Digital Life
02.02.2016

Wie Touristen in Wien per Smartphone analysiert werden

Wien Tourismus will Bewegungsströme von Touristen in Wien anhand von Mobilfunkdaten analysieren. Freies WLAN und das Ende von Roaminggebühren sieht man als Chance.

"Die Art und Weise, wie sich Touristen informieren und ihre smarten Geräte verwenden, wird sich mit dem Ende der Roaminggebühren in der EU wesentlich verändern", ist sich WienTourismus-Geschäftsführer Norbert Kettner im Gespräch mit der futurezone sicher.

Rund zwei Drittel der Gäste in Wien kommen aus der EU und diese werden voraussichtlich ab 2017 immer und überall in der Stadt kostengünstigen Zugriff auf sämtliche Online-Informationen haben.

Smartphone als ultimativer Stadtführer

"Es wird dann zur Selbstverständlichkeit werden, dass sich die Gäste von ihrem Smartphone durch die Stadt leiten lassen", sagt Kettner. "Dadurch ändert sich natürlich auch die Erwartungshaltung der Gäste und wir als Touristiker sind gefordert, ihnen die Informationen zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen um sich in der Stadt zielgerichtet bewegen zu können."

Unter anderem mithilfe von Beacons und Location-Based-Services will man daher "Content im Kontext" zur Verfügung stellen und den Touristen ortsabhängige Echtzeit-Informationen auf ihr Smartphone liefern.

WLAN-Hotspots

Für diejenigen Gäste, die dann immer noch auf WLAN-Verbindungen angewiesen sind, sollen die derzeit 400 öffentlichen WLAN-Hotspots sowie die 668 Freewave-Hotspots in Cafés und Restaurants kontinuierlich ausgebaut werden. In den Hotels sei das WLAN-Angebot ohnehin ein Hygiene-Faktor, erklärt Kettner, denn ohne WLAN gehe es einfach nicht mehr.

Derzeit hat Wien 438 Hotels. Von den 391 Betrieben, die im Hotelverzeichnis von WienTourismus aufscheinen, bieten 334 Hotels kostenloses WLAN im Zimmer an, 34 Hotels lassen sich das WLAN im Zimmer bezahlen und 23 Betriebe bieten überhaupt keine kabellose Internetverbindung im Zimmer an.

Mit Big Data Bewegungsmuster analysieren

Derzeit entwickelt T-Systems mit der Firma Motionlogic ein System, das mittels mobiler Daten verschiedenste Analysen durchführen kann. Bei WienTourismus sieht man das als Chance, Bewegungsströme messen und Erkenntnisse für die Marktforschung erlangen zu können.

„In einem ersten Schritt sehen wir uns im Rahmen einer Pilotphase an, wie wir beispielsweise anonyme Signalisierungsdaten aus dem Mobilfunk- und WLAN-Netz nutzen können. Gerade bei Tagestouristen, wo man bisher nicht feststellen konnte, wie sie sich durch die Stadt bewegen, was sie sich ansehen und wohin sie gehen, erhoffen wir uns dadurch neue Erkenntnisse, auf die wir dann entsprechend reagieren können", sagt Kettner. Etwa bei Großveranstaltungen sei es mithilfe von mobilen Daten auch möglich, Besucherströme in Echtzeit zu erfassen und entsprechende Maßnahmen zu treffen, beispielsweise wenn es zu Engpässen kommt.

Keine App als Plus

"Was uns viel Kritik gebracht hat, sich im Nachhinein aber als klug herausgestellt hat, ist unsere Non-App-Policy", sagt Kettner. Denn für das Dachangebot von WienTourismus gibt es keine offizielle App, sämtliche Informationen sind auf wien.info gesammelt. "Bereits im Sommer 2011 haben wir eine eigene Mobilversion unseres Web-Auftritts gelauncht. Diese wurde Anfang 2015 durch eine Version abgelöst, deren Design sich an das jeweilige Endgerät anpasst.."

Das zeigt sich auch in der Nutzungsstatistik der Webseite: "2015 erreichten 44,4 Prozent der Besucher wien.info mit einem mobilen Device und verweilten dort im Durchschnitt gut drei Minuten", sagt Kettner.

Airbnb und Uber

"Airbnb ist da und wird auch bleiben", ist sich Kettner sicher. "Die Nutzungszahlen zeigen ja eindeutig, dass es offenbar einen Bedarf an derartigen Angeboten und Services gibt. Vor solchen Entwicklungen kann man nicht einfach die Augen verschließen." Ähnlich wie bei Uber gelte es allerdings, ein Regelwerk auszuarbeiten, bei dem alle Marktteilnehmer gleichberechtigt sind und sich an dieselben Regeln halten müssen.

"Im Gegensatz zu anderen Branchen herrscht bei uns aber kein Kulturpessimismus", sagt Kettner, "Klar hat die Digitalisierung auch in der Tourismusbranche ihre Opfer gefordert, aber sie hat auch neue Chancen eröffnet. Beispielsweise kann ich heute eine kleine Pension weltweit vermarkten und etwa ein Zielpublikum in Australien ansprechen."