ORF hat in punkto Apps und der Erweiterung seines Programms in andere Medien einen sehr eingeschränkten Spielraum und viele Auflagen. Wie gehen Sie damit um?
Ich habe zwar Verständnis für die Medienpolitik und die Behörden, gleichzeitig werbe ich um Verständnis für uns. Die Medienentwicklung und die Konvergenz, wie die Medien zusammenwachsen, geht sehr schnell. Das aktuelle ORF-Gesetz kommt aus dem Jahr 2010, da wurde gerade das iPad herausgebracht. Die Mediennutzung hat sich seither entscheidend verändert.

Was würden Sie gerne machen, wenn Sie dürften?
Als Radiomacher schlagen zwei Seelen in meiner Brust. Auf der einen Seite finde ich die stark technologiegetriebenen Innovationen der vergangenen Jahre sehr spannend und finde auch, dass alte Medien wie das Radio da mit müssen. Gleichzeitig weiß ich, dass beim Radio das Hören das Wichtigste ist. Der Bildschirm muss für das Radio ein Anhängsel bleiben. Ich würde aber gerne stärkere Verbindungen zwischen Ö3 und den sozialen Medien haben. Da sind wir ein bisschen hinterher, weil wir so viele Jahre aufgrund der rechtlichen Situation mit angezogener Handbremse gefahren sind. Wir haben auch sehr viele originäre Inhalte, die wir mehrfach verwerten könnten. Ich würde gerne mehrere Zusatzangebote zu Ö3 machen, ich sage aber dazu, dass das kein Thema ist.

Wie könnten solche Zusatzangebote aussehen?
Es gibt dazu keine konkreten Pläne.

Die Diskussion über die Radiodigitalisierung geht schon sehr lange. Ist das für Sie ein Thema?
Es gibt in Europa ein paar Länder, wo digitales Radio gesetzlich verordnet wurde und stärker in den Markt implementiert ist. Es gibt ein paar Länder, wo es probiert wurde. Wirklich massentauglich funktioniert es nirgends. Die Digitalisierung würde grundsätzlich für mehr Vielfalt und einen kostengünstigeren Vertrieb sorgen, als Gestalter habe ich auch mehr Möglichkeiten, mein Programm mit Zusatzangeboten anzureichern. Aber der Weg dorthin ist irrsinnig teuer. Das UKW-Radio ist in ganz Europa auch so weit verbreitet und so erfolgreich, dass wir uns keinen Gefallen tun würden, wenn wir die Menschen dazu zwingen würden, auf DAB-Radio umzusteigen und ihre UKW-Geräte wegzuwerfen. Ich vertrete die Meinung, dass das Radio den Weg ins Internet finden wird und auch schon gefunden hat. Die Bandbreiten werden in den nächsten Jahren ebenso wie die Mobilität des Internet wachsen. Das Internet wird DAB+ überholen, bevor es in Österreich geboren wurde.

Pilotversuche mit DAB+ sind schon länger geplant, verzögern sich aber immer wieder.
Gibt es - wie geplant - Pilotversuche mit DAB+ zu experimentieren, bin ich trotzdem dafür sie zu machen, weil sie eine gute Fingerübung sind. Das Radio ist eine spannende, lebendige, sich ständig neu erfindende Mediengattung.

Frage des Tages

Visuelles Radio: Werden Sie es nutzen?

Frage des Tages


Bitte um mitspielen zu können.
  • Visuelles Radio: Eine gute Idee?


(futurezone) Erstellt am 24.10.2014, 06:00

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Dein Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?