Digital Life 12.12.2014

Sky: „Netflix macht uns überhaupt keine Angst“

Sky sieht sich für die digitale Fernsehzukunft gerüstet © Bild: APA/EPA/MARC MUELLER

Der Pay-TV-Sender verzeichnete 2014 gute Wachstumsraten. Warum sich Sky vor Netflix nicht fürchtet und Serien das neue Fußball sind, erklärt Geschäftsführer Kai Mitterlechner.

futurezone: Neue Anbieter wie Netflix verhelfen Video-Streaming und On-demand-Services endlich zum Durchbruch. Fürchten Sie sich vor der Konkurrenz?
Kai Mitterlechner: Nein, Netflix und andere Mitbewerber machen uns überhaupt keine Angst. Gerade in Österreich waren wir jahrelang die einzigen, die Kunden Alternativen zur klassischen Fernsehnutzung angeboten haben. Jetzt kommen andere mit der gleichen Botschaft. Wir begrüßen das, denn wir sind jetzt nicht mehr der einzige, sondern der beste unter vielen Anbietern.

Netflix bietet nur einen Service an, Sky hat diverse Pakete und Streaming-Services im Programm. Macht das die Vermarktung nicht schwieriger?
Mit „Snap“ haben wir inhaltlich ein direktes Pendant zu Netflix, das noch dazu günstiger ist. Wer die neuesten Serien und Filme sehen möchte, bekommt dies über ein klassisches Abo oder unseren Online-Dienst „Sky Online“. Und da sind wir die einzigen, die das anbieten können, da wir für Hit-Serien wie „Game of Thrones“ und die Netflix-Kultserie „House of Cards“ die Rechte haben.

Netflix darf also die eigene Serie in Österreich nur zeitverzögert zeigen?
Wir besitzen die Erstausstrahlungsrechte der aktuellen und aller künftigen Staffeln von „House of Cards“. Ebenso wie für 100 Season-Serienneustarts, die Jahr für Jahr auf Sky stattfinden.

Sind Serien das neue Fußball für TV-Sender?
Die Seherzahlen bei Hit-Serien wie „Game of Thrones“ oder „Breaking Bad“ sind mit großen Sportereignissen vergleichbar, auch von der Emotion her. Viele Leute fiebern monatelang auf den Start einer neuen Staffel hin. Auch die Unmittelbarkeit des TV-Ereignisses ist ähnlich. Man will die neue Folge sofort und zeitgleich mit Millionen anderen sehen und darüber auf Facebook und Twitter diskutieren.

Wird Sky ebenfalls eigene Serien produzieren?
Mit „100 Code“ werden wir noch 2015 eine eigene Krimiserie ausstrahlen. Weiters ist eine Kooperation mit der ARD zu einem Serienprojekt namens „Babylon Berlin“ beschlossene Sache, an dem Tom Tykwer federführend mitarbeiten wird.

Wie hoch ist das finanzielle Risiko?
Das kann man vom Budget her steuern. Dreistellige Millionenbeträge, wie sie für die großen Hollywood-Serien ausgegeben werden, werden wir nicht investieren. Dafür ist der deutschsprachige Markt mit 100 Millionen Sehern auch zu klein.

Wird klassisches Fernsehen in den nächsten Jahren Leitmedium bleiben?
Die Userzahlen unserer digitalen Angebote steigen rasant, gleichzeitig nimmt die klassische TV-Nutzung auch nicht ab. Kunden schauen Inhalte einfach auf unterschiedlichsten Geräten, entkoppelt von Raum und Zeit an. Fernsehen wird Leitmedium bleiben – in welchem Umfang ist die andere Frage.

Wie wird sich der Markt in Österreich entwickeln?
Österreich wird deutlich hinter den neuen Trends hinterherhinken. Die Medienkonzentration durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist enorm, die Wettbewerbssituation daher schwierig. Das war aber bisher schon so und wir waren trotzdem erfolgreich. Es kommt auf die relevanten Inhalte an.

Um 3-D ist es in letzter Zeit wieder still geworden. Ist das Thema im Fernsehen abgehakt?
Es gibt eine treue Nutzerschaft und auch Genres, wie etwa Comicverfilmungen für Kinder, wo 3-D absolut etabliert ist. Den großen Innovationsschub erwarten wir uns bei dem Thema aber nicht mehr, der wird eher durch die hohe Auflösung 4K bzw. Ultra-HD kommen.

Wie groß ist die Gefahr, dass der nun von den TV-Herstellern propagierte Trend zu 4K wie 3D verpufft?
Ultra-HD-Auflösung wird etwa im Sportbereich einen großen Mehrwert bieten. Mit der ersten hochauflösenden Liveübertragung eines Fußballspiels haben wir gezeigt, dass wir weltweit ganz vorne dabei sind. Im Dezember werden wir als nächstes ein Konzert der Fantastischen 4 in Ultra-HD live übertragen. Bei einer Kundenzahl von 327.000 haben wir jetzt schon eine Größenordnung erreicht, mit der wir Innovationen im Markt anstoßen können.

Erstellt am 12.12.2014