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Netzpolitik
03/17/2020

Corona-Krise: Schweiz überlegt Netflix abzudrehen

Angesichts überlasteter Netze droht der Schweizer Bundesrat Videostreaming-Plattformen abschalten zu lassen.

Die Schweiz steuert auf eine neue Eskalationsstufe hinsichtlich der Corona-Krise zu. Angesichts überlasteter Telefonnetze - am Montag kam es wiederholt zu Ausfällen beim größten Betreiber Swisscom - wurde die Bevölkerung aufgerufen, die Dienste der Telekombetreiber "zurückhaltend zu nutzen". Da offenbar auch die Datennetze an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, überlegt der Bundesrat gar, Videostreaming-Plattformen wie Netflix zu sperren.

Bund kann Dienste blockieren

In Gesprächen zwischen dem Bund und den Betreibern wurden entsprechende Szenarien bereits diskutiert. "Sollten gravierende Engpässe entstehen, hat der Bund die Möglichkeit, nicht versorgungsrelevante Dienste einzuschränken oder zu blockieren", teilten die Verantwortlichen mit. Bei der Swisscom will man die Überlegung, auch Netflix zu drosseln, auf Nachfrage von Golem.de zumindest nicht dementieren.

"In außerordentlichen Lagen bestimmt gemäß Artikel 47 Fernmeldegesetz der Bundesrat, welche Leistungen die Anbieterinnen von Fernmeldediensten zu erbringen haben", wird Swisscom-Sprecher Armin Schädeli dort zitiert. Die Swisscom hat zuletzt mehrfach versichert, dass die Kapazitäten aktuell aufgestockt werden. Vor einem Monat war der größte Schweizer Anbieter heftiger Kritik ausgesetzt, nachdem der Schweizer Notruf aufgrund von Wartungsarbeiten fast zwei Stunden lang ausgefallen war.

Auch in Spanien Beschränkungen

Als Vorbild und Orientierung könnte das vom Coronavirus ebenfalls stark betroffene Spanien dienen. Dort teilten die Telekomkonzerne ihren Kunden bereits am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass die Kapazitäten in Kernzeiten für Home-Office und E-Learning und nicht für Online-Videospiele oder Streaming-Dienste verwendet werden sollten.

Auch das Herunterladen und Verschicken großer Dateien solle man sich gut überlegen. Selbst die Videofunktion bei Telefonaten und Konferenzen solle nur spärlich verwendet werden. Wenn möglich, solle man sich auf die Audiofunktion beschränken und zum Telefonieren das Festnetz verwenden.