Netzpolitik
16.02.2012

Abtreibungsklinik wirft Google Zensur vor

Google hat Werbeanzeigen des Wiener Ambulatoriums pro:woman gesperrt. Grund soll "brutale Sprache" auf der Webseite sein. Die Leiterin von pro:woman, Elke Graf, sieht darin eine Verschlechterung der Informationslage für Frauen im Web und hat bei der EU-Kommission Beschwerde gegen Google eingelegt.

"Auf Ihrer Webseite werden brutale Sprache oder verstörende Darstellungen im Bezug auf Dienste im Zusammenhang mit Abtreibungen gesetzt." Mit dieser Begründung hat der Suchmaschinenbetreiber Google offensichtlich Werbeanzeigen der Wiener Abtreibungsklinik pro:woman gesperrt. "Unfassbar” und "frauenfeindlich” sei das, wie Elke Graf, die Leiterin des pro:woman-Ambulatoriums, im Gespräch mit der futurezone sagt.

"Das bedeutet eine Verschlechterung der Information über Schwangerschaftsabbrüche im Internet”, so Graf. Denn neben der Sperre der Anzeigen sei die Webseite in den Google-Suchergebnissen bei Begriffen wie "Schwangerschaftsabbruch” nach hinten gerückt. Betroffen soll nicht nur die Webseite von pro:woman sein, auch jene von anderen Kliniken wie Venusmed.at und Gynmed.at seien jetzt weiter hinten gerankt. Die Anti-Abtreibungs-Seite Youthforlife.net sei dafür nach vorne gerückt.

Brutale Sprache?
Was Graf besonders stört: " Google hat kein Beispiel angegeben, woran sie die brutale Sprache festmachen.” Ein Blick auf die Webseite löst auch in der futurezone-Redaktion Stirnrunzeln aus: "Brutale Sprache” ist auf den ersten Blick nicht zu entdecken - sofern man sich nicht an Wörtern wie "Scheide”, "Sperma”, "Gebärmutterschleimhaut”, "Vaginalring”, "Skalpell”, "Prostataflüssigkeit” oder "Ejakulat” stößt.

Google Österreich war bis dato nicht für eine offizielle Stellungnahme bereit, will der Sache aber nachgehen.

Beschwerde bei EU-Kommission
Graf hat bereits eine Beschwerde bei der EU-Kommission u.a. wegen kartellrechtlicher Bedenken ("Google hat ein Quasi-Monopol”) eingereicht und verlangt außerdem eine genauere Stellungnahme seitens Google. "Google informiert nicht ausreichend, wie und warum geworben werden darf”, so Graf. Warum gerade jetzt die Anzeigen gesperrt worden sind, kann sie nicht nachvollziehen - immerhin werbe man auf Google bereits seit mehr als drei Jahren für die Dienstleistungen der Abtreibungsklinik.

pro:woman ist die älteste Abtreibungsklinik Österreichs. Pro Jahr werden in Österreich groben Expertenschätzungen zufolge etwa 25.000 Abtreibungen durchgeführt, die je Eingriff etwa 600 Euro kosten. Die größte Gruppe der Frauen, die den Eingriff vornehmen lassen, ist zwischen 25 und 35 Jahren alt.

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