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Kommentar Twitters neue Kleider gefallen mir nicht.

#RIPTwitter: Die Umstellung auf einen Newsfeed, der nach Relevanz sortiert, gefällt nicht allen.
#RIPTwitter: Die Umstellung auf einen Newsfeed, der nach Relevanz sortiert, gefällt nicht allen. - Foto: REUTERS/DADO RUVIC
Twitter lebt von Echtzeit-Informationen. Diese nach Relevanz zu sortieren macht keinen Sinn – außer für Twitter selbst. Ein Kommentar zu #RIPTwitter.

Alles halb so schlimm. Man gewöhnt sich mit der Zeit dran. Man muss ja nicht, wenn man nicht will. Diese Argumente waren im Vorfeld der Umstellung von Twitter auf eine neue Timeline, bei der die Tweets nicht mehr wie gewohnt in chronologischer Reihenfolge, sondern nach Relevanz sortiert werden, von einigen Nutzern zu hören.

Doch eine Umstellung auf eine Timeline, bei der ein Algorithmus bestimmt, was für den einzelnen Nutzer wichtig ist und was nicht, ist wesentlich bedeutender, als die Umstellung eines Sterns auf ein Herzerl. Es ist auch nicht halb so schlimm. Beim Algorithmus weiß keiner so genau, wie er programmiert ist. Das ist ein Firmengeheimnis und Twitter wird dieses Geheimnis niemals offen legen.

Nachteile

Wie bei Facebook wird auch Twitter hier Experimente durchführen. Erinnert ihr euch noch daran, als ihr Tage nach dem Eurovisions Song Contest Facebook-Nachrichten in eurem News-Feed hattet, in denen Menschen mitgefiebert haben, wer gewinnt? Oder als euch Stunden nach den Wahlen noch Nachrichten angezeigt wurden von Menschen, die einer bestimmten Partei die Daumen drücken, oder die ihren Wahlzettel posten? Alles lame, wenn man schon weiß, wie es ausgeht.

Bei Twitter gilt das umso mehr, denn Twitter lebt von Echtzeit-Informationen. Ich habe zum Beispiel als Erstes auf Twitter gelesen, dass Richard Lugner als Bundespräsident von Österreich kandidiert. Der Facebook-Algorithmus verhinderte gekonnt, dass mir diese Nachricht in Echtzeit in meinem Newsfeed zeitnahe genug angezeigt wurde, um es dort „als Erstes“ zu erfahren. Twitter wird genau deswegen von vielen Menschen genutzt. Um Dinge als Erstes zu erfahren.

Kein Facebook

Twitter hat außerdem eine andere Zielgruppe als Facebook. Das Publikum ist älter und der Kurznachrichtendienst wird von vielen gerade deshalb genutzt, weil er eben nicht wie Facebook ist – daher war auch bereits der Widerstand gegen die Herz-Symbole äußerst groß.

Viele Nutzer empfinden es nun als Zensur und als Bevormundung, wenn sie künftig nicht mehr selbst entscheiden, ob etwas chronologisch angezeigt wird. Ihre Sorgen, die sie via Hashtag #RIPTwitter zum Ausdruck gebracht haben, sind berechtigt. Entscheidet etwa am Ende gar der Algorithmus darüber, ob ein Tweet des nächsten großen Whistleblowers als irrelevant eingestuft wird?

Bleibt es Option?

Zum Start implementiert Twitter die Funktion als zusätzliches Feature, sie bleibt also eine Option. Man kann sich auch dagegen entscheiden. Doch wer sagt, dass dies so bleibt? Oft genug haben Unternehmen neue Features schleichend eingeführt, um sie dann fix zu implementieren. Und am Ende profitiert vor allem der Kurzmitteilungsdienst selbst von einer Timeline, die der Algorithmus bestimmt.

Mike Jahr von Twitter schreibt selbst in seinem Blogeintrag, dass die Interaktion der User durch dieses Feature steigt - und das ist dringend notwendig, weil Twitter verliert derzeit aktive User. Da ist alles, was neuen Schwung rein bringt, ist gut für die Entwicklung des Unternehmens an der Börse. Das ist letztendlich, was für Twitter selbst zählt.

(futurezone) Erstellt am 11.02.2016, 16:57

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