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Tourismus "WLAN auf der Skipiste wird zum Standard".

Foto: Loop21 Mobile Net GmbH
WLAN auf der Skipiste ist in dieser Wintersaison in Österreich keine Seltenheit mehr. Gleich mehrere Skigebiete - mit Ski amadé unter anderem die größte Region Österreichs - haben zahlreiche Hotspots installieren lassen, um für die Urlauber einen kostenlosen Internet-Zugang zur Verfügung zu stellen. Die Nachfrage ist groß. Die Betreiber der Hotspots rechnen daher damit, dass WLAN auf der Piste bald zum Standard wird.

Seit diesem Winter müssen viele Skiurlauber auch auf der Piste nicht mehr auf das Internet verzichten. Damit Gäste ihre Bilder von den verschneiten Landschaften bequem per Smartphone versenden oder ihre E-Mails abrufen können, bieten immer mehr große Skigebiete wie etwa die Skiregion amadé oder Sölden ein Gratis-Netz an. Neben den ausländischen Gästen, die aufgrund hoher Roaming-Gebühren im Normalfall bisher vom Web abgeschnitten waren, profitieren aber auch inländische Skifahrer, die am Berg oftmals mit dem Netzempfang zu kämpfen haben.

"Bisher hat alles ganz gut funktioniert", erklärt Alexander Szlezak von Unwired Networks gegenüber der futurezone. Szlezaks Unternehmen hat in der Skiregion amadé mit insgesamt 250 Access Points eine gesicherte WLAN-Netzinfrastruktur aufgebaut. Zu der Region gehören unter anderem der Stubnerkogel, die Flachau, die Planai sowie die Reiteralm, sie umfasst rund 860 Pistenkilometer, 270 Skilifte und 260 Skihütten.

WLAN auf der Skipiste
Bildcredit: Loop21 Mobile Net GmbH - Foto: Loop21 Mobile Net GmbH

Der kostenlose Zugriff aufs Internet funktioniert auf vielen öffentlichen Plätzen der Region, wie etwa Liftstationen, Parkplätzen, Seilbahnstationen oder Restaurants. "Das WLAN wird vor allem rund um die Mittagszeit häufig genutzt", so Szlezak. In den Weihnachtsferien haben die Gäste bereits rund 170.000 mal über die WLAN-Verbindung aufs Internet zugegriffen. Im Jänner hat es bis Mitte des Monats 12.243 Skigäste gegeben, die das kostenlose WLAN während ihres Urlaubs im Schnitt 24 mal benutzt haben. Aus den Zahlen von Unwired Networks geht zudem hervor, dass die Top 50 Nutzer am Tag im Schnitt 115 MB konsumieren. Das festgesetzte Datenlimit von 300 MB pro Tag reicht in der Regel neben dem Online-Stellen von Urlaubsfotos auch zum Hochladen von kurzen HD-Videos.

"Ist ein Buchungskriterium"
Durch die Zahlen sieht man sich in den Skigebieten bestätigt. "Die Gäste erwarten sich ein derartiges Service, es ist ein Buchungskriterium", erklärt Szlezak. Die Nachfrage nach solchen WLAN-Installationen in Skiregionen sei groß, so der WLAN-Anbieter. "Es wird bald normal sein. Der Tourismus ist ein großer Treiber, da gibt es echten Bedarf." Ähnliches berichtet auch der Betreiber des WLAN-Netzes in Sölden, Loop 21, der mit rund 14 WLAN-Access Points das Tiroler Skigebiet mit einer kostenlosen Internet-Verbindung versorgt. "Wir sind mit zirka zehn Skigebieten in Gesprächen, die alle Interesse an unserem System haben", sagt Melanie Tassev, Marketing-Managerin von Loop 21 zur futurezone.

"Die Kapazitäten des Mobilfunks sind beschränkt und für ausländische Gäste ist das Roaming nach wie vor sehr teuer", so Tassev. Dies bestätigt auch Mathias Schattleiner, Manager von der Skiregion amadé: "Die ausländischen Gäste müssten ohne WLAN-Netz hohe Roaming-Gebühren zahlen." Dass die Mobilfunkanbieter durch das Gratis-WLAN hohe finanzielle Einbußen verzeichnen, glaubt Schattleiner jedoch nicht: "Die meisten unserer Nutzer hatten zuvor die mobilen Daten-Roamingdienste aufgrund der Kosten deaktiviert."

Motivation für die Skigebiete
Die Kosten für das flächendeckende WLAN-Netz werden jeweils von den Skigebieten getragen. Für die Skiregion amadé ist die größte Motivation dahinter der "Mehrwert für den Kunden", der direkt aus seinem Urlaub Berichte und Fotos nach Hause senden kann - und dadurch kostenlos die Tourismus-Region bewirbt.

Sölden geht es vorwiegend darum, über das Display in der Hosentasche ein Kommunikationsmöglichkeit in der Hand zu haben, die es zuvor nicht gegeben hat. "Früher war die Kommunikation mit den Kunden nach dem Kauf des Tickets vorbei, nun haben die Bergbahnen die Möglichkeit, per individualisierter Landing Page mit Kunden in Kontakt zu treten", erklärt Tassev. In Sölden werden je nachdem, wo sich die Nutzer gerade befinden (im Tal oder am Berg), unterschiedliche ortsbezogene Informationen ausgeliefert.

Dieser Service-Charakter wird künftig beim Ausbau von WLAN-Netzen in Skigebieten eine entscheidende Rolle spielen. "Raumbezogene Erklärungen und ortsbezogene Informationen werden immer wichtiger. Das ist mehr als ein reiner Internet-Zugang", gibt sich auch Szlezak überzeugt.

WLAN auf der Gondel in Planung
Neben den lokalisierten Online-Services wird aber auch die Verfügbarkeit des Netzes eine wichtige Rolle spielen. Beide WLAN-Anbieter arbeiten gerade daran, WLAN während einer gesamten Gondel-Fahrt zu ermöglichen. Derzeit reißt die Verbindung kurz nachdem man die Station verlassen hat ab. "Die Planai-Bahnen sind sehr motiviert, dieses Szenario demnächst auszuprobieren", erklärt Szlezak.

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Vorreiter-Rolle:
Die Region Schladming-Dachstein war beim freien WLAN-Zugang in Österreichs Skigebieten Vorreiter. Das Projekt wird dieses Jahr weitergeführt und umfasst rund 80 Access Points.

(futurezone) Erstellt am 19.01.2012, 06:00

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