Digital Life
12.07.2017

Studie: Österreichische YouTube-Stars verdienen Millionen

Laut einer aktuellen Studie der RTR generieren die größten österreichischen YouTuber proportional mehr Abonnenten und Klicks als deutsche.

Eine neue Studie der Telekom-Regulierungsbehörde RTR hat erstmalig die Bedeutung von YouTube am österreichischen Medienmarkt untersucht. Zwischen 3 und 7,5 Millionen Euro sollen die 100 größten heimischen Contentschaffer im letzten Jahr allein durch das Partnerprogramm der beliebten Videoplattform erwirtschaftet haben.

Allerdings ist die Verteilung extrem ungleich: Nur die 44 größten YouTube-Stars sollen existenzsichernde Beträge verdienen. Dafür kommen die Top-Stars aber schätzungsweise auf fünfstellige Einkommen.

Im Vergleich zu Deutschland haben österreichische YouTuber proportional mehr Abonnenten und mehr Klicks. Das sei damit begründet, dass österreichische YouTuber vergleichsweise öfter in englischer Sprache produzieren, um eine breitere Zielgruppe zu erreichen.

Fragwürdige Finanzierungsmodelle

Das YouTube Partnerprogramm ist jedoch bei den meisten nicht die einzige Geldquelle. Ein Großteil der Stars finanziert sich laut der Studie zusätzlich mit Schleichwerbung.

Von den 100 meistgesehenen Videos aus Österreich enthielten mehr als die Hälfte Produktplatzierungen. Nur neun davon kennzeichneten das. Drei enthielten sogar eine direkte Kaufaufforderung, ohne dass diese als entgeltliche Einschaltung gekennzeichnet wurde.

Der Großteil der Stars sind Einzelpersonen, über die Hälfte von ihnen wird von Multichannel-Netzwerken betreut. Solche Netzwerke - wie diego5 und Studio71 - erhalten einen Teil der Einnahmen der YouTuber. Im Gegenzug bieten sie ein großes Netzwerk, veranstalten Auftritte und vermitteln Werbekunden.

Überraschend hoher Produktionswert

Obwohl YouTube eigentlich dafür bekannt ist, Amateuren statt Profis eine Bühne zu bieten, sind die meisten Videos der YouTube-Stars aus Österreich in gutem Licht und scharf gedreht.

Sie haben zum Großteil einen klaren, gut verständlichen Ton. Zusätzlich wird ein sehr hoher Wert auf Post-Produktion gelegt: 87% der beliebtesten Videos wurden nachträglich in irgendeiner Weise geschnitten. Viele enthalten Inserts und wurden vertont.

Entertainment vor Information

Die Studie legt nahe, dass der Beitrag österreichischer YouTuber zur Gesellschaftspolitik eher gering ausfällt. In Formaten wie „Let’s Play“, Tutorials, „Do-it-Yourself“-Videos und Co. werden tausende Videos zur Unterhaltung angeboten. Jedoch spielt der Informationsgehalt auf der Plattform kaum eine Rolle. Aus diesem Grund zweifelt die Studie daran, dass österreichische YouTube-Stars einen nützlichen Beitrag zur Meinungsvielfalt leisten.

Ebenfalls hervorgehoben wird ein vergleichsweise hoher Fokus auf das Konsumverhalten. 14 der 100 beliebtesten Videos befassen sich mit dem „Kaufen, Besitzen und Genießen von Konsumgütern“.

Die Studie ist online abrufbar.