© Michael Leitner

Interview
03/23/2014

„Wir wollen den 3D-Druck demokratisieren“

Der österreichische Händler Tigal vertreibt 3D-Drucker in ganz Europa. Die futurezone hat mit Markku Riihonen über teure Kartuschen und österreichische Skepsis gesprochen.

von Michael Leitner

Samsung gegen Apple, Canon gegen Nikon: Viele Märkte sind vom Kampf zweier großer Hersteller geprägt. Dasselbe trifft auch auf den 3D-Druck-Markt zu, der von den US-Unternehmen Stratasys und 3D Systems dominiert wird. Doch die Bekanntheit der beiden Marken ist außerhalb des industriellen Sektors beschränkt, kaum ein Konsument kann etwas mit diesen Namen anfangen. In Österreich hat nun unter anderem der Händler Tigal den Vertrieb von 3D Systems übernommen. Der Experte für Embedded Electronics will nun auch zu einem "Kompetenzzentrum für 3D-Druck" werden und bietet dafür neben 3D-Druckern für den Heimgebrauch und Unternehmen auch Seminare und Schulungen zum Thema 3D-Druck an. Die futurezone hat sich mit Markku Riihonen, Marketing-Chef von Tigal, über den Einsatz von 3D-Druck in Österreich, überzogene Vorstellungen von 3D-Druck-Neulingen und die Ähnlichkeiten mit dem 2D-Drucker-Markt unterhalten.

Mehr zum Thema 3D-Druck gibt es am 27. März auf der ersten österreichischen 3D-Druck-KonferenzPRINT3Dfutureim Wiener Odeon-Theater zu sehen. Dort werden unter anderem Adrian Bowyer vom RepRap-Projekt, Jennifer Lawton (Präsidentin MakerBot) sowie zahlreiche weitere 3D-Druck-Experten vertreten sein. DerKartenvorverkaufläuft noch. Die futurezoneverlost zudem drei mal je zwei Tickets, der Teilnahmeschluss ist der 23. März, 23:59 Uhr.

futurezone: In welchen Bereichen ist Tigal tätig?
Riihonen:
Wir sind seit vielen Jahren als Vertrieb aber auch Designer und Produzent von Embedded Electronics und Werkzeugen tätig. Das heißt, unsere Kunden finden bei uns das Material und Werkzeug, um eigene elektronische Anwendungen zu entwickeln, sei es im Bereich der Spracherkennung für Hausautomation oder ein Display-Modul für ein Auto. Wir bedienen dabei nicht nur Unternehmen, sondern auch private Kunden. Für uns ist es ein wichtiger Bestandteil, unseren Kunden diesen Mehrwert anbieten zu können. Daraus resultierte dann auch die Entscheidung, 3D-Drucker in unser Sortiment aufzunehmen.

Dabei beschränken wir uns nicht nur auf 3D-Drucker für den Heimgebrauch, sondern bieten vor allem professionelle Drucker für Unternehmen wie Magna oder Siemens. Dazu haben wir in die Umsetzung eines „Kompetenzzentrums 3D“ massiv investiert. Es handelt sich um eine Informationsstätte zu 3D Druck, 3D Scanning und allem was mit 3D Design zu tun hat. Wir haben dazu in Maschinen sowie die zertifizierte Ausbildung unserer Mitarbeiter investiert. Ab April finden regelmäßige Seminare zu diesem Thema bei uns statt. Auch Workshops sind in dieser Richtung geplant.

Wie kam man darauf, auch 3D-Drucker anzubieten?
Riihonen:
Wir haben zahlreiche Kunden, die hochwertige Produkte herstellen, beispielsweise Schweißmaschinen für Schmuck. Dieses Unternehmen bezieht zum Beispiel Bildschirm-Module für ihre Maschinen von uns. Oft möchten Unternehmen, wenn sie eine spezielle elektronische Anwendung entwickeln, auch ein Gehäuse dafür haben. Viele Unternehmen haben uns nach Lösungen dafür gefragt, ob wir ihnen helfen könnten oder wir ein anderes Unternehmen kennen würden. Das war vor knapp zwei Jahren.

Wir haben uns den Markt für FDM-Drucker (Fused Deposition Modelling) angesehen und dann den 3D Touch von Bits from Bytes entdeckt. Aus unserer Sicht war er etwas besser als der Makerbot. Zur selben Zeit wurde Bits from Bytes aber von 3D Systems übernommen, wodurch wir Zugriff auf die professionellen Modelle erhalten haben. Österreich hat großes Potenzial im Bereich 3D-Druck.

