© Hermine Raab

Photo+Adventure
11/04/2011

Stereoskopie: Zwei Linsen für drei Dimensionen

Die Stereoskopie erlebt mit 3D-Digitalkameras und Smartphones einen neuen Aufschwung. Die futurezone sprach mit Hermine Raab, Vorsitzende der Sektion Stereo der Photographischen Gesellschaft in Wien, über die Kunst, Bilder in die dritte Dimension zu holen.

von Gregor Gruber

Obwohl die dritte Dimension bei Flat-TVs kaum auf Interesse stößt, hat die Entwicklung der vergangenen Jahre doch etwas Positives. Mit der höheren Anzahl an Geräten, die 3D-Inhalte wiedergeben können, wurden natürlich auch 3D-Inhalte begehrt. Und da sich das Angebot nach wie vor in Grenzen hält, ergriffen die Elektronik-Hersteller ihre Chance. 2009 veröffentlichte Fujifilm die erste kompakte Digitalkamera für Endkunden, die zwei Linsen in einem Gehäuse vereint und so ohne großen Aufwand 3D-Bilder aufnehmen konnte. Mittlerweile bieten sogar Handys die Möglichkeit, dreidimensionale Videos und Fotos aufzuzeichnen und ohne Spezialbrille wiederzugeben.

Seit 150 Jahren
Neu ist die Stereoskopie, wie das Erzeugen von räumlichen Aufnahmen durch die Kombination von zwei versetzen Bildern korrekt bezeichnet wird, aber nicht. Hermine Raab, die Vorsitzende der Sektion Stereo der Photographischen Gesellschaft in Wien, begann bereits vor 15 Jahren mit der 3D-Fotografie. „Ich bin aber eher spät dazugekommen, wenn man bedenkt, dass es die Stereoskopie bereits seit 150 Jahren gibt“, sagt Raab.

Ihren ersten Kontakt mit räumlich Fotos hatte sie 1996, als sie ihren Sohn zu einer Mineralien-Ausstellung begleitete. „Dort gab es eine Diashow, in der auf 1,5 Meter Größe Kristalle in 3D gezeigt wurden. Ich wollte unbedingt herausfinden, wie ich mit meinen eigenen Fotos solche Effekte erzielen kann.“ Bei der Photografischen Gesellschaft fand sie schließlich Gleichgesinnte und besuchte Fachmessen.

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Bastler
Obwohl die Stereoskopie eine sehr exklusive Sparte der Fotografie ist, gab es schon damals eine weltweite Gemeinschaft, die sich auf solchen Fachmessen auch heute noch trifft. Da kaum ein Hersteller damals diese Nischensparte beliefern wollte, halfen die Fotografen einander und fertigten ihre 3D-Kameras selbst an. „Auf meine erste Stereo-Kamera, eine analoge RBT-X3, musste ich 1997 ein Jahr warten“, so Raab. Aber nicht nur die langen Wartezeiten, sondern auch die Kosten ließen den Kreis der Stereoskopisten klein bleiben. „Die Kamera hat damals 28.000 Schilling (2034 Euro) gekostet, ein Beamer hat in etwa dasselbe gekostet. Und davon musste man vier koppeln, wenn man bei einer 3D-Diashow auch An- und Abblenden einbauen wollte.“

Digital
Die digitale Revolution in der Stereoskopie begrüßt sie: „Die Geräte sind günstiger und der Zugang ist einfacher, weshalb sich mehr Leute für dieses Thema begeistern können.“ Für das Erstellen von dreidimensionalen Aufnahmen benötigt man nur ein Stativ und eine Kamera. Man nimmt dasselbe Bild aus zwei leicht versetzten Positionen auf. Am Computer wird dann mit einer passenden Software aus den zwei Aufnahmen ein 3D-Bild erstellt.

Fortgeschrittene nutzen spezielle Halterungen, auf denen zwei Digitalkameras in derselben Höhe montiert sind, und einen mechanischen oder digitalen Auslöser, der beide Kameras gleichzeitig auslöst. So können auch bewegte Motive in 3D aufgenommen werden.

Welche goldene Regel man bei der Stereoskopie beachten sollte, wie man die schönsten Effekte erzielt und wie die Nachbearbeitung funktioniert, wird Hermine Raab Interessierten in einem Workshop auf der Photo+Adventure erläutern.

Stereoskopie auf der Photo+Adventure
Im Zelt am Vorplatz des Veranstaltungsortes Vienna Congress Center werden Besucher zu einer  3D-Reise in den Nationalpark Gesäuse eingeladen.

Die Sektion Stereo der Photographische Gesellschaft in Wien wird gleich drei Vorträge am Samstag, den 5. 11., (Eintritt frei)  in 3D abhalten. Als Appetitanreger wird von 9.30 bis 10 Uhr „Ausgewähltes aus der 3D Welt“ gezeigt – ein Best-of von 17 Mitgliedern der Photographischen Gesellschaft. Von 10 bis 10.30 Uhr zeigen Hermine Raab und ihr Stereoskopie-Kollege Kurt Bauer „Naturparks im Westen der USA“ und von 10.30 bis 11 Uhr „Failte – Willkommen in Schottland“ – natürlich beides in 3D.

Wer eigene 3D-Fotos machen will, kann dies in Raabs Workshop „Unsere Welt ist räumlich – unsere Bilder auch!“ (13.15 bis 16.15 Uhr, 40 Euro) erlernen. „Ziel ist, dass die Leute danach rausgehen und ein ordentliches 3D-Bild machen können“, sagt Raab. Mindestvoraussetzung ist eine Kamera mit Stativ, falls kein gekoppeltes System, eine eigene 3D-Kamera oder ein 3D-Smartphone vorhanden ist. Fujifilm wird für den Workshop fünf 3D-Digicams „Finepix Real 3D W3“ zum Ausprobieren zur Verfügung stellen.

Weitere Infos zu Stereoskopie gibt es auf www.stereoskopie.at und www.3d-audiovision.at. Ende April wird in Wien ein dreitägiges 3D-Fotofestival stattfinden. Mehr Infos im Internet auf der Website www.3dimensionale.at.

Die Foto-Messe:
Am 5. und 6. November findet im Messezentrum in Wien die Messe Photo+Adventure statt. Neben neue Produkten aus den Bereichen Fotografie und Outdoor werden kostenlose Vorträge sowie kostenpflichtige Workshops angeboten. Die Messe hat Samstag und Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
www.photoadventure.at

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