© Ericsson/YouTube Screenshot

M2M-Kommunikation Serie Teil 4

Wenn der Wecker bei Stau früher klingelt

Das „Internet der Dinge" soll künftig auch im Alltagsleben vieler Menschen eine Rolle spielen, wenn es nach Ericsson Research geht. Und zwar etwa dann, wenn der leere Kühlschrank das Essen beim Chinesen bestellt, während man sich am Heimweg von der Arbeit befindet, oder aber wenn das eigene Auto im Falle eines Unfalls oder Missgeschicks automatisch mit der Versicherung Kontakt aufnimmt und alle nachfolgenden Termine nach hinten verschiebt, oder aber wenn der Wecker eine halbe Stunde früher klingelt, weil sich auf der Route zur Arbeit ein Verkehrsstau befindet und das System Alarm schlägt. Das ist etwa David passiert, in den beiden Videos zum "Social Web of Things".

Mit dem „Social Web of Things" hat Ericsson Research bereits vor längerem ein Zukunftsszenario entworfen, dem die Vernetzung der Dinge mittels M2M-Kommunikation zugrunde liegt. „Menschen finden es generell schwer, sich mit technischen Netzwerken zu identifizieren und fühlen sich auch meistens nicht komfortabel dabei, diese zu managen. Wir haben deshalb versucht, die Netzwerke der Dinge wie menschliche Netzwerke zu gestalten und wollen mit den Videos vor allem zeigen, was passiert, wenn auch Dinge Freunde oder Bedürfnisse haben und mit anderen Dingen kommunizieren können", heißt es seitens des Ericsson Research Labs.

Problematische Vernetzung
Doch eine derartige Computerisierung von Alltagsgegenständen ist aus der Sicht von Datenschützern nicht nur praktisch, sondern auch problematisch. „All diese Gegenstände brauchen eine eindeutige Adresse. Sobald sie diese eindeutige Adresse haben und der Bezug zu einer Person hergestellt werden kann, sind diese Daten als personenbezogen zu werten", erklärte Andreas Krisch von unwatched.org am Wiener Netzpolitikpolitik-Kongress DNP12.

Dadurch lässt sich leicht feststellen, welche Interessen eine bestimmte Person hat, ohne dass es der betroffenen Person bewusst ist. Von David aus dem Ericsson-Video weiß man beispielsweise, dass er am liebsten Chinesisch bestellt, Fußball im TV gegenüber dem Anruf seiner Freundin bevorzugt, wann sein Wecker normalerweise läutet und er das Haus verlässt, und wie er seinen Kaffee in der Früh am liebsten hat. Doch wer weiß das alles, wenn es die M2M-Chips in den einzelnen Gegenständen wissen und sich diese miteinander vernetzen? Von wem werden die Daten verarbeitet? Wie viele Firmen sind involviert? Und werden diese Daten an einer Stelle miteinander verknüpft?

Datenschutzfreundliche Planung möglich
„Beim Internet of Things hat man kaum die Möglichkeit, festzustellen, wer die Daten wirklich verarbeitet und zu welchem Zweck. Außerdem werden personenbezogene Daten bereits jetzt von manchen Firmen zu anderen Zwecken als erlaubt herangezogen", warnt Krisch. Neben der Gefahr der unrechtmäßigen Verarbeitung der Daten droht also auch die Verknüpfpung der Daten zu Datamining-Zwecken.

Der Datenschutzexperte drängt daher darauf, dass IT-Systeme, die auf M2M-Kommunikation ausgerichtet sind, künftig von vornherein datenschutzfreundlich geplant werden. „Es sollte bereits bei der Planung darauf geachtet werden, dass festgelegt wird, ab wann Daten wieder gelöscht werden können oder der Personenbezug entfernt werden kann", so Krisch. Hierfür soll es zudem„Best Practise"-Beispiele geben, an denen man sich orientieren kann.

Krisch fordert zudem, dass jeder die Kontrolle über seine Daten – und die Daten seiner „Dinge" - behalten muss. „Andernfalls könnte es sein, dass der User die Rolle des von der Technik gesteuerten Menschen ablehnt, wenn er den Systemen nicht vertrauen kann", warnt der Datenschützer. 

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