Zur mobilen Ansicht wechseln »

Wien Förderungen für Open-Data-Apps empfohlen.

Foto: kebox, fotolia
Weiterverwendung frei. Die Donau-Universität hat die Open-Data-Initiative der Stadt evaluiert und empfiehlt unter anderem neue Fördermodelle für App-Entwickler, Aus- und Weiterbildungsprogramme für den Umgang mit den offenen Daten sowie die Schaffung eines Informationsfreiheitsgesetzes.

Vor mittlerweile fast zwei Jahren gab Wien als erste deutschsprachige Stadt ausgewählte Verwaltungsdaten zur allgemeinen Nutzung frei. Damit sollten mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung sowie innovative Anwendungen gefördert werden. Mittlweile umfasst das Wiener Open-Data-Portal 160 Datensätze, 80 Apps und Visualisierungen sind daraus entstanden. Das Spektrum reicht von der Toiletten-Suche über Kurzparkzonen in Wien bis hin zu Budgetvisualisierungen.

Die App-Entwickler hatten dabei vor allem Interesse an den technischen Herausforderungen, sagte Johann Höchtl von der Donau-Universität Krems, der gemeinsam mit Peter Parycek untersuchte, wie die Open Government Data Initiative der Stadt Wien von Verwaltung, Bürgern, Wirtschaft und App-Entwicklern angenommen wird. Die Evaluation der Open Data Umsetzung der Stadt Wien (Executive Summary, PDF) wurde vergangene Woche präsentiert.

Mehrere hundertausend Euro Mehrwert für die Stadt
Im Schnitt hätten Entwickler 68,6 Stunden an einer App gearbeitet, so Höchtl, wobei der spielerische Umgang mit den Daten für viele im Vordergrund stand, Interesse an der Kommerzialisierung gäbe es kaum. Rechne man 80 Euro für eine Entwicklerstunde sei so ein Wertzuwachs von mehreren hunderttausend Euro für die Stadt entstanden, sagte Höchtl. Zwar seien die Zahlen mit Vorsicht zu betrachten, sie würden jedoch in eine positive Richtung weisen.

Die Studienautoren empfehlen der Stadt neue Fördermodelle zu erarbeiten, die Entwicklern von Open-Data-Apps bei der Umsetzung und Vermarktung ihrer Ideen zu unterstützen. Bestehende Fördermodelle seien dazu nur bedingt geeignet, so der Wissenschaftler. Es müssten neue Wege gefunden werden, mit denen die wirtschaftliche Vermarktung experimenteller Projektideen unterstützt werden könne. Die Entwickler selbst wünschen sich laut der Studie bessere Kontaktmöglichkeiten zu den datenfreigebenden Stellen, einheitliche technische Schnittstellen sowie mehr Daten, vor allem aus den Bereichen Geodaten und Verkehr.

Image-Verbesserung
Generell habe die Open Data Initiative der Stadt Wien zu einer Verbesserung des Erscheinungsbildes der Stadt beigetragen - auch international -  und  Raum für neue Geschäftsmodelle geschaffen. Auch das Potenzial für Kreativität sei gesteigert worden, sagt Höchtl.  "Das muss jetzt gehoben werden."

Gelobt wurde auch die Einbindung der Öffentlichkeit, etwa bei Plattformtreffen mit Interessierten und Entwicklern, sowie die Strategie der Stadtverwaltung bei der Datenfreigabe. Bemängelt wurde unter anderem die fehlende Verknüpfung von Open-Data-Angeboten mit anderen Möglichkeiten der demokratischen Partizipation.

Positives Echo aus der Verwaltung
In der Verwaltung selbst stießen offene Daten auf vorwiegend positives Echo. 32 von 40 Dienststellen der Stadt erkennen dadurch Vorteile. Sie reichen von der rascheren Informationsbeschaffung bis zur größeren Mitarbeitermotivation durch Transparenz und öffentliche Nutzung der Daten. Für die Verwaltung seien offen Daten auch ein Mittel zur Qualitätssicherung, so die Autoren: "Die Stadt wird auf Fehler hingewiesen und kann so ihre Datenbasis verbessern."

Die Wirtschaft reagierte bislang verhalten auf das Datenangebot der Stadt. Open Data seien eine zusätzliche Ressource, die anlassbezogen evaluiert werde, so die Studie, sie seien jedoch für die Wirtschaft nicht zusammenhängend nutzbar. "Bestehende Daten bieten keine ausreichende Abdeckung von Anwendungsfällen", schreiben die Autoren.

Gesetzliche Verankerung gewünscht
Bürger wünschen sich laut der Studie die rechtliche Verankerung von Open Data. Derzeit gäbe es in Österreich keine grundlegende Verpflichtung für die Verwaltung, ihre Daten zu veröffentlichen, sagte Höchtl. Die Studienautoren empfehlen der Politik deshalb auch ein Informationsfreiheitsgesetz zu schaffen, um die Freigabe von Open Government Data zu fördern.

Neben der Ausweitung des Datenangebots raten sie dazu, Werkzeuge zur Nutzung der Daten zur Verfügung zu stellen. Verwaltungsintern wird ein abteilungsübergreifenden Informationsmanagement und zur Harmonisierung der Daten empfohlen. Dort, wo den Abteilungen Kosten oder Einnahmenausfälle durch die Datenfreigabe entstehen, müssten Refinanzierungsmodelle erarbeitet werden, sagte Studienautor Parycek: "Man muss Budgets umschichten."

Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen
Der Politik rät Parycek dazu offene Daten mit Bürgerbeteiligungsprojekten zu verknüpfen und auch Maßnahmen zu setzen, um das Geschlechterungleichgewicht bei der Nutzung der Datenbestände zu verringern. Das könnte über Bildungsmaßnahmen, aber auch über eigene Kategorien für Frauen bei Applikationswettbewerben geschehen, sagte Parycek. Bei der von der Donau-Universität durchgeführten Untersuchung waren etwa 80 Prozent der Befragten männlich. Generell wäre es wünschenswert, Aus- und Weiterbildungsprogramme für den Umgang mit Daten anzubieten und zu fördern.

Die Freigabe der Verwaltungsdaten sei ein erster Schritt. Nun müssten auch Wirtschaft und Vereine Daten der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, meinte Parycek. "Aber auch Daten der Bürger, die heute von Unternehmen wie Facebook liegen, sollten in den Gesamtkanon der offenen Daten einfließen."

Mehr zum Thema

(futurezone) Erstellt am 02.04.2013, 00:00

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Dein Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?