In der Pro-Ject-Audio-Zentrale gibt es ein Sichtfenster in den Eisspeicher. Dieser fasst eine Million Liter Wasser

© Pro-Ject Audio

Digital Life
06/21/2019

Wie man mit Eis im Winter heizen kann

Ein im Boden eingegrabener Eisspeicher dient als eine Art Akku für Wärme und Kälte.

Erneuerbare Energien haben ein großes Problem: Es ist schwierig und teuer, sie zu speichern. Deshalb wird etwa Strom aus Solar- und Windkraftanlagen meist direkt ins Netz gespeist, anstatt zur späteren Nutzung in kostenintensive Akkus. Mit Wärme ist das ähnlich. Wer das Prinzip der Erdwärme nutzen will, muss teure und genehmigungspflichtige Bohrungen vornehmen lassen, was viele Hausbesitzer abschreckt. Eine Alternative ist der Eis-Energiespeicher. Dieser verspricht, dass man im Winter mit Eis heizen kann. Das klingt vielleicht absurd oder experimentell, ist aber ein ausgereiftes System.

Ausgezeichnete Anlage

„In Österreich gibt es einige dutzend Anlangen im Einfamilienhaus-Bereich“, sagt Thomas Gamperl von Viessmann. Das deutsche Unternehmen ist einer der größten Anbieter für Eis-Energiespeicher-Anlagen. Auch eine Großanlage wurde bereits errichtet, zwei weitere sind in Arbeit. Die Großanlage steht bei Pro-Ject Audio in Mistelbach. Das heimische Unternehmen ist für seine hochwertigen Plattenspieler bekannt.

Die Anlage wurde kürzlich beim renommierten Umweltpreis Energy Globe Austria 2019 ausgezeichnet. „Die Anlage ist seit 2017 in Betrieb. Im Winter wärmt sie, im Sommer kühlt sie. Die Heizung funktioniert mittels Fußbodenheizung, die Kühlung ebenfalls“ sagt Herbert Rutschka, Betriebsleiter der Pro-Ject-Zentrale.

Funktionsweise

Egal ob fürs Einfamilienhaus oder die Industrieanlage: Die Funktion des Eisenergiespeichers bleibt die gleiche - nur die Komponenten sind größer. Benötigt werden eine Wärmepumpe, ein Solar-Luftabsorber, der Eisspeicher, eine Steueranlage und eine „Cooling“-Box für die Kühlung. Der Solar-Luftabsorber wird am Dach installiert, der Eisspeicher bei Einfamilienhäusern in bis zu vier Meter Tiefe vergraben. Der Zylinder hat ein Fassungsvermögen von zehn Kubikmetern und wird mit Leitungswasser gefüllt. Er besteht aus Beton. Eine spezielle (und teure) Isolierung ist nicht nötig.

Zum Heizen entzieht die Wärmepumpe dem Wasser die Energie. Das Wasser kühlt dadurch ab. Beim Übergang in den gefrorenen Zustand entsteht die meiste Energie, in der Form von Kristallisationswärme. Um diese Energie möglichst oft zu nutzen, muss das Eis wieder zu Wasser werden. Hier kommt der Solar-Luftsabsorber ins Spiel. Dieser gewinnt Wärme aus der Sonne und Umgebungsluft, mit der der Eisspeicher quasi beheizt wird. Dieser Prozess des Auftauens wird als Regenerieren bezeichnet.

Kühlfunktion

Vor dem Ende der Heizphase wird die Regeneration ausgesetzt, damit möglichst viel Eis entsteht. Im Sommer wird dann das langsam abtauende, kühle Wasser in das Heizsystem des Haus geleitet. Die Bodenheizung wird so zur Klimaanlage.

Eine Eis-Energiespeicher-Anlage für ein Einfamilienhaus kostet laut Gamperl, inklusive Installation, etwa 25.000 Euro. „Ohne Förderungen hat sie sich in etwa 11 bis 13 Jahren amortisiert. Mit sind es in etwa 7 bis 9 Jahre." Das System lässt sich auch gut mit anderen Energieanlagen kombinieren, wie etwa Solarstrom oder Abwärme von Rechenzentren und Industrieanlagen. Diese kann zur Regeneration genutzt oder zusätzlich zur Warmwasserbereitung eingespeist werden.