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Meinung
04/03/2020

Onlinemedien? Nicht der Rede wert

In der Coronakrise sind Onlinemedien mit die wichtigste Informationsquelle. Im "Medienhilfspaket" werden sie nicht einmal erwähnt.

von Claudia Zettel

Alle Welt spricht von Digitalisierung und von “online first” - das ist seit vielen Jahren so, jetzt in der Coronakrise noch einmal um ein Vielfaches verstärkt. Große Teile der Welt leben derzeit de facto im Internet, Onlinemedien haben in den vergangenen Wochen Reichweiten erzielt, die sämtliche Rekorde gebrochen haben. Die Menschen informieren sich zum überwiegenden Teil digital. Doch wenn es um staatliche Unterstützung in einer Zeit geht, in der  - besonders - auch die Onlinemedien mit dem Einbruch von Werbegeldern zu kämpfen haben, kommen diese gar nicht erst vor.

Am Donnerstag stellte die österreichische Regierung ein “Medienhilfspaket” in Aussicht, das sich im Wesentlichen aus einer Druck- und Vertriebsförderung für Tageszeitungen zusammensetzt - und den Boulevard gegenüber Qualitätsmedien stark bevorzugt. Magazine und Wochenzeitungen waren zunächst ebenfalls nicht berücksichtigt, dürften nach Kritik aber eventuell doch in das Paket mit aufgenommen werden. Zusätzliche Förderung gibt es auch für private Rundfunksender. Onlinemedien? Dazu hat sich bislang niemand geäußert.

Wenn man für ein Onlinemedium arbeitet, sind es Journalistinnen und Journalisten traditionell meist gewöhnt, als Journalismus zweiter Klasse betrachtet zu werden. Mit voranschreitender Digitalisierung und Verlagerung der Mediennutzung ins Internet kam zwischendurch immerhin manchmal die sanfte Hoffnung auf, dies würde sich doch langsam bessern. Ein Signal, das die Regierung derzeit allerdings nicht aussendet, hier scheint das wundersame Wesen Online-Medium noch nicht bekannt zu sein. 

Anders ist es nicht zu erklären, dass ausgerechnet jene Medien, die jetzt rund um die Uhr aktuelle Nachrichten liefern und in der Krise eine größere Rolle spielen denn je, nicht einmal in einem Halbsatz mitbedacht wurden. Man gewinnt den Eindruck, als würden die Kolleginnen und Kollegen mit Feenstaub und Zuckerwatte finanziert - mystisch. 

"Online last"

“Da kommt bestimmt noch was, da muss noch etwas kommen”, war ein Satz, den man vereinzelt aus der Kollegenschaft vernehmen konnte - auch ich möchte gerne daran glauben. In Aussicht gestellt wurde bislang offiziell jedoch nichts. Sollten Onlinemedien letztlich doch berücksichtigt werden, wäre das ein begrüßenswerter Schritt, man kann noch hoffen. Dass digitale Medien jedenfalls in der Aufmerksamkeitskette an letzter Stelle stehen, ist mit dem bisherigen Vorgehen jedoch bereits bewiesen. 

Nunja, wir schreiben erst das Jahr 2020, bestimmt werden Onlinemedien bei der nächsten Pandemie einen anderen Stellenwert haben.