Netzpolitik
17.12.2013

Ex-Kollege kontert Snowdens Bösewicht-Image

Eine TV-Doku rückt den früheren NSA-Mitarbeiter Edward Snowden in schlechtes Licht. Ein Ex-Kollege meint dagegen, der Geheimdienst vertraute einem Genie blind.

Eine am Sonntag in den USA ausgestrahlte TV-Dokumentation über Edward Snowden sorgt für gehörigen Wirbel. In der CBS-Sendung “60 Minutes” kamen einige NSA-Vertreter zu Wort. Der Grundtenor laut The Wire: Die NSA ist gut, Snowden ist böse. Unter anderem wurde behauptet, Snowden hätte bei seinem Aufnahmetest für den US-Geheimdienst geschummelt und Computer vor seinem plötzlichen Abgang mit Schadsoftware infiziert. Ein Ex-Kollege packt nun gegenüber Forbes aus und korrigiert dieses Bösewicht-Bild.

Genie unter Genies

Laut dem anonymen Informanten, dessen Identität über Snowdens Anwalt bestätigt wurde, war Snowden ein “Genie unter Genies”, dem die Führungskräfte seiner Arbeitsstellen bei der NSA schnell blind vertrauten. Snowden musste keine Codes entwickeln, um sich unautorisierten Zugriff auf viele Daten zu verschaffen. Die Schlüssel dafür wurden ihm einfach gegeben, weil er zuvor bewiesen hatte, dass er Aufgaben schnell und einzigartig lösen konnte.

“Die NSA ist voller gescheiter Leute”, wird die Insiderquelle zitiert. “Aber jeder, der in einem Meeting mit Ed saß, wird dir erzählen, dass er eine Klasse für sich war… Ich habe niemals etwas Ähnliches gesehen.”

Vertrauen

Snowdens Einstiegsticket in die NSA war laut dem Ex-Mitarbeiter ein Backup-System, das vom Geheimdienst bei Angriffsaktionen eingesetzt wurde. Einmal im exklusiven Verein, wies Snowden oftmals auf Verwundbarkeiten in seinen Computernetzwerken hin. Die Lücken wurden oftmals nie geschlossen. Snowdens Vorgesetzte waren jedenfalls vom Talent des Computerexperten begeistert. Ihm wurden schnell Aufgaben außerhalb seines eigentlichen Berechtigungsfeldes zugewiesen. Weil man Snowden vertraute, gab ihm ein Vorgesetzter sogar Zugangscodes für die Urlaubsvertretung.

Bei den Mitarbeitern war Snowden angeblich beliebt. Hie und da hinterließ er kleine anonyme Geschenke auf ihren Schreibtischen. In den Büros der NSA wurde Snowden oftmals mit einem Rubik-Würfel gesehen. Ein Rubik-Würfel diente Snowden auf seiner Flucht als Identifizierungssymbol beim Treffen mit Helfern.

Verfassung am Schreibtisch

Wie der Ex-Mitarbeiter Forbes weiter mitteilt, gab es allerdings ein paar Dinge, die einen bei Snowden stutzig machen konnten: Unter anderem bewahrte Snowden eine Kopie der US-Verfassung auf seinem Schreibtisch auf, um damit argumentieren zu können, falls die NSA seiner Ansicht nach bei Aktionen dagegen verstieß. Außerdem trug Snowden gerne einen Hoodie, auf dem das NSA-Logo satirisch zu einem abhorchenden Adler umgestaltet wurde.

Snowdens Schritt zur Veröffentlichung von Geheimdaten sei dem Ex-Mitarbeiter zufolge falsch, aber auch nachvollziehbar. “Ich war schockiert und fühlte mich verraten, als ich die Nachrichten erfuhr”, sagt er, “Aber je mehr Zeit vergeht, desto mehr glaube ich, er versucht, das richtige zu tun und das passt zu seinem Charakter. Ich bin mit seinen Methoden nicht einverstanden, aber ich verstehe, warum er es gemacht hat. Ich würde ihn keinen Helden nennen, aber er ist ganz sicher kein Verräter.”