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Games
06/01/2014

Panzer Tactics HD im Test: OIdschool-Strategie aus Wien

Hexagon-Felder, simple Grafik, hoher Schwierigkeitsgrad: Das österreichische Studio Sproing bringt ein rundenbasiertes Strategiespiel für Genre-erfahrene Generäle.

2007 gelang dem Wiener Entwicklerstudio Sproing mit Panzer Tactics DS zwar kein Hit, aber ein durchaus solides Game. 2008 gewann es sogar den Deutschen Entwicklerpreis für das beste Konsolenspiel.

Jetzt ist mit Panzer Tactics HD ein Remake für PC (30 Euro) und iOS (8 Euro Basispaket, 14 Euro mit allen Kampagnen) erhältlich. Die futurezone hat beide Versionen getestet.

Ab in die Vergangenheit

Das Genre der rundenbasierten Strategiespiele mit Hexagon-Feldern war schon zu Nintendo-DS-Zeiten ein wenig angestaubt. In Europa wurde es mit Battle Isle Anfang der 90er populär, nur um bereits 1995 Oldschool zu werden. In diesem Jahr sind die Echtzeitstrategiespiele Warcraft 2 und Command & Conquer erschienen.

Deshalb ist es fast schon erstaunlich, dass sich Sproing nach sieben Jahren an ein Remake eines solchen Games wagt. Das Wiener Studio begründet dies so: „Wir sehen aktuell kaum ernstzunehmende Strategie-Spiele auf dem Markt und wollten diese Lücke füllen. Das lässt sich mit der Situation vor sieben Jahren vergleichen, wo es außer Advance Wars eigentlich keine Strategie-Spiele auf der Plattform gab.“

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Schlichte Gegenwart

So klassisch wie das Genre ist auch das Szenario: der Zweite Weltkrieg. Es stehen drei Kampagnen zur Auswahl, eine deutsche, britische und amerikanische. Die insgesamt über 30 Missionen orientieren sich an echten Kämpfen und Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs.

Wer aufgrund des Spieletitels auf eine liebevoll gestaltete Umgebung und Einheiten hofft, wird enttäuscht. Statt „HD“ hätte es auch „jo eh“ heißen können. Die Grafik sieht natürlich deutlich besser aus als beim Originalspiel auf dem Nintendo DS, ist aber für ein 2014 erscheinendes, 30 Euro teures PC-Spiel nicht zeitgemäß. Auf dem iPad ist die (unfreiwillige) Retro-Optik weniger störend.

Die Umgebung und Effekte gehen noch in Ordnung, aber die 150 Einheiten, die allesamt ihren historischen Originalen nachempfunden sind, wirken wie in MS Paint gezeichnete Sticker, die in die Landschaft geklebt wurden. Zoomt man hinein, wird es eher schlimmer als besser. Zoomt man hinaus, kann man einige Einheiten nicht voneinander unterscheiden. Das kann in fatalen Fehlern enden, wenn man etwa eine Junkers (die nur Bodenziele angreifen kann) anstatt einer Messerschmitt Bf 109 zum Abfangen eines Bombers schickt.

Lesen bildet

Das passiert nicht, wenn man den Blick zur rechten Bildschirmseite wendet. Dort werden der Namen und die Details der Einheit angezeigt, wie etwa ihre Stärken und Schwächen gegen andere Einheiten-Typen, sowie die Eigenschaften des Terrains.

Allerdings sind die Informationen in teils kryptisch anmutende Symbole, Zahlen und Balkengrafiken verpackt. Eine Erklärung der Symbole per Mouse Over gibt es nicht. Zwar gibt es ein Tutorial, in dem ein Klischee-Nazi-General mit Bärtchen und Monokel stundenlang (gefühlt) dem Spieler Texte entgegenwirft, wirklich schlau wird man daraus aber nicht.

Learning by Doing

Das ist problematisch, da Panzer Tactics HD sehr komplex ist. Jede Einheit hat eigene Stärken und Schwächen und wird von Wetter und Terrain unterschiedlich beeinflusst. Bei Schlechtwetter können etwa Flugzeuge nicht angreifen. Artillerie schießt weiter als andere Einheiten, kann aber nicht Feinde angreifen, die in einem benachbarten Hexagon-Feld sind. Infanterie hat in Städten zusätzliche Deckung, Panzer nicht. Im Wald sind Einheiten getarnt, kommen aber nur langsamer voran.

