Netzpolitik
05.01.2011

HDTV über Satellit: Empfang mit Tücken

Wer zu Weihnachten einen großen Flatscreen-TV bekommen hat oder sich selbst ein neues Gerät gegönnt hat, wird schon bald nach einem gestochen scharfen HD-Bild lechzen. Mit Satellit und Kabel sind zwei Empfangsmöglichkeiten verbreitet. Die Vor- und Nachteile von HDTV über Satellit beleuchtet die FUTUREZONE im ersten Teil der Serie.

Während viele TV-Geräte mittlerweile mit einem Full-HD-Screen auftrumpfen und selbst Gerätegrößen ab 37 Zoll erschwinglich geworden sind, lässt das HD-Angebot der Fernsehsender immer noch zu wünschen übrig. Zum einen senden weiterhin nur wenige Kanäle in HD. Zum anderen fallen zumeist lästige Zusatzgebühren an, die den HD-Spaß trüben. Der erste Teil der Serie behandelt den HD-Empfang über Astra-Satellit .

Satellitenempfang: Vor- und Nachteile

Österreich zählt mit knapp zwei Millionen Satelliten-Sehern zu den absoluten Spitzenreitern Europas. Der Empfang über Astra bietet den Vorteil, dass die verfügbaren HD-Angebote der öffentlich Rechtlichen wie ORF 1, ORF 2, Das Erste, ZDF und arte sowie des österreichischen Privatsenders ServusTV und Anixe ohne Aufpreis verfügbar sind. Beim Kauf des Satellitenreceivers bzw. wenn der Fernseher über einen integrierten Receiver (DVB-S) verfügt, muss allerdings darauf geachtet werden, dass dieser HDTV-fähig ist. Für die ORF-Programme ist zudem eine eigene Smartcard nötig, die um 45 Euro erworben werden muss.

Wer mehr als die erwähnten Programme in HD empfangen will, muss aber auch über Satellitenempfang in die Tasche greifen. Darüber hinaus wird es spätestens bei der Zubuchung kostenpflichtiger Senderpakete kompliziert, da für diese Zusatzkarten oder -Module mit teils unterschiedlichen Standards notwendig sind. In Österreich bietet über Satellit offiziell derzeit nur Sky zusätzliche HD-Sender an. Ab 2011 will auch AustriaSat mit HD-Angeboten aufwarten.

Sky: HD-Angebot kostet

Um die vier HD-Sender Eurosport, National Geographic, Discovery und Hi"story" zu empfangen, muss allerdings das 25 Sender umfassende Sky Welt um 16,90 Euro dazugebucht werden. Will man weitere HD-Sender, wie etwa Sky Cinema und Sky Sport genießen, muss man zusätzlich zum gewählten Premiumpaket noch einmal fünf bis zehn Euro drauflegen. Die Angebote reichen je nach Paket von 42,90 bis 59,90 Euro monatlich.

Sky bietet seinen Sehern einen kostenlosen Receiver an, der mit der mitgelieferten Smartcard kompatibel ist. Manche Fernseher und im Handel erhältlichen Receiver sind ebenfalls Sky-tauglich. Dazu muss aber beachtet werden, dass Sky die Verschlüsselungssysteme "NDS" und "Nagra" nutzt. Da Sky auf ein entsprechendes Modul verzichtet, ist die Karte nicht mit dem weit verbreiteten CI-Standard-Schacht (Common Interface) nutzbar.

Wirrwarr wegen Verschlüsselung

Die digitale SAT-Karte des ORF, die für den Empfang der österreichischen Sender über Sat notwendig ist, arbeitet hingegen mit dem Verschlüsselungssystem "Irdeto", ältere Karten setzten auf "Cryptoworks". Über ein entsprechendes Modul ist die ORF-Smartcard jedoch mit Geräten mit CI-Schnittstelle kompatibel. Alternativ können Sky-Kunden, die nicht mit zwei Karten operieren wollen, die österreichischen Programme auch kostenlos auf ihrer Sky-Karte freischalten.

