Witcher 3 Screenshots des Herstellers

© CD Projekt RED

Games
05/31/2015

Witcher 3: Hexer, Detektiv, Jedi, einsamer Cowboy

The Witcher 3: Wild Hunt in drei Worten: Spiel des Jahres. Das Action-RPG ist nicht perfekt, macht aber so viel richtig, dass andere Open-World-Spiele dagegen abstinken.

Wer mittelalterliche Action-Rollenspiele mag, braucht gar nicht weiterlesen. Stattdessen sollte man The Witcher 3: Wild Hunt ( PS4, Xbox One, PC, ab 18 Jahren) möglichst rasch über den Vertriebskanal des Vertrauens erwerben und tief in die Fantasy-Welt eintauchen.

Was einen dort die nächsten 40 bis 100 Stunden erwartet: Red Dead Redemption, Monster Hunter, Dragon Age, Star Wars, Gangs of New York, Detective Stories, schwarzer Humor, eine Sexszene auf einem ausgestopften Einhorn und vieles mehr. Die futurezone hat die PS4-Version getestet.

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Holpriger Start

Die Chance ist groß, dass man Witcher 3 spielt, ohne die Vorgänger-Games zu kennen. Selbst wenn man das vier Jahre alte Witcher 2 gespielt hat, kann man von der schönen, neuen Welt anfangs überfordert sein. Die Handlung ist nicht das Problem: In der Story und den Gesprächen mit aus dem Vorgängerspiel bekannten Charakteren, werden die wichtigsten Ereignisse kurz zusammengefasst – ohne Neulinge im Witcher-Universum zu langweilen.

Die eigentliche Herausforderung ist die schiere Vielfalt an Möglichkeiten, Optionen und einer zu kleinen Schriftart im Menü, die das Lesen von Texten im Inventar und Charakterbildschirm selbst auf einem 50-Zöller zur Herausforderung macht. Das Tutorial liefert nur wenig Hilfe, die ersten zwei bis drei Stunden fühlt man sich mitunter verloren in Witcher 3.

Hat man aber mal die Mechaniken und unübersichtlichen Menüs für das Inventar, Crafting und Alchemie durchschaut, steht einem buchstäblich die Welt offen.

Schöne neue Welt

Witcher 3 ist ein Open-World-Game. Zwar ist die Welt, ähnlich wie bei Dragon Age Origins, in Gebiete unterteilt, diese sind aber größer, detaillierter, lebendiger, stimmungs- und liebevoller. Im direkten Vergleich wirken die Gebiete von Origins wie glorifizierte Korridor-Levels, anstatt einer offenen Welt.

Witcher 3 bietet einen dynamischen Tag-Nacht- und Wetter-Wechsel, Bauern und Bürger gehen ihren Alltag nach. Tagsüber kann man die Händler aufsuchen. Wenn es dunkel wird sind die zahlreichen kleinen Dörfer nahezu leergefegt. In der freien Stadt Novigrad tobt hingegen das Nachtleben mit Betrunkenen, Musikern und Huren. In den Ställen der Dörfer sind Zuchttiere, dazwischen streifen Katzen umher (die man mit dem Schwert erschlagen kann), im Wald findet man Rehe und Hasen.

Immer wieder entdeckt man neue Details in der Welt. Manchmal erwischt man sich selbst dabei, wie man dem Sonnenaufgang entgegensegelt und dabei die Landschaft betrachtet, anstatt aufzupassen nicht auf Grund aufzulaufen. Die Welt von Witcher 3 ist einfach nur schön, was zusätzlich zum Erkunden einlädt.

Wohin zuerst

Die Frage ist nur: Wohin zuerst? Die Aufgaben sind geteilt in Hauptquests, Nebenquests, Schatzsuchen und Hexeraufträge. Zusätzlich werden auf der Karte interessante Orte mit Fragezeichen markiert sowie zusätzliche Nebenquests mit Rufzeichen.

Hinter den Fragezeichen verbergen sich verschiedene Mini-Quests, wie ein Banditenlager, bewachte Schätze oder ein Monsternest. Zwar werfen diese Aufgaben kaum Erfahrung ab, allerdings findet man dort oft gute Gegenstände, seltene Materialen oder Pläne und Rezepte, die später hilfreich sein können.

Allerdings ist Vorsicht geboten: Hinter einem Fragezeichen kann sich auch schon mal ein Level-20-Gegner verbergen, der den Level-7-Spieler mit einem Schlag plättet. Das ist besonders dann schlimm, wenn man zwischendurch nicht gespeichert hat. Zwar gibt es eine Autosave-Funktion, allerdings wird die nur vor und nach richtigen Quests aktiv. Hat man eine halbe Stunde damit verbracht Fragezeichen abzuklappern und wird dann von seinem eigenen Pferd von der Klippe geschubst (danke dafür Plötze…), war die Arbeit umsonst, wenn dazwischen nicht manuell gespeichert wurde.

