Beschäftigt auch die Besucher der DLD-Konferenz: Donald Trump

© AP/Evan Vucci

Digital Life
01/15/2017

"Trump wird genau das machen, was er angekündigt hat"

Zum Auftakt der Münchner Innovationskonferenz Digital Life Design (DLD) war der künftige US-Präsident ebenso Thema wie die gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung.

Am kommenden Freitag wird der neu gewählte US-Präsident Donald Trump sein Amt antreten. Was von ihm zu erwarten ist, war Thema zum Auftakt der Münchner Innovationskonferenz Digital Life Design (DLD), bei der am Sonntag unter dem Motto "Der Elefant im Porzellanladen" auch über das Verhältnis zwischen Trump und der Techwelt diskutiert wurde.

"Trump wird genau das machen, was er angekündigt hat", sagte die Journalistin Megan Murphy von Bloomberg Business News. Strafzölle werden ebenso kommen, wie die Mauer an der mexakinischen Grenze: "Erwarten Sie nicht, dass Trump aufhört, grässliche Dinge zu tun."

"Schnallen Sie sich an"

"Schnallen Sie sich an", sagte auch die US-TV-Produzentin Tammy Haddad. Die Amerikaner hätten Trump gewählt, weil sie Milliardäre mögen: "Amerika liebt die Gewinner." Trump habe den Kongress und den US-Supreme Court hinter sich, meinte die Lobbyistin Hilary Rosen: "Er kann jetzt machen, was er will."

Die Techwelt sei an Trumps Triumph nicht unschuldig, gab Rosen zu bedenken. "Bei jedem Investorencall sagen sie, wie sie die Welt verändern und jetzt wollen sie nichts damit zu tun haben." 70 Prozent der Jobs, die in den Bundesstaaten in denen für Trump gestimmt wurde, verlorengegangen seien, würden auf das Konto der Digitalisierung gehen.

"Effektiver Troll-Mechanismus"

Trump werde der zugänglichste Präsident, den die USA jemals hatten, sagte Rosen unter Anspielung auf die Twitter-Nutzung des künftigen Staatsoberhauptes. Trump mache mit seinen Tweets Politik, meinte Murphy. "Er hat verstanden, dass Twitter ein effektiver Troll-Mechanismus ist." Trump sei deshalb erfolgreich, weil er eine dicke Haut habe, sagte Rosen: "Es kümmert ihn nicht, was die Leute über ihn sagen."

Kritik pralle an Trump ab, meinte auch die Journalistin Kara Swisher, die das Panel moderierte. Für die Opposition würden die nächsten Jahre hart, sagte Haddad: Das Argument, dass die Sex Pistols nicht singen könnten, hätte Led Zeppelin auch keine Fans zurückgebracht. Dass Trump wiedergewählt wird, glaubt sie aber nicht. Auch Rosen äußerte Zweifel: "Er wird nicht wieder antreten, denn es ist ein harter Job."

"Canossa-Gang"

Zur Sprache kam in München auch der Canossa-Gang der Techbranche,bei dem die Konzernchefs aus dem Silicon Valley in den Trump Tower pilgerten. Es habe ihn schockiert, dass die Silicon-Valley-Bosse in Trumps Büro gesessen seien, um ihre Geschäftsmodelle zu retten, sagte der Chef der Deutschen Telekom Timotheus Hoettgens, der von Unternehmen mehr politisches Engagement einforderte. In den USA würden nun alle versuchen, sich mit Trump zu arrangieren: "Das ist opportunistisch."

Einen kurzen Einblick in die Gespräche der Unternehmenslenker aus der Techbranche mit Trump gab Microsoft-Chefjustiziar Brad Smith. Es sei unter anderem darum gegangen, wie Technologie dazu beitragen könne, Arbeitsplätze zu schaffen. Es gebe in den USA noch immer mehr als 30 Millionen Leute, die keinen Zugang zu Breitband-Internet hätten, meinte Smith. Auch das Bildungssystem müsse verbessert werden.

Folgen der Digitalisierung

Hoettges forderte in München eine offene Diskussion über die Folgen der Digitalisierung. "Es braucht einen ehrlichen Dialog." Fast 50 Prozent aller Jobs könnte schon heute durch die Automatisierung ersetzt werden, meinte Niko Mohr von der Unternehmensberatung McKinsey. Es gebe noch immer zu viele Leute, die die Auswirkungen der Digitalisierung klein reden würden: "Die Digitalisierung hat spürbare Auswirkungen, sie bietet aber auch viele Gelegenheiten."

Bedingungsloses Grundeinkommen

Auch ein bedingungloses Grundeinkommen wurde bei den Diskussionen auf der DLD wiederholt ins Spiel gebracht. Man müsse sich Gedanken über jene Bürger machen, die mit der Digitalisierung nicht mithalten könnten, forderte Hoettges: "Leute, die in einer prekären Situation sind, sollten sich nicht Sorgen darüber machen müssen, ob sie sich ihr Leben morgen noch leisten könnten." Auch der Risikokapitalgeber Joe Schoendorf von Accel Partners machte sich für ein solches Grundeinkommmen stark. "Heute gibt es Millionen von Kassierern in Supermärkten. In den nächsten zehn Jahren werden wir keinen einzigen davon mehr brauchen", sagte Schoendorf. Die Zukunft der Arbeit sei kein Problem das auf uns zukomme: "Wir sind jetzt damit konfrontiert."

Chancen für Europa

Wo liegen die Chancen für Europa? Marc Al-Hames vom deutschen Browseranbieter Cliqz forderte europäische Initiativen bei Betriebssystemen, der Web-Suche und Online-Netzwerken: "Nach dem Brexit und der US-Wahl sollte man darüber nachdenken."

Europa investiere zu wenig in Forschung und Entwicklung, kritisierte Werner Vogels von Amazon. Wenn sich daran nichts ändere, würden die innovativen Dienste auch weiterhin aus den USA und Asien kommen. Vogels sprach sich auch vehement für die Schaffung eines einheitlichen digitalen Marktes in Europa aus. Das würde vor allem kleinen und mittleren Unternehmen dabei helfen, von der Digitalisierung zu profitieren.

Populismus und Trump

"Wir leben in der besten aber auch beängstigendsten Zeit", sagte der Autor ("The Age of Discovery") und Ökonom Ian Goldin in seiner Eröffnungsrede bei der Münchner Konferenz. Die Gesellschaft müsse ihre Denkweise grundlegend ändern und verantwortungsvoll handeln: "Wenn zu viele Leute vom Fortschritt zurückgelassen werden, bekommt man Populismus und einen Präsidenten Trump."