Digital Life
07.06.2016

Österreicher telefonieren weniger und surfen mehr

Der Jahresbericht des Forum Mobilkommunikation zeigt einen deutlichen Trend hin zu mobilen Datendiensten auf. 2015 wurde abermals ein Rekordwert verzeichnet.

Das Forum Mobilkommunikation (FMK) hat am Dienstag den Jahresbericht 2015 zum Mobilfunkmarkt in Österreich präsentiert. Wie in den vergangen Jahren ist das Datenaufkommen auch 2015 wieder massiv gestiegen. Insgesamt wurden über die österreichischen Mobilfunknetze im Jahr 2015 319 Millionen Gigabyte übertragen. Das ist ein absoluter Rekordwert sowie eine Steigerung von 76 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wo 182 Millionen Gigabyte übertragen wurden. Lothar Roitner, Vizepräsident des FMK, dazu: “Das Datenvolumen wächst fantastisch, jedes Jahr haben wir 70-75 Prozent Steigerung. Derzeit ist kein Ende abzusehen.”

Telefonieren und SMS

Weniger beliebt wird bei den Österreichern das Telefonieren. 2015 wurden in Österreich demnach 21,03 Milliarden Minuten telefoniert, im Jahr davor waren es noch 21,70 Milliarden Minuten. Laut Margit Kropik, Geschäftsführerin des FMK, wird hier ein Unterschied zwischen den verschiedenen Generationen bemerkbar: “Jugendliche machen alles über Social Media, Senioren telefonieren noch.”

Während die SMS in den Jahren 2012 bis 2014 von 8,4 auf 4,6 Milliarden im Jahr gesunken ist, wurde 2015 wieder ein leichter Anstieg verzeichnet. Demnach verschickten die Österreicher in dem Jahr 4,8 Milliarden Textnachrichten. Laut dem FMK entspricht die versendete Textmenge einem Taschenbuch mit 400 Millionen Seiten und einem Gewicht von rund 100 Tonnen.

Bemerkenswert an den aktuellen Zahlen ist außerdem, dass der Umsatz der Mobilfunkbetreiber erstmals seit fünf Jahren wieder gestiegen ist. Der Umsatz von A1, Drei und T-Mobile betrug 2015 demnach 4,09 Milliarden Euro, das entspricht einer Steigerung von zwei Prozent. Der EBITA ist sogar um 70,2 auf 2,06 Milliarden Euro angestiegen.

Befragung: Kinder sollen ab zehn Jahre ein Handy haben

Für den Jahresbericht wurde vom FMK auch eine Befragung beim Institut MAKAM in Auftrag gegeben. In diesem Jahr wurden demnach 400 Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren sowie Senioren ab einem Alter von 60 Jahren befragt. Beide Altersgruppen gaben mehrheitlich an, dass Kinder ab dem zehnten Lebensalter ein Handy besitzen sollten. Als Gründe gaben sie einerseits Erreichbarkeit an sowie die Möglichkeit, im Notfall Hilfe zu holen an.

Smartphone-Verbote in Schulen

Erhoben wurde auch, wie die Smartphone-Nutzung an Schulen aussehen soll beziehungsweise ob Smartphone-Verbote sinnvoll sind. Die Ergebnisse sind weniger überraschend: Jugendliche lehnen ein Handy-Verbot an Schulen mehrheitlich (68 Prozent) ab. Im Gegensatz dazu will rund die Hälfte der Senioren Handys aus der Schule prinzipiell verbannen. Lediglich fünf Prozent der Senioren sprachen sich für ein generelles Handyverbot in Schulen aus.

Eine FMK-Umfrage unter 550 Lehrern hat ergeben, dass sie sich mehrheitlich für Einschränkungen beim Umgang mit Handys in den Schulen aussprechen. Demnach sind 42 Prozent für ein generelles, 78 Prozent für ein teilweises Handyverbot.

Industrie 4.0

Matthias Baldermann, Präsident des FMK und CTO von Drei, sprach im Rahmen der Präsentation des Berichts auch über die zukünftige Bedeutung des Mobilfunks in Österreich. “Wir sprechen über Industrie 4.0, die Vernetzung der Wirtschaft”, so Baldermann. “Mobilfunk wird Fundament und Motor für die Industrie sein.”

Besonders im Fokus sollte die Nutzung der Jungen sein. “Unsere wichtigste Säule ist die Jugend, sie werden die Leistungsträger von morgen sein”, so Baldermann weiter. Aus diesem Grund plädiert das FMK auch dafür, dass Schüler schon früh den Umgang mit neuen Technologien und Medien erlernen muss. Das Forum bietet zu diesem Zweck auch online das Lernmodul “Mobile Generation” an. Laut dem FMK ließe sich das Modul in zwei Unterrichtseinheiten abarbeiten und anschließend per Online-Test, der auch als Schultest geeignet ist, überprüfen. Ende des Jahres wird außerdem ein Modell-Workshop geplant, für den sich Schüler bewerben können.