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Social Media Politische Romanzen: Tinder wird zum Wahlkampf-Schauplatz.

Auch politische Parteien haben Tinder inzwischen für sich erkannt
Auch politische Parteien haben Tinder inzwischen für sich erkannt - Foto: Tinder
Für den Wahlerfolg müssen alle Mittel ausgeschöpft werden: Politische Parteien werben nun auch auf der Dating-Plattform um Stimmen.

Üblicherweise geht es bei der Dating-App Tinder um Liebe, Sex und andere mehr oder weniger romantische Erfahrungen. Vor allem bei jungen Altersgruppen hat sich die Plattform inzwischen stark etabliert. 1,6 Milliarden Profile sind bei Tinder registriert, 50 Millionen aktive Nutzer zählte man zuletzt. Das lässt natürlich auch die PR- und Marketingbranche nicht kalt. Obwohl es noch keine offiziellen Werbe-Konten auf Tinder gibt, haben bereits viele Unternehmen ihren Weg in das Dating-Netzwerk gefunden. Der nächste Schritt kommt da nicht überraschend: Auch politische Parteien entdecken Tinder nun für sich, um dort Wahlkampf zu betreiben.

In Österreich wirbt im Vorfeld der Wienwahl NEOS um Stimmen der Tinder-Nutzer. Beim Swipen nach links und rechts fallen dieser Tage auch Match-willige Köpfe mit NEOS-Wahlslogans und Logo in die Hände der User. Da lächelt dann etwa Mirela, 25, mit geneigtem Kopf und lässt fragen: “K(B)ussi Baby fürs Kreuzerl maybe?!”. Was genau passiert, wenn man sich auf eine solche politische Romanze einlässt, hängt vom individuellen Fall ab.

Junge Zielgruppen

“Die Idee dazu kam bereit von den JUNOS im ÖH-Wahlkampf, da wurde das schon ein bisschen ausprobiert”, sagt Claudia Gamon von NEOS auf Nachfrage der futurezone. “Es gibt einfach zu wenige Kanäle, auf denen man junge Wähler erreichen kann. Viele lesen ja gar keine Zeitungen mehr oder andere Printmedien, wo üblicherweise stark inseriert wird. Außerdem dachten wir uns: Wir sind zwar nicht reich, aber kreativ”, sagt Gamon.

Vor Peinlichkeiten fürchtet sich die Politikerin nicht, auch wenn der Kampagne von politischen Gegnern naturgemäß wenig Gegenliebe entgegenstößt.  “Wir haben positive Erfahrungen damit gemacht, die Leute, die von uns mitmachen, tuen das ja mit ihren privaten Tinder-Profilen.” Viele User fänden es lustig und: “Wir erreichen so auch Leute, die sonst eher unpolitisch sind und kommen mit ihnen ins Gespräch.” Wie genau das abläuft und was auf einen Match folgt, das stehe jedem Einzelnen individuell offen.

Einzelne Versuche

Auch wenn die politische Tinder-Kampagne der NEOS noch eher ein Nischenphänomen darstellt, so ist die Idee auch schon anderswo aufgegriffen worden. In der Schweiz haben die Grünen bereits den Schritt in die Dating-Welt gewagt. Die Grüne Nationalrätin Aline Trede präsentierte sich mit politischer Botschaft auf Tinder und versprach den Usern - Männern wie Frauen - sie auf ein Bier treffen zu wollen, wenn ein Match zustande kam. Bei diesen Treffen sollte mit den Bürgern über Politisches diskutiert und natürlich auch ihre Botschaft deponiert werden. Vielen Usern gefielen Tredes Wahlkampfambitionen im romantischen Umfeld allerdings überhaupt nicht. Ihr Profil wurde gemeldet und schließlich von Tinder gesperrt. Sie habe allerdings keinerlei Regeln gebrochen oder irgendjemanden belästigt, versichert die Politikerin. Es sei auch viel positives Feedback gekommen.

“Aufmerksamkeit ist gut”

Social-Media-Expertin und Geschäftsführerin der Agentur Digital Affairs Judith Denkmayr bewertet das politische Werben auf Tinder zunächst einmal als positiv. “Grundsätzlich gehts im Wahlkampf um Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeit schaffen die NEOS damit.” Gleichzeitig stelle sich für die Parteien natürlich auch die Frage, wie man mit den Wählern in Kontakt treten könne. “Da kann man auch infrage stellen, ob der typische Wahlkampfstand in der Fußgängerzone noch das geeignetste Mittel ist”, meint Denkmayr. Natürlich sei der Schritt, auf Tinder zu werben, gewagt, aber um eine junge Zielgruppe zu erreichen nicht die schlechteste Idee. “Peinlichkeiten finden sich auch anderswo. Und es ist wohl immer Definitionsfrage oder Geschmacksache, was jemand peinlich und was jemand gut findet”, sagt Denkmayr.

Unkonventionelle Wahlkampfaktionen sind zwar bislang eher “kleinteilige Maßnahmen”, wie die Expertin es nennt, können aber durchaus für Furore sorgen. So machte unlängst auch eine Wahlwerbung der Piraten die große Runde, weil Anzeigen mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Bundeskanzler Werner Faymann auf YouPorn geschaltet wurden.

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(futurezone) Erstellt am 06.10.2015, 13:12

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