Geralt Superstar

Neben dem Ross Plötze, das man im Laufe des Spiels ins Herz schließt – wahrscheinlich weil es das einzig treue Lebewesen in Witcher 3 ist – ist Geralt von Riva der Star des Spiels. Im Gegensatz zu anderen RPGs wird bei Witcher 3 kein eigener Charakter erstellt. Das ist auch gut so, denn die charismatischen Spielfigur Geralt trägt viel zur dichten Atmosphäre von Witcher 3 bei.

Er ist kein echter Held, aber auch kein Antiheld. Wie ein einsamer Cowboy reitet er in die verschlafenen Dörfer. Die Bewohner erkennen ihn als Hexer, beschimpfen ihn als Mutant und spucken vor ihm auf den Boden. Einigermaßen gesittet sind sie erst, wenn sie seine Dienste brauchen, um Greif, Troll und Succubus loszuwerden. Hexer sind im Grunde Söldner, die gegen Bezahlung jagt auf Monster machen.

Diese Hexeraufträge gehören zu den interessantesten Tätigkeiten abseits der Hauptstory. Zuerst mimt Geralt den Detektiv, spricht mit Zeugen und untersucht Tatorte nach Spuren. Analysiert er Hinweise, spricht er mit sich selbst, als würde ihm das beim Kombinieren und dem Lösen des Falls helfen. Weiß man so um welches Monster es sich handelt, kann man vor dem Kampf im Bestiarium die Schwächen der Kreatur nachschlagen, um einen Vorteil in der Schlacht zu haben.

Jedi Geralt

Neben den großen Monstern hat es Geralt natürlich auch mit Menschen und kleineren Wesen zu tun. Das Kampfsystem ist relativ simpel: schwacher Schlag, starker Schlag, blocken/kontern und ausweichen. Dennoch sind die Kämpfe durchaus anspruchsvoll. Je nach Gegner kommt man nicht darum herum Hexenfähigkeiten einzusetzen.

Die fünf Fähigkeiten sind von Anfang an freigeschaltet. Dazu gehören ein Schutzschild, eine Feuerwelle, eine magische Falle und ein eine Druckwelle – die Hexer-Version des Force Push der Jedis. Die Gedankenmanipulation kennt man ebenfalls aus dem Arsenal der Jedis. Im Kampf werden Gegner damit betäubt, in einigen Dialogen können so Kämpfe vermieden werden, ganz nach dem Motto: „Das sind nicht die Druiden die ihr sucht.“ (Anm.: Ja, es steht absichtlich Druiden da. In Witcher 3 gibt es zwar allerhand, aber keine Droiden. Und ja, der Witz ist nicht mehr lustig, wenn man ihn erklären muss)

Leicht fordernd bis schwer

Die Hexenfähigkeiten und Kampffähigkeiten von Geralt können verbessert werden. Allerdings muss die verbesserte Fähigkeit auch aktiviert werden. Es steht nur eine beschränkte Anzahl an Slots dafür zur Verfügung, die mit höheren Levels mehr werden. So wird verhindert, dass Geralt zu schnell übermächtig wird.

Selbst wann das passieren sollte, kann man im Spiel jederzeit den Schwierigkeitsgrad ändern. Die vier Schwierigkeitsgrade sind gut dosiert. Der Einfachste ist nicht so leicht, dass man komplett unterfordert ist. Beim Drittschwersten hat man noch das Gefühl selbst schuld zu sein, wenn man einen Kampf verliert, anstatt frustriert den Controller in die Ecke zu werfen.

Gute Handlung

Es ist bemerkenswert, wie Witcher 3 es schafft einen Handlungsbogen über mehr als 40 Stunden hinweg aufrecht zu erhalten. Die Story ist schlüssig, manchmal verliert man nur etwas den Überblick, weil ein Hauptquest sich in einen Folgequest und Nebenquest aufteilt. Aber gerade das macht Spaß, sich in Nebenquests zu verlieren und von einer seltsamen Begegnung in die nächste zu stolpern. Zwar scheint man mit einigen Quests dem eigentlichen Ziel kein Stück näher zu kommen, aber man hat kaum das Gefühl seine Zeit verschwendet zu haben. Fast jeder noch so kleine Nebenquest ist eine Mini-Geschichte für sich.

