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Meinung
01/08/2012

Kritische Journalisten bei Nokia unerwünscht

Beim ehemaligen Handy-Weltmarktführer, der in den vergangenen Jahren gehörig ins Trudeln geraten ist und von Konkurrenten wie Samsung und Apple teilweise überholt wurde, pflegt man „Journos“ gegenüber eine sehr eigenwillige Einstellung: Interview-Möglichkeiten mit Nokia-Chef Stephen Elop werden offenbar bevorzugt Journalisten gewährt, die „Fans“ des Unternehmens sind bzw. nicht kritisch oder negativ über das Unternehmen berichten.

Als Technologie-Portal versucht man, die Leser mit interessanten, exklusiven Artikeln zu versorgen und auch ein Interview mit dem einen oder anderen CEO zu bekommen. Im Vergleich zu „New York Times“, „Wallstreet-Journal“ oder etwa „Financial Times“ haben es Medien aus kleinen Ländern schwerer, an solche Technologie-Granden zu gelangen. Aber dieser Wettbewerbsvorteil hält uns nicht davon ab, auch bei den Weltkonzernen um Interviews mit den CEOs anzusuchen. So wie diese Woche bei Nokias CEO Stephen Elop, der anlässlich der Elektronikmesse CES in Las Vegas Interviews geben wird.

Die von Nokia angebotene Interview-Möglichkeit im Rahmen eines Roundtables mit CEO Stephen Elop hat die futurezone freilich gerne angenommen. Doch die Absage kam diese Woche. Die lapidare Begründung: Die Plätze für den Roundtable seien schon vergeben worden. In Wahrheit hat Nokia allerdings sehr spezielle interne Kriterien, welche die Teilnahme kritischer Journalisten an Gesprächsrunden in kleinem Kreis verhindern soll.

Nur Nokia-Fans erwünscht
Diesen Schluss lässt zumindest ein der futurezone zugespieltes Mail eines der höchsten Nokia-Manager in Helsinki, Niklas Savander, zu. Savander ist „Executive Vice President“ von Nokia, zählt zu den Top-3-Managern des Konzerns. Die Absage der zuvor angebotenen Interview-Möglichkeit wird intern unter anderem damit begründet, dass der betroffene Journalist laut der österreichischen Pressesprecherin „*kein* Fan und sehr negativ uns gegenüber eingestellt“ sei. Im Original-Mail liest sich das wie folgt: „Our Austria Comms head also stressed that (t)his journo (journalist, Anm.) is *not* a fan. Has been very negative towards us.“

Sie haben unsere Liebe kürzlich erfahren
Dass es mit dem Roundtable auf der CES nicht klappt, ist dem Nokia-Manager zufolge ohnehin nicht weiter schlimm. Die Publikation habe kürzlich ohnehin „Liebe von uns erfahren“, da sie zur Nokia World Konferenz in London eingeladen wurde: „The pub(lication) below was brought to Nokia World and have seen love from us recently“. Zur Info: Zur Nokia World wurden Ende Oktober 2011 etwa 1000 Journalisten weltweit nach London eingeladen, wo ihnen die neuesten Nokia-Entwicklungen präsentiert wurden.

Savander meint im Mail schließlich, man solle den Journalisten mit einer „Standführung“ ruhig stellen: "I will reach out to the journo, apologizing for the disconnect and inviting him to our booth. But I will not be offering a slot with Stephen."

Ob ein Anruf des deutschen Bundespräsidenten bei der „Bild“, eine Intervention der SPÖ-Bundesgeschäftsführerin beim ORF, die Inseratenskandal oder die Drohung von Unternehmen, Anzeigen in Zeitungen zu stornieren – die Einflussnahme ist derzeit allgegenwärtig. Es ist ein Machtspiel, bei dem die Objektivität der Medien attackiert und in Gefahr gebracht wird. Es ist schade, dass es Nokia notwendig hat, mögliche Kritik schon im Vorfeld im Keim zu ersticken und kritische Fragen zu verhindern.