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Digital Life
10/03/2013

School of Data zeigt, was man mit Daten machen kann

Die Wiener School of Data, die im Oktober ihren Betrieb aufnimmt, will Fähigkeiten im Umgang mit offenen Daten vermitteln und diese verständlicher und greifbarer machen.

Seit die Stadt Wien im Mai 2011 erstmals Verwaltungsdaten zur allgemeinen Weiterverwendung freigab, hat sich bei offenen Daten in Österreich viel getan. Data.gv.at, das Open Data Portal des Bundes, listet rund 950 Datensätze auf, die von Städten, Gemeinden, Ländern und Ministerien veröffentlicht wurden. Daraus entstanden österreichweit mehr als 150 Anwendungen. Was aber können Bürger, Wissenschaftler, zivilgesellschaftliche Initiativen und Untenrehmen mit den Daten anfangen? Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit offenen Daten will die School of Data vermitteln, die am 21. Oktober in Wien startet.

"Zusammenhänge wurden schon immer mit Daten erklärt", sagt Open-Data-Experte Thomas Thurner vom Quartier für Digitale Kultur (QDK), der das Projekt betreut. Daten würden aber von Politikern, Ämtern und Zeitungen zu einer bestimmten Aussage eingedampft, diese sei zwar nicht falsch, sie zeige aber nicht das gesamte Bild. "Wer über Kenntnisse im Umgang mit Rohdaten verfügt, kann neue Zusammenhänge entdecken."

In einem aus drei Modulen bestehenden Lehrgang und weiteren Zusatzmodulen will die Schule der Daten Grundlagen von Open Data vermitteln, Werkzeuge zur Verarbeitung vorstellen und Möglichkeiten für Anwendungen aufzeigen. Beim Pilotlehrgang, der am 21. Oktober beginnt, stehen Bildungsdaten im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Open-Data- und Bildungsexperten will die School of Data vermitteln, was für Geschichten mit Daten erzählt und welche Fragen an die Daten gestellt werden können. Dabei sollen unter anderem Visualisierungen und prototypische Umsetzungen erarbeitet werden.

"Wichtige Fähigkeit für Bürger"

Immer wenn neue Medienformen entdeckt wurden, musste die Gesellschaft lernen, damit umzugehen, sagt Thurner. "Man muss sich damit beschäftigen und sich Kompetenzen aneignen." Datenverarbeitungskompetenz betreffe längst nicht mehr nur den Finanzsektor oder die Software-Industrie. Das Wissen um Quellen, Inhalte und den Umgang mit Daten werde zunehmend zur Schlüsselkompetenz im Verstehen und der Teilnahme an der Gesellschaft.

Die School of Data sei eigentlich keine Schule, sondern ein Labor, sagt Thurner. Es sei zu wenig, Daten aus den Katalogen zu nehmen und auf eine Landkarte zu klatschen. "Darüber wollen wir hinaus." Vorbild für den Pilotversuch ist eine gleichnamige Initiative der britischen Open Knowledge Foundation.

Datenvisualisierung mit Balons und Tixo

Neben dem aus drei Modulen bestehenden Pilotlehrgang werden auch zwei Zusatzmodule zur Datenästhetik angeboten, bei denen die Visualisierung von Daten - auch abseits des Computers - im Mittelpunkt steht. Der kolumbianische Kommunikationsdesigner Jose Duarte wird Möglichkeiten vorstellen, wie Daten mit alltäglichen Gegenständen veranschaulicht werden können. Dabei werden unter anderem Balons, Schnüre, Tixo und Kreide zum Einsatz kommen. Esther Bircsak vom Media Lab Kitchen Budapest wird Anfang Dezember einen Workshop zur Datenvisualisierung abhalten. Weitere Zusatzmodule, etwa zur Nutzung von offenen Daten durch zivilgesellschaftliche Organisationen, sind laut Thurner in Planung.

School of Data

Neben Bürgern und zivilgesellschaftlichen Initiativen richtet sich die School of Data an Mitarbeiter der Verwaltung, App-Entwickler, Datenjournalisten und an die Datenwirtschaft. Zu den Lehrenden zählen neben Thomas Thurner von der Open Knowledge Foundation Austria, Peter Parycek, Leiter des Zentrums für E-Governance der Donau-Universität Krems, Michael Bruneforth vom Bundesinstitut BIFIE und Wolfgang Aigner von der Technischen Universität (TU) Wien.

Der Pilotlehrgang, der aus drei eintägigen Modulen besteht, und die Zusatzmodule sind kostenfrei. Auch eine Teilnahme über Online-Meeting ist möglich. Start des Pilotlehrgangs ist am 21. Oktober, weitere Termine sind für den 20. November und den 2. Dezember, jeweils von 9.00 bis 17.00 Uhr im Raum D, quartier 21 im Wiener MuseumsQuartier anberaumt. Die Workshops zur Datenästhetik finden am 24. Oktober (Jose Duarte) und am 3. Dezember (Esther Bircsak) im Neubau Shop, Westbahnstraße 22, 1070 Wien, statt. Weitere Informationen finden sich unter schoolofdata.at.