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Mobilfunk

EU-Roaming-Wegfall: Spusu sieht sich stark benachteiligt

Der virtuelle Mobilfunk-Billiganbieter Spusu sieht sich durch den ab 17. Juni 2017 geplanten Wegfall von EU-Roaminggebühren für 90 Tage im Jahr stark benachteiligt. Die EU fördere mit den dabei vorgesehenen Netznutzungsgebühren Großkonzerne, während die kleinen Anbieter auf der Strecke bleiben würden, kritisiert Spusu-Geschäftsführer Franz Pichler. Er fordert deutlich geringere Gebühren.

Um den Auslandsdienst zu gewährleisten, müssten die heimischen Mobilfunkanbieter im betroffenen Land bis zu zehn Mal höhere Netznutzungsgebühren entrichten als im Inland, kritisiert Pichler am Donnerstag in einer Presseaussendung. Dies müsse deshalb zwangsläufig mit einer Erhöhung der Tarife im Inland einhergehen und führe zum Aussterben großer Datenpakete.

"Problematisches Szenario"

Pichler - er ist auch Mehrheitseigentümer des seit dem Vorjahr auf dem Markt befindlichen Mobilfunk-Billiganbieters - rechnet vor, dass bei den vorgesehenen maximalen Netznutzungsgebühren im Ausland von 4,0 Cent pro Minute, 1,0 Cent pro SMS und 0,85 Cent pro Megabyte es etwa beim Tarif "Spusu 12.000" (1.000 Minuten, 1.000 SMS, 10 GB) zu einer Kostenbelastung von 135 Euro monatlich kommen könnte, wenn der Kunde seine gesamten Freieinheiten im Ausland verbrauchen würde. Dem stünden Einnahmen von rund 20 Euro gegenüber.

Dieses Szenario sei problematisch und würde für Mobilfunkanbieter ohne eigenes internationales Netz zunehmend zur Kostenfalle. Die EU schütze damit nur große Mobilfunkanbieter, die in einem Großteil der EU-Länder auf eigene Netze zurückgreifen könnten, so Pichler, der sich mit Spusu ins Mobilfunknetz von "Drei" (Hutchison) eingemietet hat.

"Die Politik der EU zielt auf eine Marktkonsolidierung auf europäischer Ebene ab, bei der die kleineren, günstigeren Mobilfunkanbieter auf der Strecke bleiben und die Konsumenten für die Allmachtsfantasien der Großkonzerne letztlich die Zeche zahlen werden", so Pichler. Diese Dilemma könne nur durch eine Senkung der internationalen Netznutzungsgebühren auf ein Zehntel des vorgeschlagenen Preises gelöst werden, also auf ein Preisniveau, wie es in Österreich bereits üblich sei. Nur so könne die Existenz von günstigen Anbietern und ein langfristig niedriges Preisniveau garantiert werden.

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