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Netzpolitik
07/16/2019

Alexa, Siri und Google locken User mit Frauenstimme in die Falle

Weibliche Stimmen werden von digitalen Sprachassistenten bewusst zur Totalüberwachung missbraucht, kritisieren Konsumentenschützer.

Digitale Sprachassistenten, die in der Form von smarten Lautsprechern in großer Zahl auch die Wohn- und Schlafzimmer erobern, können unser Leben erleichtern. Sie teilen uns mit, wie das Wetter wird, schalten die Beleuchtung oder die Heizung ein und geben Empfehlungen hinsichtlich Produkte, Freizeitgestaltungen und Essensmöglichkeiten. Für Konsumentenschützer ist der Preis für diese Dienste zu hoch. Sie warnen vor der Totalüberwachung und ständiger Abhörmöglichkeit von Nutzern in ihren vier Wänden.

Verführerische Technologie

Vielen sei nicht bewusst, welch intime Gespräche - teils auch durch fehlerhafte Aktivierungen der Geräte - aufgezeichnet und zum Erstellen von genauen Persönlichkeitsprofilen kombiniert und an Dritte weitergegeben werden, warnte die Arbeiterkammer (AK) bei einer Pressekonferenz in Wien. Diese Kritik teilt auch das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA). "Die Technologie ist sehr verführerisch, führt aber dazu, dass wir die Privatsphäre zuhause aufgeben", erklärt Jaro Krieger-Lamina vom ITA.

Dass weibliche Stimmen für die Sprachassistenten verwendet werden, sei kein Zufall. "Sie sollen durch das suggerierte Rollenbild der helfenden Assistentin, die praktisch nie widerspricht, gewissermaßen vom Überwachungscharakter ablenken und den Umstand abmildern, dass hier ein Eingriff in die Privatsphäre stattfindet", sagt Krieger-Lamina. Künftig könnten solche Assistenzsysteme auch Emotionen in der Sprache erkennen. "Über zusätzliche Daten wie Standort, Uhrzeit, wie viele Personen im Raum sind, wissen die Anbieter dann ganz genau über unsere Lebensumstände Bescheid."

Datenschutz kommt zu kurz

Die AK-Konsumentenschützer kritisieren, dass der Datenschutz bei allen Anbietern von Amazons Alexa, Apples Siri, Microsofts Cortana bis hin zum Google Assistant zu kurz komme. Datenschutzerklärungen seien viel zu vage und intransparent formuliert. Kunden würden kaum herausfinden können, welche Daten wozu genau verwendet werden, aber auch welche Services nicht genutzt werden können, wenn man den Bestimmungen nicht zustimme.

"Diverse Medienberichte haben zudem aufgezeigt, dass die besagten Konzerne recht schludrig mit den gesammelten Daten umgehen", sagt Daniela Zimmer von der AK. Dazu komme, dass mittlerweile auch die Politik Zugriff auf diese Daten begehre. Der britische Gesundheitsminister wolle etwa mit Amazon kooperieren, um an Gesundheitsinformationen von Bürgern zu kommen. In Deutschland gebe es Bestrebungen aus dem Innenministerium, im Bedarfsfall Zugriff auf die in den eigenen vier Wänden gesammelten Daten zu erlangen.

Schlimmer als beim Smartphone

In einer Untersuchung der existierenden Systeme kommt das Institut für Technikfolgen-Abschätzung zudem zum Schluss, dass die massive Verbreitung solcher Geräte nicht nur die Privatsphäre, sondern durch die selektive Präsentation von Informationen auch die Eckpfeiler der Demokratie gefährde. "Die Assistenzsysteme werden durch ihre Verbreitung auf diversen Geräten zum Torwächter in die digitale Welt. Aber welche Antworten und Produktempfehlungen geben sie uns? Diejenigen, welche für die Anbieter am besten sind", sagt Krieger-Lamina.

Den Einwand, dass die digitalen Helfer ohnehin schon längst auf den Smartphones etabliert und genutzt werden, lässt er hingegen nicht gelten. "Beim Smartphone kann ich den Sprachassistenten, aber auch die Standorterkennung deaktivieren. Beim smarten Lautsprecher ist die Möglichkeit kaum gegeben. Außerdem ist es schon eine andere Qualität der Überwachung, wenn ich für mich entscheide, so etwas nutzen zu wollen, oder meine ganze Familie bzw. Menschen, die zu Besuch kommen, ohne deren Einverständnis dem auszusetzen", sagt Krieger-Lamina.

Politik gefordert

Die AK rät Konsumenten, sich genau zu überlegen, ob sie so einen Lautsprecher-Assistenten tatsächlich benötigen. Um in der Datenschutzfrage Druck auf die Anbieter auszuüben, könne man etwa ein Auskunftsbegehren stellen, welche Daten tatsächlich über einen gesammelt wurden. So lasse sich unter Umständen herausfinden, dass Gespräche mitgeschnitten wurden, für die man kein Einverständnis gegeben habe - etwa, wenn das Codewort zum Starten der Aufzeichnung gar nicht gefallen sei.

Von der Politik wünscht sich die Arbeiterkammer eine bessere - auch finanzielle - Ausstattung von zuständigen Behörden. "Es gibt ja viele gute Gesetze, meist scheitert es aber an der Rechtsdurchsetzung und an Fragen, welche Behörde wofür zuständig ist. Dazu kommt, dass die Datenschutzverordnung zwar einige gute Ansätze hat, im Endeffekt aber zu vage formuliert ist. Die Politik ist definitiv gefordert. Die ganze Verantwortung kann nicht dem Einzelnen überlassen werden", erklärt AK-Konsumtenschützerin Gabriele Zgubic auf Nachfrage der futurezone.