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Grauzone
05/11/2012

Umstritten: Waffen aus dem 3D-Drucker

Kriminelle entdecken den 3D-Druck für sich: Während die boomende Branche mit Urheberrechtsproblemen kämpft, entsteht eine weitere Diskussion um das Recht auf Waffen aus dem 3D-Drucker. Aber auch Betrugsbanden nutzen mittlerweile die Möglichkeiten des 3D-Drucks für sich.

von Michael Leitner

"Wird in den nächsten Kriegen Nachschub per 3D-Drucker produziert?" Diese Frage stellten sich die Betreiber von Thingiverse, einer beliebten Plattform für 3D-Modelle, vergangenen Oktober, nachdem ein User das Modell eines Magazins für das halbautomatische Sturmgewehr AR-15 veröffentlichte. Auch wenn das Magazin nur aus herkömmlichem ABS-Kunststoff gefertigt wurde, sei das Modell voll funktionsfähig und einsetzbar. Die AR-15, die zivile Version der Standardwaffe der US-Armee, ist auch in Österreich als Jagdwaffe verfügbar. Vergangenen September wurde auch der Gehäuseunterteil der AR-15 auf Thingiverse hochgeladen. Das sorgte für eine Kontroverse, die nicht nur auf der Onlineplattform für aufgeregte Diskussionen sorgte.

Benutzer wollen Waffen auf Thingiverse
Thingiverse überließ schlussendlich seinen Nutzern die Wahl, ob Waffen und Waffenähnliche Objekte künftig auf der Plattform erlaubt sein sollen. Diese entschieden sich für Ja. Doch damit zogen sich die Betreiber relativ leicht aus der Verantwortung, denn die Definition des Begriffs "Waffe" übernahmen sie nicht. Das gaben sie auch im Blogeintrag zu: "Rein technisch gesehen ist ein Miniatur-Katapult eine Waffe, aber sie könnte auch als Spielzeug klassifiziert werden. Bislang waren unsere Waffenrichtlinien einfach zu schwammig." Bre Pettis, einer der Gründer von Makerbot, das auch Thingiverse betreibt, sagte gegenüber Techcrunch: "Unsere allgemeine Richtlinie ist, dass wir es lieber hätten, wenn unsere Nutzer keine Waffen hochladen würden, aber wir werden sie auch nicht daran hindern - so lange es nicht illegal ist. Das ist derzeit auch nicht der Fall."

Auch aus Kunststoff funktionsfähig
Die rechtliche Situation ist je nach Teil verschieden, der Erwerb eines Magazins ist derzeit frei und ohne besondere Erwerbsberechtigung möglich. Der Gehäuseunterteil erfordert allerdings in den USA - als einziges Bauteil des AR-15 - eine Überprüfung des Käufers. Das Magazin und der Gehäuseunterteil wären aus ABS-Kunststoff gefertigt voll funktionsfähig, Auftragsfertiger wie Shapeways oder Sculpteo bieten auch die Herstellung aus Stahl an. Vor wenigen Tagen wurde auch eine Replik der Pistole Glock 22 auf Thingiverse veröffentlicht, die zu Trainingszwecken dienen soll. Ob man damit jemanden täuschen kann, hängt wohl auch vom verwendeten Material ab.

Ersatzteile aus dem 3D-Drucker möglich
Dass die derzeit im Umlauf befindlichen 3D-Drucker in den nächsten Jahren für die Massenproduktion von Waffen einsetzbar wären, ist unwahrscheinlich. Derzeit setzen alle Heim-3D-Drucker auf das FDM-Verfahren (Fused Deposit Modeling), bei dem das Material erhitzt und Schicht für Schicht aufgetragen wird. Damit ist im Gegensatz zu anderen Verfahren keine Verarbeitung von hochwertigen Materialien wie Stahl möglich, die aber zumeist für die Herstellung von Waffen benötigt werden. Dennoch könnten Kriminelle das Angebot missbrauchen. Das gibt auch Duann Scott von Shapeways zu: "Wir drucken keine Waffen oder anstößige 3D-Modelle, aber es wäre zugegebenermaßen für uns schwierig, ein Gehäuseunterteil für ein AR-15 zu erkennen." Selbst scheinbar harmlose Objekte können so in den falschen Händen große Probleme bereiten. So verbreitete ein Mitglied des deutschen Vereins "Sportsfreunde der Sperrtechnik" im Internet ein 3D-Modell für einen Schlüssel, der Handschellen der holländischen Polizei öffnet.

Betrugsmaterialien aus dem 3D-Drucker
Die Welt der 3D-Drucker wurde aber offenbar bereits längst von Kriminellen entdeckt, wie ein 2010 veröffentlichter Blogeintrag von i.materialise zeigt. Ein Kunde des Herstellers wollte eine Replik des Karteneinschubs für einen Bankomaten bestellen. In Kombination mit einem Kartenlesegerät können so Bankomatkarten ausgelesen werden. Ein beliebtes Betrugsschema, das auch in Österreich relativ stark verbreitet ist. In den USA wurde vergangenen September eine Gruppe geschnappt, die insgesamt 400.000 US-Dollar mit diesem Betrugsmodell erbeuteten. Die Bauteile stammten aus dem 3D-Drucker. Wie auch bei Waffen verweigern 3D-Druckdienste hier aber meistens ihre Zustimmung - sofern sie das Objekt und dessen eigentlichen Verwendungszweck erkennen.

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