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Navigationssysteme
04/28/2011

TomTom verkaufte Nutzer-Daten an Polizei

Navi-Hersteller gerät durch Deal mit der holländischen Polizei ohne Wissen der Nutzer in die Kritik. Die Polizei optimierte mit gekauften GPS-Daten ihre Radarfallen. TomTom entschuldigt sich nun und rudert zurück.

von David Kotrba

Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom sorgt derzeit in den Niederlanden für einen Skandal. Wie die Tageszeitung Algemeen Dagblad herausfand, verkaufte TomTom GPS-Daten seiner Nutzer an die Polizei. Diese verwendete Geschwindigkeitsprotokolle dazu, die Positionierung von Radarfallen zu optimieren. Obwohl TomTom in einer ersten Reaktion versicherte, dass die Daten nur anonymisiert übermittelt werden, war die Entrüstung über das Vorgehen des Unternehmens groß. Navi-Nutzer wurden nicht darüber informiert, dass ihre Daten der Polizei zugespielt wurden.

TomTom rudert nun zurück und entschuldigt sich reuig. Man verstehe, dass es TomTom-Nutzern nicht gefällt, wenn ihre Fahrdaten von der Polizei genutzt werden, um überhöhte Geschwindigkeit an geeigneten Stellen bestrafen zu können. "Wir haben diese Art der Verwendung nicht vorrausgesehen und viele unserer Kunden sind nicht glücklich darüber", schrieb TomTom-CEO Harold Goddijn der Nachrichtenagentur Associated Press. Zukünftig werde man "diese Art der Verwendung verhindern". Auch mit einem Youtube-Video versucht TomTom die Nutzer zu beruhigen.

TomTom unter finanziellem Druck
Die Übermittlung von Fahrdaten geschieht bei TomTom-Navigationsgeräten nur nach Zustimmung des Nutzers, allerdings unter dem Titel "Produktverbesserung". Nach sinkenden Einnahmen im Navi-Geschäft durch die starke Smartphone-Konkurrenz sah sich TomTom laut eigenen Angaben gezwungen, andere Erwerbsquellen anzuzapfen und begann deshalb, GPS-Daten, die Kunden unter anderem im Zuge von Echtzeit-Verkehrsanalysen übermitteln, an Privatunternehmen, Behörden und die holländische Polizei zu verkaufen. Stark auf das TomTom-Budget drückt auch die Übernahme des Digital-Karten-Herstellers Tele Atlas im Jahr 2008. Zuletzt musste die Umsatzprognose von 1,52 auf 1,42 Milliarden Euro gesenkt werden.

Österreichische TomTom-Kunden sind von dem holländischen Vorfall nicht betroffen. Nach derzeitiger Rechtslage darf die Polizei nicht auf die GPS-Daten des Unternehmens zurückgreifen, nicht einmal zu Fahndungszwecken.

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