Claudia Zettel, Chefredakteurin futurezone

© Kurier / Jeff Mangione

Kommentar
03/18/2020

Danke, Internet!

Wie würde diese Coronakrise ohne Internet aussehen? Die Auswirkungen wären privat wie beruflich um einiges schlimmer.

von Claudia Zettel

Ja, im Internet gibt es Fake News und ja, auf Social Media wird auch viel Blödsinn geredet. So weit, so bekannt. Aber stellen wir uns einmal diese Coronakrise ohne digitale Vernetzung vor. Ohne Internet wäre ein großer Teil der Arbeit, die jetzt zumindest notdürftig von zuhause aus erledigt werden kann, nicht möglich. Uns stehen heute viele digitale Tools zur Verfügung, mit denen wir viele Arbeiten unabhängig von unserem Aufenthaltsort erledigen können.

Aber ohne Internet wäre vor allem auch die persönliche Isolation um ein Vielfaches schlimmer. Schon in der jetzigen Situation stellt uns die soziale Distanz vor eine riesige psychische Herausforderung - aber stellen wir uns vor, wir wären plötzlich auch digital isoliert. Wir haben Chats, wir haben virtuelle Gruppen, wir haben Videotelefonie, E-Mail und Social Media. All das hilft uns, in Kontakt zu bleiben und die persönlichen Beziehungen untereinander aufrecht zu erhalten. 

Natürlich kann keine Twitter-Hashtag-Aktion das “normale Leben” ersetzen, aber in Zeiten wie diesen können uns soziale Medien zumindest ein wenig Nähe verschaffen, können uns ablenken und sogar in richtig guten Hilfsaktionen enden - wie etwa bei Initiativen wie der gegenseitigen Nachbarschaftshilfe. Die Leute zeigen ihr Homeoffice her oder teilen Videos von Menschen, die auf ihren Balkonen singen. Auch wenn solche Dinge angesichts einer derartigen Gesundheitskrise banal erscheinen, sie helfen und sie geben ein bisschen Motivation und Freude in einem Alltag, der derzeit sehr eingeschränkt und eintönig ist.

Manche Menschen feiern gerade ihre Geburtstage per Videokonferenz in virtuellen Runden, andere halten online Kontakt zu Eltern oder Großeltern, die sie aus Vorsicht nicht besuchen können. Klar, man kann auch Telefonieren, aber jemanden zu sehen, Fotos zu teilen, am spärlichen Alltag der anderen auch visuell teilzunehmen, dabei hilft uns die digitale Welt gerade sehr.

Unterhaltung und Unterstützung

Jede noch so banale Instagramstory, jedes Katzenfoto, das auf Facebook gepostet wird, bringt derzeit ein bisschen Ablenkung. Streamingdienste wie Netflix und Co bieten uns Unterhaltung, Games und Apps ebenso. Und nicht zuletzt haben die vielen Kinder und Jugendlichen, die jetzt zuhause ausharren müssen, die Möglichkeit ihren Lernalltag mithilfe digitaler Plattformen zumindest ein Stück weit fortzusetzen. 

Online-Bestellungen helfen die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten auch in einer Quarantäne-Situation aufrecht zu erhalten: Das ist besonders wichtig für jene, die alleine leben und niemanden haben, der sich regelmäßig um sie kümmert. Und sogar der Austausch mit Ärzten kann inzwischen ein Stück weit via Internet erledigt werden.

Natürlich könnte man jetzt auch auf negative Effekte der Vernetzung eingehen - Falschinfos, die sich verbreiten wie anfangs erwähnt, Panik die sich hochschaukelt oder ein Überfluss an medialer Information. Aber diese Zeilen hier sind gerade nicht der Platz dafür. Hier bleibt jetzt einmal das Positive stehen und deswegen sage ich: Danke, Internet, dass es dich gibt. Und liebe Grüße an euch alle da draußen. Stay home and stay safe.