Eskom power coal power stations

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Wie sich der Lockdown auf den Energieverbrauch auswirkt

Der Lockdown im Kampf gegen die Corona-Pandemie verändert das Alltagsleben aller Österreicher. Ähnlich wie das erhöhte Datenaufkommen und die geringere Mobilität lassen sich die Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen auch am Energieverbrauch der Strom- und Gasnetze ablesen.

"Uns ist im Frühjahr im Lockdown I aufgefallen, dass wir so leben wie früher. Man steht etwas später auf als sonst. Zu Mittag wird zu Hause gekocht, das sieht man schön an den Gas- und Stromverbrauchspitzen in unserem Netz", erklärt Thomas Schuster, Technischer Betriebsleiter Strom der Wiener Netze gegenüber der futurezone. Wenn alle arbeiten gehen würden, wäre das nicht so sichtbar.

Mehr Strom zu Hause, weniger Strom insgesamt

"Im Frühjahr wurde im harten Lockdown zu Hause um 25 bis 30 Prozent mehr Strom verbraucht. Aber der Energiefresser ist nicht der Laptop, sondern der Herd oder das Backrohr", so Schuster. Zum Versorgungsgebiet der Wiener Netze zählen übrigens neben Wien auch Teile von Niederösterreich und dem Burgenland.

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Der Gesamtstromverbrauch ist im Lockdown I aber um rund 15 Prozent zurückgegangen. "Wenn Firmen nicht mehr produzieren und die Gastronomie großteils stillsteht, sind deutliche Rückgänge beim Stromverbrauch zu verzeichnen", weiß der Betriebsleiter der Wiener Netze. Zwischen 16. März und 14. April 2020 verzeichneten die Wiener Netze einen Rückgang beim Stromverbrauch von durchschnittlich 9,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Weniger stark im Lockdown II

Der harte Lockdown II im November schlägt sich bereits in der Netzlast nieder. In der vergangenen Woche war es kälter und bewölkter als in der Vergleichswoche des Vorjahres. Unter "normalen" Umständen müsste also die Wochenenergiemenge höher sein, sie blieb aber hinter jener des Vorjahres zurück, erklärt Schuster: "Die Ursache hierfür ist, dass Gastronomie, Beherbergung sowie der Kulturbetrieb komplett heruntergefahren wurden."

Zwischen 2. und 23. November lag der Gesamtstromverbrauch pro Woche um durchschnittlich 3,4 Prozent unter dem Verbrauch des Vorjahres. Zu beachten ist dabei, dass auch der Lockdown light in die Berechnungen eingeflossen ist.

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Gasverbrauch im Lockdown I und II

Ein Vergleich beim Gasverbrauch ist deutlich schwieriger als ein Vergleich beim Stromverbrauch. Wie viel Gas zum Heizen benötigt wird, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, etwa Sonnenscheinstunden, Außentemperatur und Einstellungen der jeweiligen Heizsysteme.

Dennoch lässt sich laut Wiener Netze ablesen, dass im Lockdown I im Frühjahr die Gasabgabe an die Haushaltskunden um ungefähr 7 Prozent höher war als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Mit Blick auf die Durchschnittstemperatur sei das aber durchaus innerhalb der normalen Schwankungen, so der Netzbetreiber.

Fünf gute Gründe für das Heizen mit Gas

Routinemäßige Kontrolle zur Gasversorgung der Wiener Netze

Temperatur ist ausschlaggebend

Im Lockdown light Anfang November war die Gasabgabe an die Haushaltskunden nur geringfügig höher als im Vorjahr. Im harten Lockdown II verbrauchten die Haushaltskunden jedoch um 20 Prozent mehr Gas als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Allerdings lag während dieser Zeit die Durchschnittstemperatur 2019 bei 8,5 Grad Celsius, 2020 lag die Durchschnittstemperatur bei 5 Grad Celsius.

"Die Steigerung ist sicher primär durch die niedrigere Durchschnittstemperatur bedingt", heißt es von den Wiener Netzen gegenüber der futurezone. "Ob und wieviel die erhöhte Anwesenheit zu Hause dazu beiträgt ist schwer zu belegen, aber sie wird eine kleine Rolle spielen."

Augarten

Vor allem das trübe und kalte Novemberwetter lässt den Gasverbrauch steigen

Baustellen haben große Auswirkungen auf die Netze

"Der Bagger ist der größte Feind der Netze", erklärt eine Sprecherin der Wiener Netze. "Im Lockdown I im Frühjahr wurden die meisten Baustellen eingestellt. Dadurch gab es weniger Störungen, weil Kabel durch Bauarbeiten nicht beschädigt wurden. Im Lockdown II im November ist das nicht in dieser Art zu bemerken."

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