Digital Life
24.12.2014

Weihnachten lässt Elektroschrott-Berge wachsen

Zu Weihnachten werden in Österreich geschätzte 7300 Tonnen Elektrogeräte verschenkt. Die fachgerechte Entsorgung von Altgeräten fällt oft unter den Tisch.

“Bei Handys liegt die Nutzungsdauer heute durchschnittlich zwischen sechs und 24 Monaten”, sagt Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), zur futurezone. Vor allem zu Weihnachten wechseln viele Menschen auf ein neues Gerät, weil sie mit einem Smartphone, Tablet oder anderen Elektronikgeräten beschenkt werden. Insgesamt sollen geschätzte 7300 Tonnen Elektrogeräte zu den Feiertagen in Österreich verschenkt werden, heißt es von der EAK. Zu den beliebtesten Technikgeschenken zählen Fernseher, Handys, Kaffeemaschinen, aber auch Haushaltsgeräte wie zum Beispiel Kühlschränke.

Die Freude über die neuen Gadgets lässt den Gedanken an eine fachgerechte Entsorgung der alten, ausgedienten Geräte allerdings oft verschwinden. Und so wachsen gerade rund um die Feiertage die Elektromüll-Berge jedes Jahr deutlich an. Viele Menschen verräumen die alten Geräte im Keller oder in Schubladen, manche werfen sie einfach in den Restmüll - die schlechteste aller Varianten.

“Genau dort gehören sie nicht hin, denn sie enthalten wertvolle Rohstoffe wie Gold oder Kupfer, die dann nicht mehr rückgewonnen werden können und somit verloren gehen”, sagt Giehser. In vielen Geräten sind auch seltene Elemente wie Indium, Lithium und Tantal enthalten. Dass Unternehmen ihre Produkte durch Werbung und Marketing verkaufen wollen, sei natürlich verständlich. Probleme entstünden aber eben dann, wenn nach einem Neukauf die Altgeräte einfach weggeworfen würden, so Giehser.

Richtige Entsorgung

Das Problem sind allerdings nicht nur die verlorenen Rohstoffe, gleichzeitig verursachen wachsende Elektroschrottberge in afrikanischen Ländern wie Ghana seit Jahren katastrophale Zustände. Auf den Müllbergen finden sich vor allem Kinder, die unter gesundheitsschädlichen Bedingungen, Altgeräte verbrennen, um etwa an Kupfer zu kommen, oder versuchen, andere Stoffe zu gewinnen.

Umso dringlicher pochen Organisationen wie Südwind, aber auch die EAK auf die richtige Entsorgung der Altgeräte. Wer sichergehen will, dass sein ausrangiertes Smartphone oder Tablet auch fachgerecht entsorgt und recycelt wird, sollte jedenfalls nur zu offiziellen Sammelstellen der Gemeinden gehen. “Es gibt in Österreich über 2100 solcher Sammelstellen, das ist eines der dichtesten Netze weltweit”, so Giehser. Auf der EAK-Website findet man übrigens mit dem Sammelstellenfinder die nächstgelegene Sammelstelle in seiner Umgebung.

Aufklärung und Bewusstseinsbildung

“Ich denke, dass das Bewusstsein zur Nachhaltigkeit bei den Konsumenten in Österreich schon recht hoch ist”, meint Giehser. Oft scheitere es aber am Wissen über die Details. “Daher arbeiten wir daran, die Menschen regelmäßig darüber zu informieren, wie sie Altgeräte richtig entsorgen können.” Das sei eben auch gerade zur Weihnachtszeit wichtig. Vor allem bei der Jugend will die EAK das Bewusstsein für den richtigen Umgang mit Elektronikgeräten stärken. “Ich sehe es als wichtige Aufgabe der Wirtschaft, speziell die junge Generation darüber zu informieren, dass sie durch einen verantwortungsbewussten Umgang mit den Geräten einen wertvollen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft leisten kann”, sagt Giehser weiter.

Um das zu erreichen, arbeitet die EAK mit jungen Menschen und hat einen “Schulkoffer” zum Thema Wertstoffe in Elektroaltgeräten entwickelt. “Die Erfahrungen damit sind sehr positiv. Ich denke, dass die junge Generation sehr aufmerksam ist, was Nachhaltigkeit angeht”, so Giehser. “ Anbieter, die das berücksichtigen, werden hier in Zukunft vielleicht sogar einen Wettbewerbsvorteil haben.”

Beim Schulkoffer handelt es sich um eine Zusammenstellung aus Lernspielen und angreifbaren Beispielen, anhand derer Kinder im Pflichtschulalter für Nachhaltigkeit begeistert werden sollen. Die Kinder lernen etwa am Beispiel eines zerlegten Handys, welche unterschiedlichen Rohstoffe verbaut sind. Derzeit ist der Schulkoffer in Niederösterreich im Einsatz, in Zukunft soll das Projekt auf ganz Österreich ausgeweitet werden.