© APA - Austria Presse Agentur

Netzpolitik
04/03/2019

Brexit: Wie mit Facebook-Werbung Druck auf Abgeordnete ausgeübt wurde

Die Pro-Brexit-Stimmung auf Facebook wurde nicht vom Volk angeheizt, sondern von einer einzigen Lobbyfirma mit Nähe zu Boris Johnson initiiert.

In Großbritannien lief auf Facebook in den vergangenen Wochen eine groß angelegte Werbekampagne ab, die vom „Guardian“ als „sehr beeinflussend“ beschrieben wird. Dabei ging es darum, die Briten davon zu überzeugen, dass der baldige, harte Ausstieg ohne Deal mit der EU der beste Weg für das Land und für die Bevölkerung sei.

Hinter diesen Werbekampagnen auf Facebook steckte aber keine Graswurzelbewegung, wie ursprünglich gedacht, sondern eine einzige Lobbyfirma. Ein früherer Berater von Boris Johnson soll dahinterstecken, wie der "Guardian" exklusiv berichtet und sich auf geheime Dokumente beruft, die der Zeitung zugespielt worden waren. Die Gruppen, die Werbeanzeigen geschalten hatten, nennen sich Mainstream Network oder Britain’s Future und sehen von außen wie unabhängige Organisationen aus.

Eine Million Pfund für Pro-Stimmung

Es gab zudem alleine von den Namen keine Hinweise darauf, dass diese verknüpft sein könnten. Aber in Wirklichkeit steckte ein Administrator dahinter, der für Lynton Crosbys „CTF Partners“ arbeitet und insgesamt eine Million Pfund für gezielte Werbeschaltungen auf Facebook ausgegeben hat, um auf die Abgeordneten des britischen Parlaments Druck auszuüben. Crosby hatte bereits zuvor häufig mit Boris Johnson zusammengearbeitet.

Tausende von Pfund wurden für jeweils individuell aussehende Kampagnen ausgegeben, die dazu dienten, dass Menschen Abgeordneten schreiben, dass sie für einen harten Ausstieg aus der EU seien. Damit sollte der Eindruck vermittelt werden, dass der Deal von Theresa May von einer Vielzahl der Bevölkerung nicht gewünscht sei, berichtet der Guardian.

Crosbys geheime Lobbyagentur „CTF Partners“ war nur über zahlreiche Dokumente ausfindig gemacht worden, die dem Guardian zugespielt worden waren. Facebook selbst gibt sich bezüglich gezielter Werbeanzeigen zwar mittlerweile offener als früher, aber es ist lediglich eine britische Postadresse notwendig, um derartige Kampagnen zu schalten. Wer Kampagnen im Hintergrund unterstützt hat, wird dadurch nicht ersichtlich. „CTF Partners“ gab laut dem „Guardian“-Bericht keinen Kommentar dazu ab.