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Digital Life
07/15/2019

Verbraucherschützer warnen vor Amazon Prime Day

Mit Tricks versucht Amazon die Kunden unter Druck zu setzen, damit diese möglichst viel einkaufen.

von Barbara Wimmer

Am 15. Juli um 00:01 Uhr startete weltweit der zweitägige Amazon Prime Day. Im Gegensatz zum Black Friday können an diesem nur Kunden von Amazons kostenpflichtigen Prime-Abo teilnehmen. Ursprünglich fand die Rabatt-Aktion tatsächlich an nur einem Tag statt, weshalb sich die Bezeichnung Prime Day etabliert hat, obwohl sie jetzt zwei Tage lang dauert.

Für Kunden kann die Rabatt-Aktion tatsächlich Ersparnisse bringen. Doch der Online-Händler versucht mit vielen kleinen Tricks, Kunden zu einem Kauf zu bewegen, obwohl sie bestimmte Produkte gar nicht wirklich brauchen.

So gibt es an den Tagen etwa „Blitzangebote“, die nach einer bestimmten Zeit ablaufen. Dazu spielt Amazon einen Countdown ein, der anzeigt, wie viel Zeit noch verbleibt, um das Produkt günstiger zu bekommen.

Nicht stressen lassen

Mit ablaufenden Countdowns und vermeintlicher Produktknappheit werden potenzielle Käufer oftmals unter Druck gesetzt. „Man soll sich von so einem Countdown oder einer Angabe, dass es nur noch eine limitierte Anzahl von diesem Produkt gibt, nicht stressen lassen“, rät Barbara Forster vom Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) Österreich im Gespräch mit der futurezone.

„Man sollte sich prinzipiell bereits vor dem Besuch der Prime-Website überlegen, was für ein Produkt ich kaufen möchte“, sagt die Verbraucherschützerin. Damit werde man nicht von Rabatten verleitet, etwas zu kaufen, das man gar nicht braucht, sondern trifft eine bewusste, selbstbestimmte Kaufentscheidung.

Preise vergleichen

Doch sind die Rabatte wirklich so großzügig, wie Amazon anzeigt? Die Hammerpreise werden oft mit unverbindlichen Preisempfehlungen (UVP) der Hersteller vergleichen und nicht mit aktuellen Marktpreisen. Hier rät die Expertin: „Man sollte sich vor dem Kauf auf jeden Fall bei anderen Online-Shops oder Preisvergleichportalen über den Preis des Produkts informieren und diesen vergleichen.“

Eines der Preisvergleichsportale, idealo.at, hat zum Prime Day erhoben, ob Österreicher den Amazon Prime Day überhaupt nutzen und was am meisten nachgefragt wird. Elektronik-Schnäppchen, Lautsprecher und Notebooks liegen hier im Ranking vorn. Bei Notebooks oder TVs sind etwa bessere Deals möglich als bei Smartphones, heißt es seitens idealo.at. Das Sparpotential bei Smartphones lag nur etwa bei zwei Prozent, bei Notebooks hingegen bei sechs Prozent.

Veronika Bahr, Country Managerin von idealo Österreich, rät ebenso wie die Verbraucherschützerin: „Für Amazon Premium-Kunden kann der Prime Day ein lukrativer Shopping-Tag sein. Dennoch lohnt es sich, vor jedem Kauf im Preisvergleich zu prüfen, ob ein anderer Händler noch einen besseren Preis hat. Auch ein Blick auf die bisherige Preisentwicklung kann den Nutzern helfen, ein Angebot einzuschätzen und zu bewerten.“

Widerrufsrecht

Wer dennoch einmal zu schnell den „Kaufen“-Button geklickt hat, kann bei Amazon den Artikel 30 Tage lang zurückschicken und sich dabei auf das Widerrufsrecht beziehen. „Hier sollte man trotzdem vorsichtig sein, denn nicht alle Arten von Produkten können zurückgenommen werden. Für Konzerttickets, Flugtickets oder Produkte, die nach meinen Angaben angefertigt worden sind, gibt es etwa kein kostenloses Rücktrittsrecht“, so Forster. Zudem sei es eine Umweltbelastung, wenn viele Produkte hin- und hergeschickt werden.

Phishing

Rund um den Amazon Prime Day lauern Gefahren in der Mail-Inbox: Nicht selten versuchen Cyberkriminelle, Kunden über eine gefälschte Login-Seite, die der echten Seite von Amazon täuschend ähnlich sieht, dazu zu bringen, ihre Zugangsdaten sowie die Kreditkartennummer einzugeben.

Während des Prime Days seien User laut Experten anfälliger für derartige Phishing-Versuche, weil sie sich durch die zeitlichen Limits der Angebote häufig unter Druck setzen lassen und sie somit unachtsamer werden. Amazon-Prime-Kunden sollten daher keinesfalls über vermeintliche E-Mail-Angebote am Prime Day teilnehmen, sondern immer die Amazon-Seite im Browser aufrufen.

Ein beliebter Trick der Cyberkriminellen ist auch, in den Tagen nach den Prime Day gefälschte Versandbestätigungen per Mail auszuschicken. Klickt man auf einen Link, um mehr Details zur Bestellung zu erhalten, wird man etwa auf eine Webseite weitergeleitet, die zum Download einer Word-Datei auffordert. Diese soll die geforderten Bestelldetails enthalten, tatsächlich enthält sie aber ein Makro, das im Hintergrund einen Trojaner installiert.