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Deutschland Drogenbeauftragte: Games-Branche muss Sucht ernstnehmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel stattete der Gamescom erstmals einen Besuch ab
Bundeskanzlerin Angela Merkel stattete der Gamescom erstmals einen Besuch ab - Foto: REUTERS/WOLFGANG RATTAY
Marlene Mortler (CSU) kritisiert die Games-Branche, die Spiele "suchtfördernd" entwickle. Ihr zufolge haben die Entwickler kein Interesse daran, Spieler vor Sucht zu schützen.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), hat der Computerspielebranche vorgeworfen, zu wenig für den Schutz Jugendlicher vor Spielsucht zu tun. Mit Blick auf die Computer- und Videospielmesse Gamescom in Köln, die an diesem Samstag zu Ende geht, sagte Mortler der Deutschen Presse-Agentur, sie habe die Spielewirtschaft schon vor einem Jahr auf „die suchtfördernden Elemente von Spielen“ aufmerksam gemacht.

Doch „die Resonanz in der Branche ist leider ziemlich enttäuschend und Gegenvorschläge gab es auch nicht. Ich kann daraus nur schließen, dass die Branche kein sonderliches Interesse hat, besser vor Suchtgefahren zu schützen“, sagte Mortler.

Internetabhängigkeit bereits ein Problem

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Dienstag die Gamescom eröffnet und dabei die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung digitaler Spiele hervorgehoben. Sie seien „Kulturgut, Innovationsmotor und Wirtschaftsfaktor von allergrößter Bedeutung“, sagte die Kanzlerin. Die Branche bezeichnete sie als „starken Pfeiler der deutschen Wirtschaft“.

Mortler erklärte nun: „Die Digitalisierung ist eine Riesenchance für unsere Gesellschaft. Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass die Digitalisierung auch Folgen hat, auf die wir reagieren müssen.“ Internetabhängigkeit in ihren verschiedenen Ausprägungen sei mittlerweile unter jungen Menschen zu einer echten Herausforderung geworden.

Die Drogenbeauftragte verwies auf eine Studie der gesetzlichen Krankenkasse DAK-Gesundheit vom vergangenen Jahr, wonach aktuell jeder zwölfte männliche Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 25 Jahren von Computerspielen abhängig sei. „Das ist nach gängigen medizinischen Kriterien dann der Fall, wenn man von Computerspielen nicht mehr loskommt und im Leben sonst nichts mehr eine Rolle spielt, nicht die Ausbildung, nicht der Kontakt zu Freunden. Auch bei jungen Frauen wird das Thema zunehmend relevant.“

Zur Sucht konzipiert

Einige Computerspiele hätten ein erhebliches Suchtpotenzial. „Sie sind so konzipiert, dass nur derjenige richtig erfolgreich ist, der immer weiter spielt, bei manchen Spielen sogar Tag und Nacht. Die Wissenschaft spricht von Belohnungs- und Bestrafungsmechanismen.“

Das Suchtpotenzial von Spielen müsse für alle erkennbar sein, für die Spieler, aber auch für die Eltern. „Um das zu erreichen, müssen die suchtfördernden Merkmale von Computerspielen in Zukunft im Rahmen der Altersbewertung der Spiele Berücksichtigung finden. Bisher ist das leider nicht der Fall, da geht es vor allem um Gewalt und Pornografie.“

Mortler weiter: „Ich wünsche der deutschen Spielewirtschaft wirklich größtmöglichen Erfolg, aber ich wünsche mir auch, dass sie der Verantwortung gerecht wird, die sie für ihre jungen Kunden hat.“

(dpa) Erstellt am 26.08.2017, 09:39

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