Digital Life
03.01.2018

Wie Schwarzfahrer von einer KI erwischt werden

In Barcelona verfolgt eine künstliche Intelligenz Schwarzfahrer und eine fahrerlose U-Bahn sorgt für kürzeren Takt-Verkehr. Wie aber sieht es mit diesen Themen ihn Wien aus.

In Barcelona bringen im Wesentlichen zwei S-Bahn-Linien die Pendler aus den Vororten ins Stadtzentrum: Die Linie Barcelona–Vallès und die Linie Llobregat–Anoia mit einer jährlichen Passagierzahl von mehr als 77 Millionen.

Damit beide Linien sicher und pünktlich an ihr Ziel kommen, kümmert sich neben den Lokführern und Sicherheitspersonal in den Stationen auch ein gutes Dutzend Mitarbeiter in einer zentralen Schaltstelle. Im Kontrollraum in Rubí in der Nähe von Barcelona werden auch alle 78 Bahnhöfe entlang der Strecken inklusive aller Ticket-Automaten videoüberwacht.

KI verfolgt Schwarzfahrer

Gut 1800 Überwachungskamera beobachten das Geschehen in den 78 Bahnhöfen. "Diese Kameras und die dahinterliegende Software werden mithilfe einer künstlichen Intelligenz permanent darauf trainiert, Schwarzfahrer zu erkennen", sagt Jesús Gonzàlez von der katalanische Eisenbahn-Gesellschaft Ferrocarrils de la Generalitat de Catalunya (FGC) im Gespräch mit der futurezone.

Wenn sich jemand das Fahrgeld sparen möchte und über die Ticketschranken springt oder sich zwei Menschen gleichzeitig durch den Ticketschranken schummeln, schlägt die künstliche Intelligenz Alarm. Das heißt, der Bilderkennungsalgorithmus erkennt, dass jemand die Ticketschranken nicht wie vorgesehen passiert hat.

In so einem Fall werden Fotos der Schwarzfahrer umgehend gespeichert und automatisch an das Sicherheitspersonal vor Ort weitergeleitet. Mithilfe der Fotos, die den Security-Mitarbeitern auf ihren Tablets angezeigt werden, können sie die Schwarzfahrer zur Rede stellen. "Diese Vorgehensweise spricht sich herum und so konnten wir das Schwarzfahren auf nahezu Null reduzieren", so Gonzàlez.

"Durch die Ticketschranken in den Bahnhöfen können wir genau sagen, wie viele Fahrgäste am Morgen aus den Vororten ins Stadtzentrum gependelt sind", erklärt Gonzàlez im Gespräch mit der futurezone. Auf Basis dieser Daten wird dann berechnet, wie viele Waggons am Nachmittag bei den jeweiligen Zügen zum Einsatz kommen müssen, damit die Pendler auch wieder effizient nach Hause gebracht werden können.

In Wien kein Thema

"Gesichtserkennung oder eine andere Form von Tracking beispielsweise für Schwarzfahrer sind aus Datenschutzgründen aktuell kein Thema. Das gilt auch für die neuen U2/U5-Linien", heißt es von den Wiener Linien gegenüber der futurezone. Ohne derartiger Ticketschranken, wie man sie etwa London oder Paris her kennt, ist man in Wien quasi auf Kontrolleure vor Ort angewiesen. "Von 6,6 Millionen Face-to-Face-Kontrollen im Jahr 2016 durch unsere Mitarbeiter waren gerade einmal 1,7 Prozent Schwarzfahrer dabei", so die Wiener Linien.

Die Wiener Linien haben in den U-Bahn-Stationen, U-Bahn-Garnituren, Straßenbahnen und Bussen aktuell insgesamt 11.000 Videokameras installiert. "Wie es der Datenschutz verlangt, werden die Aufnahme nach 48 Stunden überschrieben. Ausschließlich die Exekutive hat ein Zugriffsrecht auf diese Mitschnitte", sagt ein Sprecher der Wiener Linien zur futurezone.

Keine autonomen Züge

Eine weitere Besonderheit der FGC sind die fernsteuerbaren Ticket-Automaten. Wenn jemand beim Ticketkauf am Automaten Hilfe benötigt, kann er sich an das Service-Personal wenden. "Per Mikrofon, Lautsprecher und Fernsteuerung können den Fahrgästen jeden beliebigen Fahrschein ausdrucken. Nur das Einwerfen der Münzen müssen die Fahrgäste selber machen", erklärt der FGC-Manager.

Fahrerlose Züge denkt die FGC derzeit nicht an. "Bei U-Bahnen, die die meiste Zeit in einem Tunnel unterwegs sind, sind selbstfahrende Züge relativ einfach zu organisieren. Unsere Züge fahren aber den Großteil der Strecke über Land. All die Umwelteinflüsse wie Bahnschranken, Bahnübergänge und oder ähnliches sind für selbstfahrende Züge derzeit teilweise noch problematisch", sagt Gonzàlez. Daher seien autonome Züge aktuell nicht geplant.

Wiener U5 wird fahrerlos

Im U-Bahn-Netz verfügt Barcelona aber bereits über eine U-Bahn-Linie, die ohne menschlichen Fahrer völlig automatisiert fährt. Mit der U5 bekommt auch Wien ab 2023 die erste vollautomatische U-Bahn-Linie. "Was ähnlich wie in Barcelona sein wird, ist die kürzere Taktung bei den selbstfahrenden U5-Garnituren", heißt es von den Wiener Linien.

Da keine Fahrerwechsel mehr nötig sind, könne hier noch Zeit gut gemacht werden. Auch die Bahnsteigtüren sollen für kürzere Intervalle sorgen, denn Gegenstände auf den Gleisen und die so entstehenden Verzögerungen seien damit Geschichte. "Die U-Bahn-Linien U1 bis U4 sind bereits halbautomatisch in Wien unterwegs. Das heißt, dass von der Leitstelle die Geschwindigkeiten für die Garnituren geregelt werden", so die Wiener Linien.