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Entsorgung
09/21/2016

Studie: Recycling von Elektroschrott oftmals "Betrug"

Obwohl viele Unternehmen nachhaltige Entsorgung und Recycling versprechen, landet Elektroschrott oftmals an dubiosen Orten. Das konnte eine Studie nun feststellen.

Jährlich fallen weltweit mehr als 40 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Allein in Österreich entfallen 22,1 Kilogramm Elektroschrott auf jeden Einwohner - damit liegt man im internationalen Spitzenfeld. Nur ein Sechstel davon wird recycelt, wie die Vereinten Nationen in einer Studie feststellten. Doch das dürfte wohl auch daran liegen, dass nicht überall dort, wo Recycling drauf steht, auch Recycling drin steckt. So verschiffen viele Recycling-Unternehmen, die ihre Dienste kostenlos oder relativ billig anbieten, den Elektroschrott nach Asien, Zentralamerika oder Afrika.

Weniger als ein Dollar pro Pfund

"In China wird man oftmals nach dem Pfund bezahlt, es ist daher eine wirtschaftliche Entscheidung", so Jim Pucket, Leiter des Basel Action Network (BAN). Das BAN will den Export von giftigen und gefährlichen Stoffen verhindern. Dazu hat man gemeinsam mit dem MIT untersucht, wohin der Elektroschrott gebracht wird. Insgesamt 205 Stücke von Elektroschrott wurden mit GPS-Trackern versehen und verschiedenen Recycling-Unternehmen in den USA übergeben. 40 Prozent davon landete letztendlich in einem anderen Land, der Großteil davon in China, vor allem Hong Kong. Dort werden sie meist von schlecht bezahlten Arbeitern zerlegt, die dabei mit giftigen und umweltschädlichen Stoffen in Kontakt kommen.

Motherboard konnte die Preisliste eines derartigen Abnehmers aus China beschaffen. Demnach werden unter anderem für komplette Computer zwischen 22 und 32 Dollar-Cent pro Pfund bezahlt, Festplatten werden für 26 bis 76 Dollar-Cent pro Pfund gehandelt. Derartige Importeure rekrutieren offenbar auch relativ aggressiv neue Lieferanten per E-Mail. "Diese Menschen haben meist nur ein paar Mitarbeiter und Gabelstapler, nicht mehr", so John Shegergian, CEO des Recycling-Unternehmens Electronic Recyclers International. "Sie machen sich keine Sorgen über Organisationen wie OSHA, EPA oder anderes, weil sie ihr Zeug einfach ohne irgendwelche Kosten in Container schmeißen. Sie müssen nicht in Recycling-Technologie investieren, es ist alles reiner Gewinn für sie."

Vorsichtig auswählen

Auch Zertifizierungen wie R2 oder e-Stewards scheinen keine Wirkung zu zeigen. Auch Unternehmen, die eine Zertifizierung nachweisen können, wurden im Rahmen der Studie dabei erwischt, dass sie Elektroschrott in andere Länder verfrachtet haben. BAN rät daher dazu, bei der Auswahl eines Recycling-Unternehmens vorsichtig vorzugehen, insbesondere bei heiklen Produkten wie Monitoren, Fernsehern und Druckern. Diese sind besonders schwer zu recyceln und werden daher fast nie kostenlos entsorgt - sofern das Unternehmen vertrauenswürdig ist.