Ein eigener 3D-Drucker zahlt sich auch nicht für jeden aus, manchmal ist ein Dienstleister oder ein anderes Verfahren, zum Beispiel Spritzguß, günstiger. Was raten Sie ihren Kunden?
Riihonen:
Es wäre natürlich auch auf diesem Weg möglich, aber in unserem Fall haben uns Kunden direkt nach 3D-Druck gefragt. Dadurch haben wir uns mit Rapid Prototyping auseinandergesetzt und können nun unseren Kunden entsprechende Dienstleistungen anbieten. Gerade in Österreich gibt es hier sehr großes Potenzial, auch wenn man hier etwas konservativ bei den Fertigungsmethoden ist. Durch die Medienaufmerksamkeit, die 3D-Druck zuletzt erfahren hat, kommen Kunden auch aktiv auf uns zu und wollen wissen, welche 3D-Drucker wir haben, was sie können und wie damit gefertigte Teile aussehen.

Wenn man nun auf Spritzguß zurückgreifen möchte, muss man erst einmal die entsprechenden Werkzeuge fertigen lassen. Das kann schon mehrere tausend Euro kosten und dauert oft mehrere Wochen. Mit einem 3D-Drucker kann man hingegen in kurzer Zeit viele verschiedene Designs ausprobieren. Es gibt natürlich auch 3D-Druck-Dienstleister, aber hier kommt es auch auf die Stückzahl an. Wenn man einmal im Jahr ein Modell braucht, macht das schon Sinn, bei 50 pro Jahr rechnet sich aber auch schon ein eigener 3D-Drucker. Zudem besteht bei einem externen Dienstleister das Risiko, dass Designs gestohlen werden könnten.

Ist den Kunden, wenn sie an Sie herantreten, klar, welche Grenzen 3D-Druck hat?
Riihonen:
Ja und nein. Die Erwartungen der Kunden sind zum Anfang manchmal recht unrealistisch, aber wenn man ihnen die verschiedenen 3D-Druck-Technologien erklärt, beginnen sie zu verstehen, dass das kein normaler Tintenstrahl-Drucker ist, oder dass man aus einem Foto kein 3D-Objekt ausdrucken kann. Mit Unternehmen muss man oft nach den richtigen Verfahren und Materialien für deren Anwendungsgebiete gemeinsam suchen. Einige wollen nur rasch ein Objekt zum Anfassen ausdrucken, da reicht bereits ein günstiger FDM-Drucker.

Andere wollen hingegen echte Bauteile, die man auch verwenden kann. Hier kommen eher Stereolitographie (SLA) oder Selektives Lasersintering (SLS) zum Einsatz. Die Grenzen des 3D-Drucks liegen nicht unbedingt in der Geometrie, hier kann man sogar Objekte herstellen, die mit herkömmlichen Verfahren nicht möglich wären. Einschränkungen gibt es hingegen bei den Eigenschaften des Materials, auch wenn man mittlerweile mit Metallen, Glas und Mischmaterialien drucken kann. Derzeit gibt es aber keine Maschine, die "alles" kann.

Wer sind Ihre Kunden im 3D-Druck-Geschäft, eher Unternehmen oder Privatpersonen?
Riihonen: Wir haben sehr viel mehr Kunden aus dem Consumer-Geschäft mit den Cube-Modellen. Das liegt aber daran, dass wir diese Modelle weltweit vertreiben. Im Unternehmensbereich haben wir ebenfalls zahlreiche Kunden und darauf liegt derzeit unser Fokus. Aber auch Schulen zählen zu unseren Kunden, darunter Universitäten, HTLs sowie Gymnasien. In den Gymnasien wird vor allem Wert darauf gelegt, den Schülern die Grundlagen von 3D-Modellierung beizubringen und diese Kreationen dann in reale Objekte zu verwandeln. Allein in Wien sind rund 15 Cube-Modelle schulisch im Einsatz.

