© Blue Byte, Ubisoft

Interview
03/16/2015

Free2Play: "Es gibt Spiele, die zu weit gehen"

Odile Limpach war für die Online-Spiele "Die Siedler" und "Anno" verantwortlich. Die futurezone hat mit ihr über Free2Play und die Vorreiterrolle der Gamesbranche gesprochen.

von Patrick Dax

"Von Spielen lernen, heißt siegen lernen", unter diesem Titel referierte Odile Limpach Anfang März beim E-Day der Wirtschaftskammer Österreich. Die Spieleexpertin war sieben Jahre lang Managing Director bei der Ubisoft-Tochter Blue Byte, die unter anderem "Die Siedler Online" und "Anno Online" vertreibt. Als strategische Beraterin ist sie auch heute noch für den Spielekonzern tätig. Die futurezone hat Limpach am Rande der E-Business-Veranstaltung zu Online-Spielen, Virtual-Reality-Brillen und spielerischen Zugängen zu ernsten Themen befragt.

futurezone: Online-Spiele sind, neben Blockbustern, der treibende Faktor in der Games-Branche. Was macht sie erfolgreich?
Odile Limpach: Erfolg hängt nicht nur an einem Faktor, sondern an mehreren. Ein Grund sind sicherlich die Geschäftsmodelle, die zum Einsatz kommen, der Free2Play-Ansatz. Man kann die Spiele umsonst probieren, sie antesten und anspielen und wenn sie gefallen, kann man darin investieren. Das ist sicherlich einer der maßgeblichen Erfolgsfaktoren.

Sie waren früher bei Blue Byte für "Die Siedler" und "Anno" verantwortlich. Ubisoft/ Blue Byte gilt als Vorreiter für Free2Play-Spiele. An dem Modell gibt es auch viel Kritik. Manche sagen, es grenzt an Erpressung. Worauf muss man achten, damit man Spieler nicht verärgert?
Kritik gibt es überall und für alles. Es gibt sicherlich Spiele, die bei Free2Play zu weit gehen. Wenn man als Spieler merkt, wenn ich jetzt kein Geld investiere, wird es nichts mehr mit dem Spiel. Das halte ich nicht für richtig. Aber die Entscheidung bleibt dem Spieler überlassen. Als wir "Die Siedler" und "Anno" gemacht haben, haben wir versucht fair zu sein. Man kann das Spiel jahrelang spielen ohne einen Cent ausgegeben zu haben. Man muss Zeit investieren, geschickt sein und online Freunde haben, dann geht es auch.

Wie viele Leute bezahlen eigentlich?
Bei Free2Play ist die Verteilung meistens so, dass 90 Prozent der Spieler nichts bezahlen, zehn Prozent bezahlen. Früher haben die Leute im Handel ein Spiel gekauft. Sie haben Geld dafür bezahlt und das war ok. Wir können Spiele nicht verschenken. Eine ganze Industrie lebt davon. Insofern finde ich Free2Play berechtigt. Es ist aber schade, wenn man den Leuten beibringt, dass sie bezahlen müssen, um zu gewinnen.

Sie haben auch viel mit Monetarisierungskonzepten experimentiert. Welche Ansätze sind noch vielversprechend?
Ich wäre sehr reich, wenn ich das wirklich wüßte. Man muss experimentieren. Österreichers sind offener für Neuerungen als Deutsche. Es geht schneller voran, etwa beim mobilen Bezahlen. Einfache Bezahlmöglickeiten haben ein großes Potenzial, als wirklich Micro-Micro-Transaktionen. Man sammelt ganz kleine Beträge und rechnet dann irgendwann ab. Ich weiß aber nicht, was als nächstes kommt, man muss viel ausprobieren.

Werden sich Virtual-Reality-Brillen durchsetzen?
Das ist ein Bereich, den ich faszinierend finde. Sie werden sich durchsetzen. Die Frage ist, wie schnell. Spieler sind sehr offen für neue Technologien. Viele Technoloigen, die in Spielen zuerst benutzt werden, schwappen später auch in andere Industrien über. Mit Virtual Reality wird es acuh so sein. Wir werden sehr gute Spiele haben, die das nutzen und es wird nach und nach überall zu finden sein. Es gibt so viele Anwendungen dafür. Wir reden hier nicht nur von Spielen, auch vom Arbeiten. Man kann Virtual Reality in allen möglichen Bereichen nutzen.

Hat BlueByte auch Pläne in diese Richtung?
Das kann ich nicht kommentieren.

Welche Trends sehen Sie sonst am Spielemarkt?
Wir werden immer weiter weg von Plattformen gehen, weil die Leute mittlerweile über alle mögliche Hardware Zugang zu Spielen haben - mobile Geräte, Smart-TVs, PCs und Konsolen. Auf welcher Hardware gespielt wird, wird irrelevant. Wichtig sind die Inhalte, die Brands und die Erlebnisse. Die Leute wollen sich nicht in irgendeiner Hardware gefangen fühlen.

Verfolgen Sie die österreichische Szene?
Ein bisschen. Wir haben immer wieder Kooperationen mit österreichischen Entwicklern gehabt. Einige Studios haben durchaus Erfolge und schaffen es, sich nach außen gut zu verkaufen.

In Wien haben Sie über die Vorreiterrolle der Gamesbranche gesprochen Was kann die traditionelle Wirtschaft von der Spieleindustrie lernen?
Sie kann zum Beispiel davon lernen, wie wir arbeiten. Die Spieleindustrie hat ein sehr gutes Innovationsmanagement, sie arbeitet mit multikulturellen Teams und ist auch sehr kundenorientiert. Sie spielt bei vielen Technologien auch eine Vorreiterrolle. Sprach- und Gestensteuerung wurden ganz früh in Spielen angewendet. Dasselbe gilt auch für Simulationen und Cloud-Computing.

Spielerische Elemente kommen zunehmend auch in anderen Bereichen zur Anwendung - Stichwort Gamification. Ist das ein Hype oder wird es bleiben?
Spielen fördert das Lernen auch für Erwachsene. Man kann viele trockene Themen angehen, indem man damit spielerisch umgeht. Die Leute bekommen dadurch einen besseren Zugang. Das haben Firmen bereits entdeckt. Nehmen wir zum Beispiel IT-Sicherheitsrichtlinien. Wie wahrscheinlich ist es, dass Mitarbeiter diese Richtlinien lesen? Wenn Unternehmen daraus ein Spiel machen und die Leute spielerisch entdecken, was sie dürfen oder nicht, dann erreicht man sie viel besser. Es heißt zwar, mit ernsten Themen soll man nicht spielen. Das stimmt aber nicht. Es ist Zeit Ängste abzubauen. Mit Spielen können Leute für Themen sensibilisiert werden.