Digital Life
04.07.2012

Südkorea verbannt Hefte und Stifte aus Schulen

© Bild: dapd(c) AP

Binnen drei Jahren sollen alle Schulen des Landes umgestellt und Stifte, Hefte und Papier aus dem Klassenzimmer verschwunden sein. Die Hightech-Nation will ab 2015 nur mehr digitale Unterrichtsmaterialien verwenden.

„Hefte raus und Hausübungen abgeben", wird sich für Südkoreas Schüler spätestens in drei Jahren wie ein Ruf aus der Steinzeit anhören. Bücher, Stifte, herumfliegende Kopien und schwere Schultaschen gehören für Kinder und Teenager in rund 300 Schulen im technikbegeisterten, asiatischen Land schon heute der Vergangenheit an.

Spätestens 2015 soll es dann für alle, vom Taferlklassler bis zum Maturanten, so weit sein: In den Schulen wird nur noch digital unterrichtet – „smart education" wird dies fortan in den  gut 11.000 „Smart Schools" des Landes heißen.

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eBooks als Lehrbuch
Der von der Regierung in Seoul massiv vorangetriebene Wandel vom analogen zum digitalen Unterricht ist bereits weit fortgeschritten: Alle Textbücher werden derzeit auf eBooks umgestellt.  Von heuer an werden jedes Jahr rund ein Viertel aller Lehrer in Informationstechnik nachgeschult. Umgerechnet knapp 1,5 Milliarden Euro lässt sich die Regierung die verordnete digitale Revolution in den Klassenzimmern kosten – mit klarer Stoßrichtung: Südkoreas Kinder sollen den Umgang mit modernster Technik  von klein auf lernen und so besser für eine Wirtschaft mit rasantem technologischen Fortschritt gerüstet sein. Bildung, das zählte im rohstoffarmen Südkorea von je her zu einem der höchsten ideellen Werte im Land. Mit gewaltigen Bildungsoffensiven, aber auch enormem Leistungsdruck katapultierte sich das in den 50er-Jahren noch bettelarme asiatische Land zur  einer der stärksten Wirtschaftsmächte der Welt.

PISA-Sieger
Südkoreas  wiederholte Triumphe beim PISA-Test sprechen Bände: Zuletzt holten sich seine Schüler im internationalen Leistungsvergleich in den Bereichen Lesen und Mathematik den ersten Platz, bei den Naturwissenschaften den dritten. Ob sich diese Erfolge nahtlos ins digitale Klassenzimmer übertragen lassen, wird  von manchen Pädagogen  auch bezweifelt: „Drahtlose Erziehung" müsse nicht  automatisch die bessere Erziehung sein, mehren sich selbst im technikverliebten Südkorea die mahnenden Stimmen.

Schon jetzt sitzen viele junge Koreaner extrem lange vor ihren Laptops, Smartphones und Tabloids. Unter den Kinder zwischen fünf und neun Jahren gilt laut einer  Regierungsstudie bereits jedes zwölfte als „internet-süchtig".

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