Diese Nebenquests leben von den Dialogen und dem schwarzen Humor des Spiels. Leider sind nicht alle deutschen Synchronsprecher gut gewählt. Bei einigen hat man das Gefühl, dass sie nur lieblos ihren Text vorgelesen und keine Rücksicht auf die Emotionen genommen haben, die sie rüberbringen sollten. Andere sind wieder sehr gut, wie eben Geralt. In seiner deutschen Stimme hört man die leichte Überheblichkeit, die Skepsis gegenüber Amateur-Monsterjägern, die unterdrückte Sorge und den Sarkasmus sehr gut heraus – ohne, dass es übertrieben gespielt wirkt.

Obwohl nahezu die erste Hälfte des Spiels nur das Ziel hat Geralts Ziehtochter Ciri zu finden, sind die Haupt- und Nebenquests sehr abwechslungsreich. Mal spielt man Theater, wird in einen Unterwelt-Krieg in bester Mafia-Manier verwickelt (inklusive geheimen Treffen in der Badeanstalt und einer Bande die wie die Mittelalter-Version von Jokers Gang aus Batman aussieht) und verhindert die Entwicklung einer biologischen Waffe – oder eben nicht. Und schon im nächsten Quest muss man eine Käsekammer durchqueren, ohne im beißenden Geruch zu ersticken. Und ja, das ist wörtlich gemeint.

Nicht vorhersehbar

Wie bei ähnlichen Genre-Vertretern gibt es immer wieder Entscheidungen zu treffen. Im Gegensatz zu anderen Spielen ist der Ausgang aber nicht vorhersehbar. Oft gibt es keine klare gute und böse Entscheidung und selbst das vermeintlich richtige kann später ungewollte, oder zumindest überraschende, Konsequenzen haben. Einige Entscheidungen wiederum scheinen überhaupt keine Auswirkungen zu haben.

Da kaum etwas vorhersehbar ist, reizt es einen schon, nach dem ersten Durchspielen noch einmal von vorne zu beginnen, um die Frage des „was wäre wenn“ zu beantworten. Außerdem führen gewisse Entscheidungen zu einem von drei Hauptenden. Die restlichen Entscheidungen wirken sich auf die 36 Sub-Enden aus, ähnlich den Zusammenfassungen am Ende der Dragon-Age-Teile.

Etwas holprig

Perfekt ist Witcher 3 leider nicht. Angesichts dieses Monster-Projekts ist es aber auch kein Wunder, dass der polnische Entwickler CD Projekt RED das Finetuning per Patches nachreicht. In Kämpfen mit vielen Gegnern kommt es zu Slowdowns, selten aber doch gibt es Grafik-Glitches. Alle vier bis fünf Stunden stürzt das Spiel ab – im Test passierte das praktischerweise nur nach Autosave-Punkten.

Abgesehen von den Slowdowns löst die Grafikpracht auf der PS4 noch ein paar kleinere Performance-Probleme aus. Nach einer Schnellreise in eine große Stadt dauert es teilweise bis zu 20 Sekunden, bis das Game die Ressourcen soweit geladen hat, dass man Quest-relevante Personen ansprechen kann. Auch das Inventar und die Weltkarte laden oft mit ein paar Sekunden Verzögerung. Das ist besonders dann nervig, wenn man nur schnell auf die Karte schauen will, um interessante Orte in der Nähe anzusteuern.

Ebenfalls ärgerlich aber kein richtiger Spielspaßkiller, sind die Tastenprompts bei Objekten. Manchmal zündet man drei Mal versehentlich eine Kerze an, bis man es endlich schafft die Kamera so zu drehen, dass man die Truhe neben der Kerze öffnet. Die Tauchsteuerung ist grenzwertig. Bevor man sich in die Tiefen begibt, sollte man speichern – manchmal bleibt man so unglücklich an einem Fels oder in einem Schiffswrack hängen, dass man Geralt nur noch beim Ersaufen zuschauen kann.

Fazit

Selbst wenn man mit Witcher 2 nicht warmgeworden ist, kann man sich in Witcher 3 verlieben. Es passt so vieles, was bei anderen Rollenspielen fehlt. Fast möchte man sagen, dass Witcher 3 das GTA 5 der Fantasy-RPGs ist – allerdings fehlt dazu die Sandbox-Komponente.

In diesem Fall ist das positiv zu sehen. Trotz des riesigen Umfangs franst Witcher 3 nicht aus. Geralt bleibt ein Hexer und sich stets treu, egal ob er Vampire verfolgt, Karten spielt, an Pferderennen teilnimmt oder um Preisgeld boxt. Trotz der vielen Möglichkeiten und abwechslungsreichen Aufträge, die abseits der Hauptstory ablaufen, wird die Atmosphäre nicht zerstört und die Handlung bleibt schlüssig. Dazu kommt noch der derbe, dunkle Humor und die Mittelalter-Referenzen auf die Pop-Kultur.

Witcher 3 ist ein heißer Anwärter auf den Titel Spiel des Jahres und zur Zeit das beste Action-Rollenspiel 2015.