Hier liegt auch der große Unterschied zwischen professionellen 3D-Druckern und Modellen für den Heimgebrauch. Bei Letzteren gibt es gerade sehr viel Hype, vielen ist aber immer noch nicht klar, wie das eigentlich funktioniert. Da wird es noch einige Jahre dauern, ähnlich wie damals, als die ersten PCs auf dem Markt auftauchten. Damals waren Schreibmaschinen noch weit verbreitet, mittlerweile ist Textverarbeitung am PC der Standard, auch in Schulen. Die derzeit größte Hürde ist 3D-Modellierung, das zwar an einigen Schulen unterrichtet wird, aber nur von wenigen wirklich beherrscht wird. Wenn man 3D-Modellierung beherrscht, ist der 3D-Druck relativ simpel. Hier wird sich aber in den nächsten Jahren sehr viel verändern.

Wie sieht das Feedback der Gymnasien bislang aus?
Riihonen:
Sie sind begeistert davon, da es ihnen neue Möglichkeiten eröffnet. Es zeigt ihnen, dass der Computer nicht nur zum Internetsurfen oder Videospiele gut ist, sondern damit auch etwas erschaffen werden kann. Ich hoffe, dass dadurch eine neue Generation von Makern entstehen wird. Mit 3D-Druck könnte zum Beispiel eine Ergänzung für den klassischen Werkunterricht geschaffen werden. Das erste Modell, das sie am Computer gezeichnet haben, könnten sie beispielsweise am 3D-Drucker erzeugen und so mögliche Fehler erkennen. Diese können sie dann wiederum am Computer ausbessern und mit herkömmlichen Verfahren das Objekt herstellen, sei es aus Metall, Holz oder Ton.

Was möchte man mit der Consumer-Schiene eigentlich erreichen, wenn im Business-Segment das große Geld steckt?
Riihonen:
Realistisch gesehen sind professionelle Modelle nun mal jene, die häufig und intensiv verwendet werden. Der Markt für günstige 3D-Drucker ist hingegen interessant. Es gibt viele Kunden, die einen 3D-Drucker haben wollen, aber wir befinden uns noch in einer "Early Adopter"-Phase. Die Personen, die sich bereits jetzt einen derartigen 3D-Drucker kaufen, sind ähnlich wie jene Personen, die sich zum Beispiel das erste Smartphone gekauft haben. Die Frage ist nun auch, ob man mit der Software umgehen kann. Wenn man ein Designer ist und Erfahrung damit hat, wird man den 3D-Drucker recht starkeinsetzen. Dann gibt es jene, die einfach neugierig sind und sich gerne neue Gadgets kaufen. Für die ist es wie ein kostspieliges Spielzeug. Sie besitzen ein paar Kartuschen und laden sich Modelle aus dem Internet herunter, die sie dann ausdrucken. Das ist ein großer Wachstumsmarkt, der sich aber noch über einige Jahre entwickeln muss.

Was muss passieren, damit Consumer-3D-Drucker profitabel werden?
Riihonen:
Wir haben auch FDM-Drucker weil wir für jeden ein passendes Produkt anbieten wollen. Die Druckqualität ist für den Preis sehr gut und wird immer besser. Diese Tischdrucker finden aber auch im professionellen Bereich vermehrt Anwendung. Der Preis liegt bereits sehr niedrig, man kann nicht mehr günstiger werden ohne Qualität einzubüßen. Die steigende Nachfrage nach diesen Modellen sorgt zwar dafür, dass der Preis für die Komponenten sinkt, der Profit bleibt aber dennoch gering.

Das Einzige, das sich damit realistisch gewinnen lässt, ist Öffentlichkeit für das Unternehmen und die Technologie. Man könnte sagen, es geht darum, 3D-Druck zu demokratisieren. Die Menschen müssen zunächst einmal sehen, was damit überhaupt möglich ist und dann lernen, wie sie es umsetzen können. Es ist wie beim Computer, sie müssen nicht unbedingt wissen, wie es genau funktioniert, aber sie müssen es bedienen können. Aber auch dann wird nicht jeder einen 3D-Drucker haben wollen.

