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04.05.2016

Sea Hero Quest: Game soll bei Demenzforschung helfen

Ein Spiel für Handy und Tablets ist laut Forschern die Grundlage für das größte Projekt in der Geschichte der Demenzforschung.

Wie im Rahmen der re:publica in Berlin bekannt gegeben wurde, hat die Deutsche Telekom und T-Mobile in Zusammenarbeit mit Partnern und Forschern aus der Wissenschaft ein Spiel entwickelt, mit dem Daten für die Demenzforschung gesammelt werden sollen.

Beim Spiel Sea Hero Quest werden demnach Normdaten für die räumliche Orientierung von gesunden Menschen gewonnen, die als Grundlage für die frühzeitige Diagnose von Demenz herangezogen werden können. Realisiert wurde das Projekt gemeinsam mit der gemeinnützigen Organisation Alzheimer’s Research, dem University College London, der Universität von East Anglia sowie dem Spieleentwickler Glitchers. Insgesamt hat die Deutsche Telekom laut eigenen Angaben einen einstelligen Millionenbetrag zur Verfügung gestellt.

Für Smartphones und Tablets

Sea Hero Quest ist für Smartphones und Tablets verfügbar. Der Spieler steuert dabei ein Boot durch verschiedene Landschaften. Interessant für die Forscher ist dabei, wie sich der Spieler mithilfe von Karten durch die virtuelle Welt navigiert. Das gibt den Wissenschaftlern Aufschluss über das menschliche Orientierungsverhalten. Die Daten werden aufgezeichnet und anonymisiert weitergeleitet, aufbereitet und anschließend auch für die die Allgemeinheit veröffentlicht. So können sie auch von Forschern weiter verwendet werden, die nicht direkt in das Projekt involviert sind.

Spieler können freiwillig Angaben zu Geschlecht, Alter und Herkunftsland machen, um die Daten noch zusätzlich wertvoller zu machen. Die Deutsche Telekom betont, dass die Daten gemäß dem deutschen Bundesdatenschutzgesetzes von T-Systems in einem Hochsicherheitsdatenzentrum in Deutschland gespeichert werden. “Wir rufen all unsere Kunden auf, Sea Hero Quest zu spielen und so einen großen Beitrag für die Wissenschaft zu leisten – und das auf unterhaltsame und spielerische Art“ sagt Andreas Bierwirth, CEO T-Mobile Austria.

Große Menge an Daten

Die Forscher erhoffen sich ebenfalls, dass möglichst viele Menschen das Spiel spielen, um so eine große Menge an Daten zu sammeln. 100.000 Spieler könnten in jeweils zwei Minuten Spielzeit mehr Daten generieren, als herkömmliche Forschung in rund 50 Jahren heißt es. „Dieses Projekt bietet erstmals die Chance zu untersuchen, wie sich tausende von Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen räumlich orientieren. Es hilft Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie wir unser Gehirn beim Navigieren nutzen. Zudem unterstützt es die Demenzforschung bei zukünftigen Arbeiten zu Diagnostik und Arzneimitteltherapie”, erklärt Hugo Spiers vom University College London. Spiers ist Experte für kognitive Neurowissenschaften und hat sich bereits ausgiebig mit den neurolagen Grundlagen räumlicher Wahrnehmung beschäftigt. Zu diesem Thema hat er bereits zahlreiche Untersuchungen unter Unterstützung verschiedener Methoden wie Eye-Tracking oder Virtual-Reality durchgeführt.

Laut Hilary Evans, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Organisation Alzheimer’s Research, ist es das bislang umfangreichste Projekt auf diesem Themengebiet: “In der Demenzforschung gibt es bisher kein Projekt dieser Größenordnung.” An der bislang größten Studie zur räumlichen Orientierung machten rund 600 Freiwillige mit. Projekte wie Sea Hero Quest seien laut Evans “genau die Art von Innovation, die wir benötigen, um den nächsten Durchbruch in der Demenzforschung zu erzielen.”

Weltweit verbringen Menschen weltweit jede Woche drei Milliarden Stunden mit Onlinespielen, einen beträchtlichen Teil davon auf Smartphones, wie Hans-Christian Schwingen, Markenchef der Deutschen Telekom, erklärt. Sea Hero Quest sei ein Spiel, “das nicht nur Spaß macht, sondern jedem Spieler auch nur wenig Zeit abverlangt, um die Demenzforschung einen großen Schritt voran zu bringen”.

Millionen betroffen

Weltweit leiden laut dem Global Alzheimer’s Report 2015 rund 50 Millionen Menschen an der Krankheit, 2050 sollen es bereits 135 Millionen Menschen sein, sofern bei der Behandlung bis dahin kein Durchbruch gelingt. In Österreich werden es dann Schätzungen zufolge rund 300.000 sein.

Die Krankheit schränkt das Erinnerungsvermögen ein und führt zu Desorientierung und sozialer Isolation der Betroffenen. Laut den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist Demenz keine reine Alterskrankheit und kann demnach jeden treffen, unabhängig von Alter, Veranlagung oder Lebensstil.

Sea Hero Quest ist ab sofort weltweit für Android und iOS verfügbar und kann über die jeweiligen App Stores kostenlos heruntergeladen werden. Weitere Informationen zum Forschungsprojekt und Spiel unter www.seaheroquest.com/.