Meinung
04.08.2012

Die Superverschwörung

Nein, es gibt keine Ufos. Na gut, vielleicht doch. Vielleicht sogar Hunderte. Aber die Außerirdischen haben keinen Einfluß auf unsere Entwicklung genommen. Na gut, vielleicht doch. Sie haben uns das Internet unterschoben.

Alle Stories von außerirdischen Raumschiffen in den Händen der US-Regierung gehen zurück auf den Presseoffizier Leutnant Walter Haut von der Luftwaffenbasis Roswell, New Mexico. Am 6. Juli 1947 meldete er, die Army habe die Überreste einer abgestürzten fliegenden Untertasse in der Wüste geborgen.

Ufo wanted – 3000 Dollar Belohnung!
Wenige Stunden später wurde die Meldung widerrufen und erklärt, es handle sich um einen Wetterballon. Aber es war zu spät. Eine Legende war geboren. Was war geschehen? Der Landarbeiter Mac Brazel hatte den Sheriff von Roswell alarmierte, er habe auf einem Acker komische respektive kosmische Trümmer gefunden, die vermutlich von einem Ufo stammten. Amerika war zu der Zeit im Ufo-Fieber. Eine Zeitung hatte 3000 Dollar Belohnung auf den Nachweis einer fliegenden Untertasse ausgesetzt.

Am nächsten Tag begannen Soldaten der Roswell-Basis mit der Bergung der mutmaßlichen Ufo-Wrackteile. Ein Reporter sah nichts ungewöhnliches – „silberfarbenes Folienmaterial und einige sehr leichte Holzstöcke, die man genauso für einen Kinderdrachen verwenden könnte". Wie man heute weiß, handelte es sich um einen Spionageballon der US-Luftwaffe, der Teil eines „schwarzen Projekts" mit dem Decknamen „Mogul" war. An Bord befand sich unter anderem ein Reflektor für Radarstrahlen, der mit einer dünnen Aluminiumschicht überzogen war und wie eine silbrig glänzende Scheibe aussah.

Hitlers fliegenden Untertassen
Ok. Es gibt eine umfassende Superverschwörung auf der Welt. Seit 1947 sind angeblich mehrere hundert Ufos in die Hände der Großmächte gefallen. Die Regierungen haben mit den Außerirdischen einen Handel „Menschen gegen Technik" abgeschlossen. Sie liefern Menschen für Genmanipulationen und Bewußtseinsbedenklichkeiten und bekommen dafür im Gegenzug total geile Raumschiffe. Die US-Regierung habe den Außerirdischen darüber hinaus sieben unterirdische Bunkeranlagen für Experimente zur Verfügung gestellt. Das erste dieser Geschäfte hat angeblich Adolf Hitler abgeschlossen. Deshalb wollten die Alliierten im zweiten Weltkrieg so schnell nach Berlin vorstoßen: um sich Hitlers Ufos zu sichern. Die Amerikaner haben die Raumschiffe in die Antarktis gebracht.

Hinweise auf behördlich einbehaltene Ufos gab unter anderem ein 35-mm-Film, der dem amerikanischen Regisseur Jamie Shandera anonym zugespielt worden sein soll. Auf dem Film fand sich ein Dokument abgelichtet, das Präsident Truman vorbereitet hatte. Das Papier mit Datum vom 18. November 1952, unter Ufo-Forschern als „M-12" bekannt, beschreibt die Bergung eines verunglückten Ufos und der Körper von Außerirdischen in New Mexico. Es ist die Rede von einer "heimlichen Untersuchung", die von General Nathan Twining und einem gewissen Dr. Vannevar Bush veranlaßt worden sei.

Der geheimnisvolle Mr. Bush
Moment. Da war doch noch etwas. Dr. Vannevar Bush, vormalige Vizepräsident des Massachusetts Institute of Technology (MIT) schrieb 1945 einen Aufsatz mit dem Titel „As We May Think". Bush sah es als Hauptherausforderung für Wissenschaftler und Ingenieure des Nachkriegs-Amerika, den Umgang der Menschen mit Information zu verändern. Er beschrieb eine elektronische Traummaschine namens „Memex" - einen elektronischen Schreibtisch, in dem Massen von Information gespeichert und einfach zu finden sind. 30 Jahre verwandelte sich diese Idee in den Personal Computer.

Ein junger Techniker namens Douglas C. Engelbart las Bushs Aufsatz damals. In den fünfziger Jahren arbeitete er an Windkanalexperimenten für jene Organisation, aus der später die NASA wurde und heuerte danach in einer Ideenfabrik namens „Stanford Research Institute" an. Dort erfand er - 20 Jahre zu früh - die Computermaus, Bildschirme mit Fenstertechnik und einige andere Dinge, die die Welt verändert haben.

Das Internetworking Project
1957 schickten die Sowjets mit ihrem Sputnik den ersten künstlichen Erdtrabanten in den Orbit. Vor Schreck gründeten die Amerikaner eine neue, mit immens viel Geld ausgestattete Abteilung des Verteidigungsministeriums, die Advanced Research Projects Agency (ARPA). Sie sollte die technologische Führung der USA wiederherstellen. 1962 wurde Dr. J. C. R. Licklider Chef der ARPA und rief das „Internetworking Project" ins Leben. Licklider gab seiner Gruppe von Computerspezialisten den Spitznamen „Intergalactic Network".

Ihr Ziel war die Entwicklung eines Computernetzwerks, das im Fall eines Nuklearkriegs auch nach teilweisen Zerstörungen weiter funktionierte. Das war der Anfang des Internets.

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