Netzpolitik
03/06/2019

FFG: 61 Prozent der Fördergelder fließen in die Digitalisierung

Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft will verstärkt Zukunftsthemen und den regionalen Breitbandausbau fördern.

Die Hälfte aller Fördergelder der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) fließen in Digitalisierungsprojekte. Demnach erhielten 2018 vom 833 Millionen Euro starken Förderbudget Projekte mit „starken Digitalisierungsaspekten“ 508 Millionen Euro.

Das entspricht einem Anteil von 61 Prozent. Auch die Themen künstliche Intelligenz und Robotik spielen eine immer stärkere Rolle. 2017 und 2018 wurden 192 Millionen Euro an Projekte ausgeschüttet, die Bezug zu diesen Zukunftsfeldern hatten. „Wir haben diesen Trend als Trüffelschwein schon länger in unseren Projekten beobachtet“, sagt Henrietta Egerth, eine der Geschäftsführerinnen der FFG. Inhaltlich dominieren die Themen Produktion (159 Millionen Euro, 26 Prozent) und Informations- und Kommunikationstechnologien (123 Millionen Euro, 23 Prozent).

Geld für wirtschaftsnahe Forschung

Bei der Verteilung der Breitbandmilliarde, für die die dem BMVIT und Bundesministerium für Digitales unterstellte Organisation zuständig ist, zieht man eine positive Bilanz. 2018 seien 215 Millionen Euro in vier verschiedenen Programmlinien verteilt worden. Der Großteil (161 Millionen Euro) floss in die Errichtung neuer Anschlüsse, der Rest (54 Millionen Euro) ging an die Leerrohrförderung (Verlegung von Leerverrohrungen für den späteren Ausbau), Backhaul (Ausbau der Zubringernetze) und Connect (Anschluss von Unternehmen und Schulen an Breitbandnetze). Um den Ausbau im ländlichen Raum zu beschleunigen, wurde die Förderquote für unversorgte Gebiete auf 65 Prozent erhöht – das bedeutet, Antragssteller müssten nur mehr 35 Prozent der Projektkosten übernehmen.

Nachhilfe für Unternehmen bei Digitalisierung

Zudem wolle man mit neuen Formaten Unternehmen besser auf die Digitalisierung vorbereiten und diese bei der Anpassung ihres Geschäftsmodells unterstützen. So sollen etwa sogenannte „Digital Pro Bootcamps“ und „Digital Innovation Hubs“ aufgebaut werden, in denen Unternehmer Neues lernen und Erfahrungen austauschen können. Letzteres soll den Fokus auf Trendthemen wie KI, IT-Sicherheit, Blockchain und 3D-Druck legen und spezifisch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eine Anlaufstelle zu Innovationsthemen darstellen. „Diese sollen möglichst in der Nähe von jedem Mittelständler sein“, sagt Egerth und stellt zumindest einen Standort pro Bundesland in Aussicht.

Als Positivbeispiel im Start-up-Bereich hob man den Patent Scheck hervor, bei der Unternehmen beim Einreichen eines Patents unterstützt werden. „Aufgrund der hohen Nachfrage mussten wir schon zweimal Geld nachschießen“, sagt Klaus Pseiner, einer der vier FFG-Geschäftsführer. 951 Anträge wurden bislang bearbeitet, davon 720 gefördert und mehr als 100 führten bereits zu einem Patent. „Das sind vor allem KMUs und Start-ups, denn ein großes Unternehmen wie Infineon weiß bereits selbst, wie man ein Patent anmeldet.“ 182 Millionen Euro (29 Prozent) der Fördermittel gingen im Vorjahr an KMUs. Laut FFG konzentriere man sich besonders stark auf diese Unternehmen, weil diese „überdurchschnittlich innovativ sind und starke Arbeitsplatzeffekte haben“. An Forschungseinrichtungen und Kompetenzzentren gingen 136 Millionen Euro (22 Prozent), Hochschulen erhielten 88 Millionen Euro (14 Prozent).

Wunsch nach mehr Autonomie

„Strukturbereinigt sind wir Weltmeister im Bereich Forschung und Entwicklung“, so Pseiner, der auf einen OECD-Bericht verweist. Für ihn sei das auch der Beweis, dass das Modell der FFG funktioniere. Im Durchschnitt würden durch einen Fördereuro der FFG rund 1,63 Euro an Eigenmittel der Projektpartner aktiviert. In Summe haben die Förderprogramme der FFG zu Projekten mit einem Gesamtvolumen von 2,85 Milliarden Euro geführt, lediglich 833 Millionen Euro davon kamen von der FFG selbst. „Wir finanzieren Projekte nur aus und bieten Anreize. Das braucht motivierte Partner in der Industrie und Forschung und da können wir uns auf Österreichs Unternehmen verlassen.“

Die FFG-Geschäftsführer bekräftigten zudem ihren Wunsch nach dem im Vorjahr präsentierten Forschungsfinanzierungsgesetz, das durch mehrjährige statt Jahresbudgets bessere Planbarkeit erlauben würde. Zudem ortet man einen Bedarf an mehr Budget. 16 Prozent der eingereichten Projekte (187 Millionen Euro) mussten aus Budgetmangel abgelehnt werden, obwohl diese eigentlich förderwürdig und gut gewesen wären. „Wir haben derzeit noch eine Schwäche bei der Anwendung der Innovation“, sagt Egerth und fordert eine Innovationsoffensive der Bundesregierung mit „nachhaltig steigenden Budgets“ und einem „klaren Plus“. Zur Umsetzung der aktuellen Pläne würde man knapp 50 Millionen Euro mehr benötigen.

Auch der Wunsch nach mehr Autonomie wurde geäußert, sodass man bei Ausschreibungen flexibler agieren könnte. Als Vorbild nennt man das schwedische Pendant Vinnova. „Dort sieht man unter anderem, dass man mit mehr Autonomie viel schneller auf die Wünsche und Anforderungen reagieren kann“, so Egerth.