Zusätzlich kompliziert wird es durch den neuen Standard HD+, der in Deutschland bereits von den Privatsendern verwendet wird und bei uns ebenfalls im Laufe des ersten Halbjahres eingeführt werden soll. Wer dort Sender wie Pro Sieben, RTL, Sat.1, Vox, Kabel Eins und RTL 2 in HD sehen will, muss eine entsprechende Karte erwerben, die 50 Euro pro Jahr kostet. Die für den Senderempfang notwendige Smartcard kann allerdings nur über spezielle HD+-fähige Receiver und Fernseher bzw. über die neue Schnittstelle CI+ verwendet werden. Über entsprechende Module soll teilweise auch der herkömmliche CI-Schacht verwendet werden können.

HD+ in Österreich

Anders als in Deutschland wird HD+ in Österreich über die digitale ORF-Sat-Karte eingeführt. Neben den weiterhin kostenfreien ORF-Angeboten können die angesprochenen deutschen Privatsender über Zusatzentgelt auch hierzulande in HD empfangen werden. Das bestätigte Michael Weber, Sprecher der ORF-Techniktochter ORS , im Gespräch mit der FUTUREZONE.

Die Einführung erfolge frühestens im zweiten Quartal 2011, an der Zertifizierung von Boxen und auch TV-Geräten werde bereits gearbeitet. Laut ORS können nur zertifizierte Geräte den störungsfreien Betrieb garantieren. Wer also bereits einen Fernseher oder Receiver mit CI+-Anschluss sein Eigen nennt, muss darauf hoffen, dass die in Österreich folgende HD+-Umsetzung bzw. das dazugehörige Modul später keine Probleme bereiten.

Kritik an neuen Standards

Die Einführung von HD+ bzw. CI+ hat in Deutschland bereits zu schweren Verstimmungen bei Konsumentenschützern und Kunden geführt. Über die neuen Standards erhalten Sender nämlich eine viel größere Kontrolle über ihr Programm. So können sie theoretisch festlegen, welche Sendungen mit einem digitalen Videorekorder aufgezeichnet werden dürfen oder ob Werbung vorgespult werden kann.

Die Kritik an den neuen Standards ist auch ORS-Sprecher Weber nicht fremd. Im Gespräch mit der FUTUREZONE versucht er allerdings zu beschwichtigen: "Hier geht es um lizenzrechtliche Fragen, die derzeit nur theoretischer Natur sind. Der ORF wird sicher alles daran setzen, dass keine Einschränkungen für die Seher entstehen. Das System ist eine Absicherung für den Fall, dass Rechteinhaber ihr Programm schützen wollen", so Weber.

Fazit

Das kostenfreie HD-Angebot über den Astra-Satelliten ist mit sieben Sendern gut, zumal keine Monatsgebühren für den laufenden Betrieb anfallen. Die Anschaffungskosten halten sich mit durchschnittlich 40 bis 80 Euro für die Schüssel im Rahmen. Neueste CI+-fähige Receiver erhält man ab ca. 150 Euro, bei vielen neuen Fernsehern erübrigt sich die Zusatzinvestition durch die integrierten Receiver und Kartenslots gar ganz.

Um einen guten HD-Empfang zu garantieren, muss die Satellitenschüssel exakt ausgerichtet sein. Astra empfiehlt einen Schüsseldurchmesser von 60 cm, umgebungsabhängig sind mitunter auch kleinere Schüsseln ausreichend. Bei Mehrparteien-Häusern und Mietwohnungen sollte abgeklärt werden, ob die Antenne an der Außenwand angebracht werden darf.

Wenig kundenfreundlich und verwirrend sind allerdings die zum Einsatz kommenden Verschlüsselungstechnologien und Kartenstandards. Hier sollte beim Kauf eines Receivers oder Fernsehers genau abgeklärt werden, ob die jeweilige Smartcard direkt oder über Modul unterstützt wird. Inwiefern CI+ bzw. HD+ die Sehergewohnheiten, etwa das Aufnehmen von Sendungen inklusive Vor- und Zurückspulen beeinflussen wird, bleibt abzuwarten.

Über den Empfang von HDTV-Programmen über Kabel-Anbieter lesen Sie im zweiten Teil der FUTUREZONE-Serie.

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( Martin Stepanek)