Dazu kommen noch Feinheiten wie der Einsatz von Fallschirmspringern, Hinterhalten, automatische Feuerunterstützung, den Transport von Einheiten per Lkw, Flugzeug oder Schiff. Die Einheiten benötigen zudem Treibstoff und Munition, die innerhalb eroberter Städte und Flugfelder aufgefüllt werden können. Auch die Trefferpunkte der Einheiten können dort erneuert werden.

Frustgefahr

Da das Tutorial solche Feinheiten nicht vermittelt, findet man das Meiste erst im Spiel heraus. Erschwerend kommt hinzu, dass die KI kaum Fehler verzeiht und es mehr Arten gibt zu verlieren, als zu gewinnen.

Das Spiel ist verloren wenn:
die eigene Basis vom Feind erobert wird
das Primärziel nicht in der vorgegebenen Rundenanzahl erfüllt wird
eine vorgegebene Anzahl an Kern-Einheiten verloren wird

Aufrüsten

Kern-Einheiten sind solche, mit denen die Mission gestartet wird. Mit Ruhmpunkten, die durch das Halten von eroberten Städten und Flughäfen steigen, können neue Einheiten rekrutiert werden. Auch das Versorgen der Einheiten mit Treibstoff und Munition verbraucht Ruhmpunkte.

Frisch rekrutierte Einheiten können nicht überall positioniert werden, sondern nur in geeigneten Basen. Da diese mitunter weit von der Front entfernt sind, muss auch das in die Entscheidung einfließen. Macht es Sinn einen schweren Panzer zu kaufen, der mehrere Runden benötigt um an die Front zu kommen oder setzt man lieber auf Fallschirmjäger, die man gleich am Landefeld ins Flugzeug verladen und hinter der Front abspringen lassen kann.

Darfs noch ein bißchen komplexer sein? Einheiten gewinnen an Erfahrung und können aufgewertet werden. Die Einheiten haben auch eine Verfassung, die sich auf die Kampfkraft auswirken kann. Zusätzlich können Offiziere rekrutiert und Einheiten zugeteilt werden, um deren Kampfkraft zu stärken. Wird die Einheit besiegt, kehrt der Offizier zur Basis zurück – nur spezielle Kommando-Einheiten können Offiziere ausschalten. Das gilt sowohl für Führungskräfte des Spielers, als auch des Gegners.

F*ck you Interface!

Während die Komplexität für erfahrene Computerspiele-Generäle durchaus angenehm ist, ist das Interface eine Nervenprobe. Gerade in der PC-Version hat man das Gefühl, dass die Menüs von vornherein auf Touchscreens ausgelegt, aber nicht gänzlich optimiert wurden.

Das Ziehen der Einheit zum Ziel-Hexagon macht wenig Sinn. Verklickt man sich nach dem Zug, steht die Einheit wieder am Ausgangsort. Das Rekrutieren und Platzieren von Einheiten zum Start der Mission ist ein unübersichtliches Geduldsspiel. Das Wechseln der Ansicht, um das eigene Flugzeug zu sehen und befehligen, wenn darunter eine Bodeneinheit ist, ist bestenfalls als sperrig zu bezeichnen.

Auf dem iPad fühlt sich die Bedienung etwas natürlich an, ist aber immer noch holpriger und langsamer, als sie sein müsste.

Fazit

Panzer Tactics HD ist für erfahrene Strategen durchaus interessant und bietet durch die langen Missionen viel Spielzeit. Allerdings muss man sich Zähneknirschend durch zwei oder drei Missionen kämpfen, um sich an das Interface und die komplexe Spielmechanik zu gewöhnen.

Gelegenheits-Generäle, die bisher das Genre rundenbasierte Strategie gemieden haben, sollten lieber auch um Panzer Tactics HD einen Bogen machen. Speziell um die 30 Euro teure PC-Version. Hier gibt es Alternativen, die moderner aussehen und mehr Tiefe bieten. Zudem hat Panzer Tactics HD keinen Multiplayer-Modus.

Am iPad ist mit 14 Euro das Preis-Leistungs-Verhältnis besser, aber auch hier sollten Spieler bereits Genre-Erfahrung mitbringen, um nicht an der Komplexität des Games zu verzweifeln.