Einige Unternehmen, darunter auch 3D Systems, erlauben bei ihren Modellen mittlerweile nur mehr "offizielles" Material aus Kartuschen ähnlich wie bei Tintenstrahldruckern. Ist das etwas, das man im Consumer-Bereich akzeptieren muss?
Riihonen:Das Geschäftsmodell ist ähnlich wie bei den normalen Druckern. Im Gegensatz zum herkömmlichen Drucker-Geschäft, in dem der Drucker selbst ohne Profit verkauft wird, wirft der Verkauf der Consumer-3D-Drucker ein wenig ab. Es gibt im Vergleich zudem gute Gründe, das Material in diese Kartuschen zu verpacken und lediglich offizielles Material zu erlauben. Makerbot wird das vermutlich auch machen. Einerseits hat die Kartusche einen RFID-Chip, die dem Drucker meldet, um welches Material es sich handelt, welche Farbe es hat und wie viel noch übrig ist. Das erleichtert Einsteigern das Einrichten, vor allem wenn zwei oder drei verschiedene Farben zum Einsatz kommen.

Man könnte all das öffnen, aber natürlich steckt dahinter auch ein unternehmerischer Gedanke. Zudem wird das Material durch die Kartusche auch geschützt. Es gibt beispielsweise auch von anderen Herstellern Material für den Makerbot zu kaufen. Das muss allerdings gut gelagert werden, ansonsten wird es durch die Feuchtigkeit zu spröde. Meist ist dadurch der Ausschuss beim Drucken deutlich höher. Zudem weiß man nicht, ob es sich tatsächlich um das versprochene Material handelt.

Neben 3D-Druck wird ja auch 3D-Scanning dank günstiger Sensoren, wie beispielsweise in Microsofts Bewegungssteuerung Kinect, zugänglicher. Wer außer Unternehmen könnte ein Interesse an einem 3D-Scanner haben?
Riihonen:
Die gleichen Personen, die auch einen Consumer-3D-Drucker zuhause stehen haben. Die günstigen Scanner liefern recht gute Ergebnisse, wenn es darum geht, einen Kopf oder ein Objekt von der Größe eines Basketballs einzuscannen. Die Funktionen eines 300 Euro-Modells sind im Vergleich mit einem Profi-Gerät, das rund 15.000 Euro kostet, derzeit etwas eingeschränkt, aber trotzdem recht gut. Mit ein paar Klicks hat man ein fertiges Modell in Farbe, das man ausdrucken kann. Wenn man eine Kinect und einen leistungsfähigen Computer zuhause hat, kann man aber auch auf diesem Weg Objekte oder Menschen einscannen und das 3D-Modell dann an einen 3D-Druckdienstleister im Internet schicken.

Ohne den Arduino gäbe es wohl heute keine Consumer-3D-Drucker, dennoch ist der Mikrocontroller bei weitem nicht so bekannt. Was macht aus Ihrer Sicht den Arduino so besonders?
Riihonen:Einfachheit, Zugänglichkeit sowie die Community. Die Community kam aber erst später dazu. Ich habe die Entwicklung des Arduino nicht von Beginn an verfolgt, aber wenn ich jemanden erklären möchte, was man damit machen kann, gebe ich gerne eine Lichtinstallation als Beispiel an. Man kann relativ komplexe Installationen programmieren, ähnlich dem UNIQA Gebäude am Schwedenplatz. Mit etwas Suche findet man vermutlich ein bereits komplett dokumentiertes Projekt, das erklärt wie man so etwas selbst realisieren könnte. Und natürlich ist der Arduino auch sehr günstig.

Wie könnte man ein besseres Verständnis für Mikrocontroller und Elektronik vermitteln?
Riihonen:
Schulen sind natürlich ein Weg, aber das Verständnis kann auch über Fablabs wie das Happylab und die Maker-Szene größer werden. Für Programmierung ist der Arduino der ideale Einstieg, vor allem durch die umfangreiche Dokumentation. Es stehen unzählige Projekte zur Auswahl, die man einfach nur ausprobieren muss. Es ist wie ein Lego-Set. Dann muss man das Interesse dafür bekommen, eigene Dinge zu erschaffen, dadurch verbreitet sich auch das Verständnis für Mikrocontroller schneller. Dafür braucht es coole Anwendungen, beispielsweise eine Steuerung für das Licht in meinem Haus, das sich per Sprachbefehl ein- und ausschalten lässt. Wenn das System einfach zu programmieren und installieren ist, werden sich auch viele Personen dafür begeistern. In den letzten drei bis fünf Jahren wurde diese Maker-Bewegung immer stärker. Man will vermehrt selbst Dinge erschaffen. Bislang war Elektronik ein Bereich für Geeks und Nerds aber mittlerweile ist dieser Bereich viel attraktiver geworden.

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