Netzpolitik
01/31/2012

Dick Costolo: "Twitter ignoriert keine Gesetze"

Der CEO des Microblogging-Dienstes hat im Rahmen eines Interviews Stellung zu den geplanten nationalen Filtern genommen. Die Pläne sind im Vorfeld auf starke Kritik von Bürgerrechtsaktivisten gestoßen.

Vor kurzem hat Twitter angekündigt, Tweets in Zukunft je nach Nation auszublenden, um nicht gegen nationale Gesetze zu verstoßen (die futurezone berichtete). Am Montag verteidigte Twitter-CEO Dick Costolo diese Pläne im Rahmen einer Konferenz in Kalifornien. „Es hat sich nichts daran geändert, dass wir die Inhalte auf Twitter respektieren“, erklärte der 48-Jährige.

„Anders ist jetzt nur, dass wir Tweets je nach Nation blockieren können, anstatt sie weltweit für alle User auszublenden. Wenn wir Anfragen von Behörden bekommen, wollen wir den Inhalt für so viele Menschen wie nur möglich sichtbar lassen, ohne gegen geltendes Recht zu verstoßen.“ Darauf angesprochen, dass Twitter die nationalen Gesetze auch einfach ignorieren könnte, entgegnete der CEO: „Wir können nicht einfach in allen Ländern operieren und uns aussuchen, an welche Gesetze wir uns halten“.

Keine konkreten Pläne für China
Die NGOReporter ohne Grenzen“ hat dem Microblogging-Dienst zuletzt vorgeworfen, der Schritt komme, um endlich auch in China die Freigabe durch die Behörden zu bekommen und so einen wichtigen neuen Markt zu erschließen (die futurezone berichtete). Costolo dementierte dies: „Ich glaube nicht, dass wir unter den aktuellen Umstände in China arbeiten könnten“.

Auf die Frage, warum sich der Dienst nicht an den Protesten gegen SOPA und PIPA beteiligt hat, erklärt Costolo, dass Twitter weiter als Sprachrohr dienen sollte: „Wenn man einen Verstärker wie Twitter hat, nimmt man nicht einfach die Batterien aus dem Mikrofon“.

„2012 ist das Jahr der Twitter-Wahlen“
Die kommenden US-Präsidentschaftswahlen sieht Costolo ganz im Zeichen seines Microblogging-Dienstes. So kaufen die republikanischen Präsidentschaftskandidaten bereits jetzt Werbung wie Promoted Tweets, Trends und Accounts. Der Präsidentschaftskandidat, der sich nicht an den Twitter-Diskussionen beteiligt, werde zurückgelassen werden. Die politische Werbung werde 2012 auch einen signifikanten Anteil von Twitters Werbeeinnahmen ausmachen, wie der CEO voraussagt.

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