Meinung
01.04.2014

Die ethische Maschine: Eine Antwort an das Silicon Valley

Was ist eigentlich die ethische Maschine? Sie hat einiges mit der Zahl 42 zu tun.

In Douglas Adams Science Fiction „Per Anhalter durch die Galaxis“ kommen die Außerirdischen eines Tages zum Supercomputer Deep Thought. Deep Thought wurde gebaut, um die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach Allem zu beantworten. Nun, nach siebeneinhalb Millionen Jahren hat er endlich die Antwort gefunden. Diese lautet „42“.

Leider ist diese Antwort völlig unverständlich. Sie ist sinnlos, weil die Wesen, die Deep Thought ursprünglich aufgesetzt haben, eigentlich selbst nicht so genau wussten wie man denn genau die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach Allem zu stellen hat. So bitten die Außerirdischen Deep Thought, er möge Ihnen doch bitte die Frage ausrechnen; woraufhin Deep Thought ihnen sagt, dass könne er leider nicht. Er könne ihnen aber helfen eine andere Maschine zu bauen, die noch viel mächtiger sei als er selbst. Diese neue Maschine würde Menschen in den Rechenprozess einbinden und so könnte dann letztlich die Frage nach dem Leben und dem Universum ermittelt werden. Die neue Maschine würde den Namen „Erde“ tragen.

Biologischer Supercomputer

Die ethische Maschine ist also – so denke ich zumindest - die Erde selbst. Sie ist das biologische System, an dessen Schöpfungsspitze der Mensch steht. Sie ist der biologische Supercomputer, der als Einziger die Fragen nach dem Leben, dem Universum und einfach Allem beantworten kann. Sie ist als System so intelligent, dass sie den gegenwärtigen „Big Data“ - und „Singularity“ Hype müde belächelt und fragt, warum einige Leute im Silicon Valley an der Idee arbeiten, den Menschen ersetzen zu wollen, wo wir doch so ein wichtiger Bestandteil des Gesamtsystems sind.

Wie kommt der Direktor des Product Engineering bei Google, Ray Kurzweil, darauf, dass der Mensch kein Herz brauche; ja dass man um 2030 an dem Punkt wäre, wo man eigentlich auf alle menschlichen Organe verzichten könne; dass der Mensch eine Episode der Evolutionsgeschichte sei, der nun ausgedient habe? (Ich empfehle wirklich jedem, sich mit dem neuen Google Visionär einmal gründlich auseinanderzusetzen und das Buch "The Singularity Is Near" zu lesen; und zwar ganz genau; alle 600+ Seiten.)

Fehlender Prozessor

Ich vertrete in meinem Projekt „Die ethische Maschine“ die entgegengesetzte Überzeugung, dass das der biologische Supercomputer Erde, also die ethische Maschine, schlichtweg zerstört wäre, wenn der Mensch nicht mehr dabei wäre. Es würde dann schlichtweg der Prozessor fehlen. Es würde ein nicht wieder zu schließender „Gap“ entstehen. Eine Lücke zwischen dem, was die Wissenschaften jeweils erkannt haben und dem, was wirklich ist. Wir würden die tatsächliche Intelligenz, die bereits da ist, aus Ungeduld vernichten, um sie mit einem unterlegen 1/0 Denken zu ersetzen.

Schon Leonardo Da Vinci stellte übrigens 1490 die Hypothese auf, dass der Mensch die Antwort gebe auf den „Gap“. Die Wissenschaften stoßen einfach immer wieder auf neue Universen und so bleibt die Lücke zwischen dem, was wir über das Leben und das Universum wissen und dem was wirklich ist immer gleich groß. Leonardo malte als Antwort auf dieses Dilemma (oder Lebenssinn?) sein berühmtes Bild vom „Vitruvianischen Mensch“, der genau diese Lücke, diesen „Gap“, schließt. Der Vitruvianische Mensch ist die Antwort auf die Lücke unseres Nichtwissens, so meinte Leonardo, ebenso wie Deep Thought. Alle Antworten die wir suchen sind im Menschen selbst begründet. Die Aufgabe ist also nicht, den Menschen zu ersetzen liebes Silicon Valley, sondern ganz im Gegenteil, ihn zu fördern und zu entdecken ... durch die ethische Maschine(n), auf der wir leben und auf der wir gerade mit IT rumspielen.

Wer mehr von der ethischen Maschine hören will, komme doch zu meinem Talk auf der re:publica in Berlin Anfang Mai.