Digital Life
04.09.2016

Stallman: Nutzer sollen anonym für Artikel zahlen können

Free-Software-Guru Richard Stallman fordert Alternativen zu Adblockern und "Massenüberwachung" durch Online-Werbung.

Verlage sollten es Online-Lesern erlauben, anonym für Inhalte zu bezahlen, fordert der Gründer der Free Software Foundation in einem Gastkommentar für den britischen „Guardian“. Dass Online-Zeitungen und Magazine zunehmend von einem System von Werbung und Überwachung abhängig seien, sei ärgerlich und ungerecht, so der Gründer des GNU-Projekts.

"Gefährliche Macht"

Er selbst fühle sich durch Online-Werbung kaum gestört, schreibt Stallman weiter. Aber er habe ebenfalls begonnen Software zu verwenden, die Werbung blockiert, da er Massenüberwachung ablehne. Stallman spricht sich in dem Beitrag besonders gegen zielgerichtete Werbung aus. Die lukrativsten Werbeformen seien darauf ausgerichtet die Interessen und das Verhalten der Leute zu verfolgen. Das Tracking des Nutzerverhaltens gebe Unternehmen und Regierungen eine gefährliche Macht. Stallman verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass etwa Aufrufe von Wikipedia-Seiten zu „al Quaida“, „Autobomben“ oder „Taliban“ nach den Snowden-Enthüllungen über die Internet-Schnüffeleien der Geheimdienste um ein Fünftel zurückgegangen seien.

Auch Adblockern steht Stallman kritisch gegenüber. Die Praxis von Diensten wie Adblock+, gegen Bezahlung ihre Werbung nicht auszublenden, würden Verleger als Erpressung betrachten, schreibt Stallman.

Anonyme Bezahlsysteme

Medienhäusern empfiehlt er, anonyme Bezahlsysteme für Online-Inhalte einzuführen, mit denen das Nutzerverhalten nicht überwacht werden könne. Wenn ein Nutzer an einem Tag für einen und am nächsten Tag für einen anderen Artikel bezahle, dürfe es Verlagen nicht möglich sein, diese Transaktionen ein und derselben Person zuzuordnen. Stallman verweist auch auf die Entwicklung von GNU Taler, einem Bezahlsystem, das solche anonymen Zahlungen erlaubt. Er hoffe, dass Verleger künftig dieses oder ähnliche Systeme einsetzen werden.