GERICHT
11/06/2010

SAP-Prozess: Oracle-Chef Ellison als Zeuge

Oracle-Chef Larry Ellison dürfte am Montag etwas Farbe in den Prozess um Industriespionage zwischen SAP und dem US-Rivalen bringen, wenn er in den Zeugenstand tritt.

Der schillernde Milliardär ist für seine Verbalattacken bekannt, die häufig witzig, aber eben auch bitterböse ausfallen können. Beobachter erwarten daher, dass SAP versuchen könnte, den Rechtsstreit als persönliche Fehde Ellisons darzustellen, der dreieinhalb Jahre auf die gerichtliche Abrechnung mit SAP wartete.

Auch Oracle-Präsidentin Safra Catz wird laut einer Unternehmenssprecherin als Zeugin in dem Prozess auftreten, in dem es um Industriespionage und den Diebstahl von geistigem Eigentum durch die inzwischen stillgelegte SAP-Tochter TomorrowNow geht.

Harte Worte gegen Leo Apotheker

Medienvertreter warten gespannt auf den Auftritt des gewieften Selbstvermarkters Ellison. Der ehrgeizige Hobbysegler hat sich in den vergangenen Jahren einen Ruf als kantige Persönlichkeit mit Hang zu großen Auftritten in der Technologiewelt erarbeitet. Der Autor Mike Wilson betitelte beispielsweise seine Biografie über Ellison mit "The Difference Between God and Larry Ellison" ("Der Unterschied zwischen Gott und Larry Ellison") - der Anfang eines Witzes, demzufolge Gott sich nicht für Ellison hält. Jüngst nannte Ellison den früheren SAP-Chef und heutigen Vorstandsvorsitzenden von Hewlett Packard, Leo Apotheker, schlecht qualifiziert. Apotheker wird bei dem Prozess auch noch als Zeuge aussagen.

Oracle hat vergangene Woche in dem Rechtsstreit erklärt, SAP schulde Oracle mindestens vier bis fünf Milliarden Dollar. Bisher hatte Oracle den durch SAP und seine US-Tochter TomorrowNow entstandenen Schaden auf gut zwei Milliarden Dollar (1,42 Mrd. Euro) geschätzt. Oracle hat sich mit Zukäufen zum größten Rivalen von SAP aufgeschwungen und ist dank seines lukrativen Datenbank-Geschäfts deutlich rentabler als SAP.

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(APA/Reuters)